Als der 13-jährige Zweitbezler Til Erne auf das Mainboard, das zentrale Computer-Bauteil, blickt, schlägt sein Herz schneller. Zusammen mit elf anderen Schnupperlehrlingen durfte er gestern am «Go for Work»-Schnupperanlass des Gewerbevereins Lenzburg und Umgebung in Zusammenarbeit mit der Regionalschule Lenzburg in der Firma Competec Service AG in Mägenwil den Beruf des Mediamatikers kennen lernen.

«Zum Schutz der einzelnen Teile müssen wir vor dem Einbauen ein Antistatik-Band anziehen», erklärt Berufsausbildner René Barmettler. Vorsichtig zieht der 13-Jährige das Armband an und setzt sich an den Arbeitstisch mit dem offenen Computer.

Auf Anweisung vom Ausbildner drückt der Schnupperlehrling vorsichtig kleine Plättchen in das Board vor sich. «Das sind 32 GB RAM Arbeitspeicher», erklärt Barmettler. Mit dem Ausdruck «RAM» ist der 13-Jährige bisher noch nicht vertraut.

Er weiss aber, was ein Arbeitsspeicher ist. Technik fasziniert ihn. «Ich habe auch schon mal mein Handy auseinandergenommen.» Etwa zwei Stunden braucht man, um einen ganzen Computer aufzubauen und zu installieren. «Das können unsere Lernenden bereits nach zwei Monaten selbstständig machen», sagt Barmettler. Tatsächlich schraubt am Nebentisch ein Lernender an einem Mainboard.

Geräte zusammenbauen ist aber nicht die einzige Aufgabe eines Mediamatikers. Während der vierjährigen Lehre lernt man gleich drei Bereiche kennen: KV, Marketing und Technik.

Konkret heisst das dann auch Fotografieren, Videos drehen und schneiden und auch bei IT-Problemen erste Hilfe leisten. «Ich arbeite gerne mit verschiedenen Medien und mit Computern, habe aber auch Sprachen gern», sagt der 13-Jährige, der auch als Polygraf schnuppern möchte.

Bis jetzt gefallen ihm die Tätigkeiten des Mediamatikers aber schon sehr gut. Warum aber, möchte er als guter Bez-Schüler überhaupt eine Lehre machen und nicht in die Kanti gehen? «In der Lehre kann ich bereits Geld verdienen und Erfahrungen sammeln, die ich später vorweisen kann.» Und im Anschluss könne er ja immer noch die Berufsmatur machen.

Til Erne ist als Bez-Schüler nicht der Einzige, der so denkt. Das freut den Competec-Bildungsverantwortlichen Ruedi Geissmann: «Früher hatten wir mehr Bewerbungen für die Mediamatiker-Lehrstellen, heute sind es weniger, aber bessere.»

Rund 20 Bewerbungen kommen auf eine der sechs Mediamatiker-Lehrstellen. Dies sei sicher auch den Info-Events zu verdanken. In der Firma Competec Service AG haben sich die Mediamatiker-Lehrstellen in den letzen zehn Jahren verdreifacht. «Mediamatiker sind Allrounder, die wir in verschiedenen Abteilungen einsetzen können. Das ist praktisch», so Geissmann.

Auf dem Arbeitsmarkt hielten sich die Mediamatiker-Stellen aber in Grenzen. Gesucht würden oft Spezialisten, keine Allrounder. Deshalb würden sich rund 80 Prozent der Mediamatiker-Lernenden anschliessend weiterbilden.