Adventskalender
2. Türchen: Wer heiratete, brauchte einen Kübel

Das Dorfmuseum Seon zeigt, wie schwer es für Brautpaare im 18. Jahrhundert war und welche Vorschriften sie zu beachten hatten.

Ann-Kathrin Amstutz
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Ein solcher Feuerwehrkübel war für jedes Brautpaar Pflicht. Er stammt aus dem Jahr 1787.

Ein solcher Feuerwehrkübel war für jedes Brautpaar Pflicht. Er stammt aus dem Jahr 1787.

Ann-Kathrin Amstutz

Ein grosses Hochzeitsfest, das Paar wird mit Geschenken überhäuft, und dann gehts ab in die Flitterwochen. Auf die Malediven oder in die Karibik – wenn es denn nicht für eine Weltreise reicht. So geniessen viele junge Brautpaare heute ihr Liebesglück. Im 18. Jahrhundert war es dagegen weniger ein Bekommen als ein Geben.

Davon erzählt Willi Wyrsch, Mitglied der Museumskommission des Dorfmuseums Seon. «Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts musste jedes heiratswillige Paar der Gemeinde einen Dienst erweisen. Erstens musste es einen Feuerwehrkübel aus Leder beschaffen, und zweitens eine junge Eiche setzen.» Nicht besonders romantisch. Nein, praktisches Denken stand im Vordergrund: «Damals wohnte man in Strohdachhäusern, welche leicht Feuer fingen. Bei einem Brand bildeten die Gemeindemitglieder eine Reihe vom Feuerwehrweiher zum Brandherd. In diesen Kübeln wurde dann das Wasser geschöpft und weitergereicht.»

Und die junge Eiche? Mit dem Setzen von jungen Bäumen wurde der Eichenbestand gesichert. Das massive Hochstammholz wurde für die Fundamentbalken der Strohhäuser gebraucht und war wertvoll. So wertvoll, dass für das Fällen einer Eiche gar beim Vogt auf Lenzburg eine Bewilligung eingeholt werden musste.

Wie die Eichel ins Wappen kam

«Früher gab es viele Eichen in Seon», erzählt Willi Wyrsch, «bis Napoleon die Schweiz besetzte. Er verlangte Kontributionen, im Falle von Seon Eichenholz: In dieser Zeit wurden viele Eichen gefällt, etwa um Gewehrschäfte herzustellen.» Die Dezimierung der Eichenwälder habe den Seonern wehgetan, so Wyrsch: «Sie erinnerten sich an diese Zeit, indem drei Eicheln im ersten Seoner Wappen verewigt wurden.»

Von 1811 bis 1923 hatte das Wappen Bestand. Dann wurde es abgelöst vom alten Wappen der Herren von Seon, welches drei rote Sturmhüte auf weissem Grund zeigt. Auf der Gemeindewebsite ist zu lesen, dass dies «die historisch korrekte Version» sei, die drei Eichelfrüchte seien bloss aufgrund eines Missverständnisses im Wappen gelandet.

Missverständnis hin oder her, die Eichen gehören zur Seoner Geschichte. Das ist im 1964 eröffneten Dorfmuseum deutlich zu sehen, ja geradezu in Stein gemeisselt: Direkt vor dem Gebäude, mitten auf dem Sternenplatz, steht ein Brunnen. Und auf diesem Brunnen, zuoberst auf dem Sockel, thront – Sie ahnen es – eine Eichel.

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