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16. Türchen für das Niederlenzer Dorfmuseum: Mit dem Chachelibohrer auf die Stör

Früher war der Chachelibohrer ein wichtiges Werkzeug. Heute ist er ein pädagogisch wertvolles Stück im Niederlenzer Dorfmuseum.

Peter Siegrist (Text und Foto)
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Der Chachelibohrer an der Arbeit.

Der Chachelibohrer an der Arbeit.

Peter Siegrist - Bild und Text

Für Hans Muggli, Mitglied der Museumskommission, war schnell klar, welch besonderes Stück er aus dem Fundus des Niederlenzer Dorfmuseums zeigen wollte: den Chachelibohrer.

Ein Holzwerkzeug, welches heute eher archaisch anmutet, aber zu seiner Zeit hervorragende Dienste geleistet habe. So erzählt Hans Muggli, dass halt im Bauernhaushalt im 19. und Anfang 20. Jahrhundert kaum etwas weggeworfen worden sei. «Ging etwa ein Topf, eine Trinkschale, eben ein Chacheli aus Steingut, in Brüche, so hat die Hausfrau die Scherben sorgfältig zur Seite gelegt.» So wie damals ein-, zweimal im Jahr Hausierer vor der Tür standen und ihre Waren feilboten, kamen auch andere Handwerker auf die Stör und boten ihre Dienste an.

Raffiniertes Gerät

Der Geschirrflicker zum Beispiel klopfte ab und zu an die Tür. Dieser Störhandwerker hat in den Haushalten jeweils die gesammelten Scherben genau untersucht und dann, wenn es noch möglich war, die zerbrochenen Krüge und Deckel wieder zusammengeflickt. Das wichtigste Arbeitsgerät des Geschirrflickers war dabei der Chachelibohrer. Mit diesem Gerät bohrte der Handwerker jeweils beidseits der Bruchstelle auf gleicher Höhe ein kleines Loch in die Scherbenstücke.

Der verwendete Bohrer war ein einfaches, aber raffiniertes Gerät. Auf einem senkrechten Stab war im unteren Teil eine Holzscheibe mit einer Metalleinlage aufgesetzt. Sie diente als Schwungrad und sorgte für einen kontinuierlichen Lauf. Zuunterst war eine Metallspitze eingesetzt.

Quer dazu war der Drehstab aufgesetzt, mit zwei Schnüren am Längsstab festgemacht. Durch die Auf- und Abwärtsbewegung wickelte sich die Schnur um den senkrechten Stab auf und ab und drehte dabei den Stab samt Bohrer einmal rechts, dann wieder links herum.

Durch die beiden kleinen Bohrlöcher zog der Geschirrflicker ein Stück Draht und verdrehte dessen Enden auf der Innenseite. So wurden die Bruchstücke satt aneinandergepresst, der Deckel oder die Schale war wieder zu gebrauchen. Geeignete Klebstoffe gab es damals noch nicht.

Pädagogisch wertvoll

Dass früher in Haus und Hof vieles geflickt wurde, zeige die Haltung der Menschen zu Werkzeug und Gebrauchsgegenständen. «Man hat praktisch nichts weggeworfen», sagt Muggli. Man habe zu seinen Sachen Sorge getragen. Und wenn einmal etwas in Brüche ging, dann habe man es nach Möglichkeit wieder instand gestellt.

Dieses Gerät zeige er eigentlich immer, wenn er Führungen mache im Museum, erklärt Muggli. Er finde es wichtig, den heutigen Generationen, vor allem auch den Kindern, bewusst zu machen, dass man nicht immer alles gleich wegwerfen müsse. «Häufig würde es sich lohnen, etwas zu reparieren, zu flicken.» Auch heute noch.

Das Dorfmuseum Niederlenz ist aus der privaten Sammlung des Ehepaares Hansrudolf Hauser herausgewachsen. Hauser hatte über Jahrzehnte Gegenstände, Werkzeuge, Möbelstücke gesammelt. 1970 konnte er die 300-jährige Liegenschaft, welche heute das Museum beherbergt, erwerben und restaurieren.

Hier konnte Hauser seine Sammlung platzieren. 1990 haben die Ortsbürger von Niederlenz die Liegenschaft wieder erworben, und die Sammlung weitergepflegt und öffentlich zugänglich gemacht.

Hans Muggli ist von Beruf Lehrer und vor allem historisch interessiert. So erstaunt es nicht, wenn man ihn regelmässig im Gemeindearchiv oder im Staatsarchiv beim Quellenstudium antrifft. «Ich liebe es, in alten Dokumenten zu lesen. Im Übrigen hält er sich jedoch lieber im Hintergrund, was auch erklärt, weshalb im Bild nur seine Hände mit dem Werkzeug zu sehen sind.

Das Dorfmuseum Niederlenz, Stierenweg 1, ist geöffnet von Mitte Mai bis September,
jeden letzten Sonntag im Monat, 10 bis 12 Uhr. Oder auf Anfrage: Dorfmuseum Niederlenz, Breitenweg 4, 5702 Niederlenz, 079 699 51 11.

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