Lenzburg

14 Jahre dauernder Streit im Doppeleinfamilienhaus endet vor dem Bezirksgericht

Manipulation eines Türschlosses. (Symbolbild)

Manipulation eines Türschlosses. (Symbolbild)

Nach 14 Jahren ständigem Konflikt reichte eine Nachbarin Strafanzeige gegen die andere ein. Dabei geht es um verbale Beleidigungen, Cannabis-Konsum und manipulierte Türschlösser.

Eine gute Nachbarschaft ist Gold wert. Sie füttert die Katzen des Nachbarn, er hilft dafür mal mit einem Ei oder Zucker aus. Eine gute Nachbarschaft ist aber nicht selbstverständlich, öfters gibt es Unstimmigkeiten, teilweise kommt es gar zu Streit. Im vorliegenden Fall artete der Streit so aus, dass sich die beiden Parteien vor dem Bezirksgericht Lenzburg wiedertrafen.

Ida (alle Namen geändert) und ihr Partner wohnen seit rund 17 Jahren in der einen Hälfte eines Doppeleinfamilien­hauses, zwei Jahre später zog Jacqueline mit ihrer Familie in die andere Hälfte. Ein gutes Verhältnis herrschte zwischen den beiden Parteien noch nie, in der Anklageschrift ist von Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen die Rede. Vor Gericht stehen die Parteien, weil Jacqueline im Mai 2019 Strafanzeige gegen Ida gestellt hat. Dabei geht es um Beschimpfung und Nötigung.

Jacqueline und ihre Familie können seit Dezember 2018 eine Eingangstüre zu ihrer Wohnung nicht mehr nutzen. Dies weil, und da ist sich Jacqueline sicher, Ida das Türschloss manipuliert hatte. «Sind Sie sich sicher, dass Ida das Türschloss manipuliert hat?», wollte Gerichtspräsidentin Eva Lüscher wissen. «Neben meiner Familie wohnen nur Ida und ihr Partner im Haus, da liegt es wohl auf der Hand», so Jacqueline.

Auseinandersetzung mit Beschimpfungen

Einige Monate später, im Frühjahr 2019, kam es zu einer Auseinandersetzung vor dem Haus. Was genau gesagt wurde, möchte Jacqueline nicht wiederholen. Unter anderem soll Ida Jacqueline und ihren Mann als «unfreundliches Pack» und «Kiffer» bezeichnet haben. Ausserdem habe sie gesagt, dass die Beiden «Dreck am Stecken haben» und «von der Sozialhilfe leben», so heisst es in der Anklageschrift.

Dass Jacqueline Cannabis konsumiert, ist eine Tatsache. Sie tut es mit einer ärztlichen Verordnung aufgrund ihrer Schmerzerkrankung. Sozialhilfe bezieht die Familie keine. Sie habe jedoch zu einem späteren Zeitpunkt rückwirkend eine Teil-IV-Rente erhalten und bekomme zudem Leistungen, weil sie ihren behinderten Sohn zu Hause betreue. Das Fass zum überlaufen gebracht habe am Ende die Tatsache, dass Ida eine Gefährdungsmeldung beim Familiengericht gemacht habe. Der Grund: Die Familie kümmere sich nicht gut um den Sohn.

Ida gibt vor Gericht zu, dass sie Jacqueline und ihren Mann als «Kiffer» bezeichnet hat. Sie habe nicht gewusst, dass das als Beschimpfung gelte. Für sie sei es ein Suchtverhalten, das die beiden haben: «Seit sie eingezogen sind, bauen sie auch an.» Auch als Sozialhilfebezüger habe sie die beiden bezeichnet, «sie arbeiten ja nicht». Die restlichen Aussagen bestreitet sie: «Das sind keine Worte aus meinem Mund.» Während Idas Aussage schüttelt Jacqueline oft den Kopf, Augenkontakt ist derweil zwischen den beiden Frauen nie vorhanden.

Nachbarin bestätigt Manipulierung des Türschlosses

Die Diskussion um das manipulierte Türschloss erweist sich als komplex. Ida bestätigt vor Gericht, dass ihr Partner das Türschloss mit einem Holzstück manipuliert habe. «Die Türe ist zum grössten Teil auf unserem Grundstück», sagt sie. Zudem hätten Jacqueline und ihr Familie die Tür kaum benutzt. Und überhaupt sei öfters etwas weggekommen und auch die Wände seien verschmiert worden.

Ausdruck «Kiffer» geht in Ordnung – weil es stimmt

Der Versuch der Gerichtspräsidentin einen Vergleich für die beiden Parteien zu finden, scheiterte. Die Fronten sind verhärtet. Die aktuelle Gerichtsverhandlung ist auch nicht die einzige, die beiden Parteien streiten sich auch vor dem Zivilgericht. Nach einer zweistündigen Diskussion spricht Eva Lüscher das Urteil: Ida wird in al­len Anklagepunkten schuldig gesprochen. Ausnahme dabei ist der Ausdruck «Kiffer», da Jacqueline tatsächlich Canna­bis konsumiert. Auch wegen des manipulierten Türschlosses muss sie sich verantworten: «Auch wenn ihr Partner das Türschloss manipuliert hat, war es eine gemeinsame Entscheidung», erklärte Lüscher. Ida erhält eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 30 Franken und muss eine Busse von 300 Franken bezahlen. Ausserdem trägt sie die Verfahrenskosten und die Anklagegebühr.

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