Innert Minuten zerstörte Orkan Lothar im Dezember 1999 in Seon einen grossen Teil der Waldflächen, die während Jahrzehnten aufgebaut und gepflegt worden waren. 20 Jahre später präsentierte der verantwortliche Förster Marcel Hablützel den damaligen Sponsoren, was aus ihren Investitionen geworden ist. Hablützel weiss, wovon er spricht. Der Seener ist seit 27 Jahren als Förster im Gebiet tätig. «Normalerweise wird man als Sponsor in einer Broschüre erwähnt, die Sponsoren, die die Aufforstung nach Lothar unterstützten, können das Ergebnis heute vor Ort bewundern.» 40 cm hoch waren die Setzlinge, die vor 20 Jahren gepflanzt wurden. Heute sind die Bäume zwischen 14 bis 17 Meter hoch. Die Aufforstung des Seener Waldes kostete mehrere Hunderttausend Franken, wie der Kreisförster Erwin Städler erklärt.

Einen Grossteil der Finanzierung übernahmen Bund und Kanton. Aber auch die Seener Geschäfte und Privatpersonen unterstützten die Aufforstung der zerstörten Gebiete. So wurden Patronate für mehrere Hektaren Wald übernommen.

Eine Baumrinde, an der sich die Borkenkäfer gütlich getan haben.

Eine Baumrinde, an der sich die Borkenkäfer gütlich getan haben.

Ein Orkan wie Lothar ist für die Ökologie des Waldes kein Problem, wie Förster Hablützel betont: «Vielmehr steigert sich dadurch die Biodiversität. Liegengebliebenes Holz hilft zum Beispiel vielen Käferarten. Die Natur weiss sich zu helfen, der Schaden, der sich ergibt, ist ökonomischer Art.» Lothar hat den Wald auf lange Sicht nicht geschwächt, dafür kämpft er gegen einen anderen Feind: den Borkenkäfer. Schon nach Lothar breiteten sich die Tiere in einem grossen Mass aus. Das durch den Sturm am Boden liegende Holz ist die perfekte Grundlage für die Tiere. Zudem mag der Borkenkäfer ein warmes und trockenes Klima.

Die Klimaerwärmung belastet den Wald also zusätzlich. Die heissen Sommer sind der perfekte Nährboden für die Borkenkäfer. Im Normalfall bekämpfen die Bäume die Käfer selbst, indem sie mehr Harz absondern und sie so wegschwemmen. Wegen der Trockenheit sind die Bäume jedoch zu dehydriert. Besonders die Fichte hat Mühe mit der Veränderung. «Die Fichte wird im Aargau bis auf wenige Ausnahmen verschwinden», so Hablützel. Ähnlich könnte es der Weisstanne und der Buche ergehen.

Die Bäume machen zurzeit 75 Prozent des Seener Waldes aus. Eine Lösung dagegen: ein möglichst hoher Mischgrad bei der Bepflanzung. Schon seit Jahren orientieren sich die Förster an Bodenproben, um den Wald möglichst naturnahe zu bepflanzen. Zusätzlich hat die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft im letzten Jahr mit Testpflanzungen begonnen, um zu prüfen, welche Pflanzen dem veränderten Klima am besten trotzen. Ergebnisse sind jedoch erst in 30 bis 40 Jahren zu erwarten. Das Forstamt arbeitet weiter daran, den Wald so gesund wie möglich zu halten, so Hablützel. «Der Wald ist auch ein Erholungsgebiet, und das gilt es zu pflegen.» (asu)