Adventskalender
14. Fenster: Ein Disput mit dem Reformator Zwingli im Ledereinband

Ein über 300 Jahre altes Buch erzählt von einem Gontenschwiler Pfarrer, der sich gegen die Reformation wehrte.

Sibylle Haltiner
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Rolf Bolliger zeigt die Disputation, die im Dorfmuseum ausgestellt ist.

Rolf Bolliger zeigt die Disputation, die im Dorfmuseum ausgestellt ist.

Sibylle Haltiner

Das Dorfmuseum Gontenschwil ist eng mit der Kirche verbunden. Es steht nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft des Gotteshauses, sondern ist auch im ehemaligen Pfarrhaus beheimatet.

Kein Wunder, hat sich Rolf Bolliger, langjähriges Vorstandsmitglied der Museumskommission und heute freier Mitarbeiter und Berater des Dorfmuseums, dazu entschieden, ein Kirchenbuch zu präsentieren: die «Handlung oder Acta Gehaltner Disputation zu Bern in Uchtland», das Protokoll einer im Jahr 1528 abgehaltenen Diskussion, ob sich die Berner der Reformation anschliessen sollen.

Vor der Reformation verfügte Gontenschwil über eine katholische Kirche und ab 1498 über einen eigenen Pfarrer, der im Pfarrhaus wohnte, das bereits an der Stelle des heutigen Dorfmuseums stand. Etwa im Jahr 1590 wurde das bestehende Gebäude erbaut, Achilles Zschokke (1823 – 1896) war der letzte Pfarrer, der dort wohnte.

Berner Aargau wird reformiert

Vom 6. bis 26. Januar 1528 fand in Bern die grosse Disputation statt, zu welcher sämtliche Pfarrer des zur Berner Herrschaft gehörenden Gebietes zu erscheinen hatten. Anwesend war unter anderem der Reformator Ulrich Zwingli.

Auch der Gontenschwiler Pfarrer Daniel Schatt, Benediktinermönch aus dem Kloster Muri, musste teilnehmen. Als einer von wenigen ergriff er das Wort und sprach sich für den Verbleib in der katholischen Kirche aus. Sein Streitgespräch mit Zwingli ist in der «Disputation» protokolliert.

Dank der noch jungen Buchdrucktechnik konnte die Disputation rasch in allen Pfarreien verteilt werden. Im Dorfmuseum wird ein Nachdruck aus dem Jahr 1701 ausgestellt. Er verfügt über einen Ledereinband, in welchen das Berner Wappen und der Name «Gundischwyl» eingeprägt sind.

Mit Messingschlössern lassen sich die hölzernen Buchdeckel verschliessen. «Dieses Buch wurde immer im Gontenschwiler Pfarrhaus, also im jetzigen Dorfmuseum, aufbewahrt», erzählt Rolf Bolliger, Mitautor der Gontenschwiler Dorfgeschichte. «Es zeigt auf, dass ein Einzelner den Mut hatte, sich gegen alle anderen zu wehren.»

Kutte ab oder gehen

Daniel Schatt, der Gontenschwiler Pfarrer, wehrte sich auch nach der Disputation gegen das Loslösen von den katholischen Riten. Die Berner Herren fackelten nicht lange. Keine zwei Monate nach der Disputation erhielt der Landvogt von Lenzburg die Weisung: «Es soll der Pfarrer zu Gundiswyl die Kutten abziehen und nitt wider die 10 Slussreden predigen oder aber hinweg.»

Mit den «Slussreden» sind die Leitsätze der Berner Disputation gemeint, gegen welche sich Schatt aussprach. Da er die Vorgaben nicht erfüllen wollte, musste er das Moränendorf verlassen.

Für die Gontenschwiler hatte die Reformation einschneidende Veränderungen zur Folge. Die Beziehung zu den katholisch gebliebenen Nachbarn wurde viel schwieriger. Hochzeiten über die Konfessionsgrenze hinweg waren nicht möglich. «Es gab eine regelrechte Spaltung der Gesellschaft», berichtet Bolliger.

Wagte sich beispielsweise ein reformierter Gontenschwiler über die Grenze hinweg an eine katholische Tanzveranstaltung, wurde er für dieses Vergehen vor das Chorgericht zitiert. Ein dickes Buch mit handgeschriebenen Protokollen solcher Verhandlungen ist ebenfalls im Dorfmuseum ausgestellt.

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