Es ist gegen 20.45 Uhr, längst dunkel und die Strasse nass vom Regen, als die 19-jährige Elida am Montagabend bei der Berufsschule Lenzburg aus dem Bus steigt. Die junge Mazedonierin, die seit zweieinhalb Jahren in der Schweiz lebt und bei der Migros in Zürich eine Lehre als Verkäuferin macht, ist auf dem Heimweg. Sie überquert die Hendschikerstrasse, ein Autofahrer, der in Richtung Altstadt unterwegs ist, hält an und gewährt ihr den Vortritt.

Elida geht über den Zebrastreifen, der durch eine Insel unterteilt ist. Als sie auf der anderen Hälfte des Streifens ist, wird sie von einem Auto erfasst.

Der silberfarbene Volvo prallt ungebremst in die junge Frau, sie wird meterweit weggeschleudert und bleibt mit schweren Kopfverletzungen liegen. Als der Rettungsdienst und die Polizei eintreffen, ist Elida nicht ansprechbar. Die Ambulanz bringt sie ins Kantonsspital Aarau, dort stirbt sie in der Nacht.

Cousin ist zutiefst erschüttert

Der Cousin der 19-jährigen Elida ist tief erschüttert. «Es ist wirklich brutal. Mit 19 Jahren, plötzlich weg – das ist für uns alle ein riesen Schock», erklärt er gegenüber Tele M1. «Um 19 Minuten nach 1 Uhr wurde sie von den Ärzten für tot erklärt. Das war das Schlimmste: Zu erfahren, jetzt ist sie definitiv gegangen», erklärt ihr Cousin unter Tränen. Die Familie sei nicht wütend auf den Unfallfahrer, doch sie stelle sich viele Fragen. Warum der Fahrer die Fussgängerin nicht gesehen habe, und warum auch sie nicht erkannt habe, dass das Fahrzeug nicht hält, sei für ihn unverständlich. Elidas Cousin fragt sich, ob allenfalls ein Handy im Spiel war.

Ob sich diese Fragen je beantworten lassen, ist offen. Die Unfallursache ist bisher ungeklärt, die Ermittlungen der Polizei laufen. Sicher ist indes, dass der Mann vor dem Zusammenprall kein Bremsmanöver eingeleitet hat. Die Staatsanwaltschaft ordnete bei Elida und beim Autolenker, der sie überfuhr, eine Blut- und Urinprobe an. Elida wird nach Mazedonien überführt. In ihrer Heimat soll sie ihre letzte Ruhe finden.

Kein gültiger Führerausweis

Besonders tragisch: Wie Tele M1 meldet, hätte der 80-jährige Automobilist gar nicht hinter dem Steuer sitzen dürfen. Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei, sagte gegenüber dem Regionalsender: «Auf der Unfallstelle hatte er zwar einen Führerausweis dabei. Bei unseren Abklärungen hat sich später aber herausgestellt, dass der Mann mit einem Führerausweisentzug belegt war und den Ausweis deshalb unrechtmässig bei sich hatte.»
So traurig der Fall von Elida ist: Insgesamt ist die Zahl der auf Fussgängerstreifen tödlich verunglückten Personen in der Schweiz in den letzten Jahren markant zurückgegangen. Das zeigt die Statistik des Bundesamts für Unfallverhütung. Waren 1980 noch 69 Todesopfer zu beklagen, sank deren Zahl bis ins Jahr 2000 auf 50. Zehn Jahre später wurden noch 20 Fussgänger auf dem Zebrastreifen totgefahren. Die neuste Statistik aus dem letzten Jahr zählt noch 15 Tote. Es zeigt sich ein äusserst positiver Trend, und dies, obwohl die Bevölkerung in der Schweiz seit 1980 um einen Viertel zugenommen hat. Der Grund: Geschwindigkeitslimiten, nicht zuletzt die Einführung von Tempo 30

Rentner häufig Opfer

Weiter zeigen die Zahlen des letzten Jahres: Dass eine junge Frau auf einem Fussgängerstreifen getötet wird, wie im Fall von Elida, ist selten. Klar die meisten Opfer waren im Jahr 2016 Rentner. 9 von 15 Toten auf Zebrastreifen waren über 65-jährig, also im Pensionsalter. Und vier weitere Personen, die so ums Leben kamen, waren über 25-jährig.

Andererseits kommt es auf Schweizer Strassen zu immer mehr Unfällen mit über 70-Jährigen, wie «bluewin.ch» am Dienstag meldete. Laut den aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Strassen verursachten im letzten Jahr Senioren am Steuer 4896 Verkehrsunfälle. Das sind 500 Kollisionen mehr als noch 2015, und damit ein Rekordhoch. Und der Trend zeichnet sich schon länger ab. Denn seit 2011 hat sich die Zahl der Unfälle mit Senioren in dieser Altersgruppe um einen Drittel erhöht.