Lenzburg ohne Tambouren wäre wohl kaum denkbar. Sie gehören zum Jugendfest wie die Schulmädchen in ihren schneeweissen Röckli. Ohne sie wären die Freischaren wie eine Horde Kämpfer ohne General. Dass Tambouren als Sujet die Pins des diesjährigen Freischaren-Manövers zieren, hat seinen guten Grund: Der Tambourenverein feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen mit einem grossen Fest am ersten Mai-Wochenende.

Seit 1918 wird in Lenzburg getrommelt. Am 18. Mai wurde der Militär-Tambourenverein gegründet. «Die Militärtambouren wollten das Trommeln auch ausserhalb der Armee als Hobby pflegen, weiss Ehrenmitglied Markus Moser, der das Organisationskomitee für die Jubiläumsaktivitäten präsidiert.

Im Aargau Spitze

Schon ein Jahr nach der Gründung verschwand der Begriff Militär aus dem Namen wieder. Fortan nannte man sich Tambourenverein. Das ist bis heute so geblieben. Selbstbewusst massen sich die Lenzburger Tambouren bereits vier Jahre nach ihrer Gründung am Eidgenössischen Tambourenfest in Biel mit Trommlern aus der ganzen Schweiz im Wettbewerb. So ist es heute noch.

Die Teilnahme an nationalen und regionalen Wettspielen gehört zum festen Vereinsprogramm. Dabei begnügen sich die Lenzburger nicht einfach mit dem Prädikat «Mitmachen», man hat höhere Ambitionen. «Kantonal gehören wir zu den besten», sagt Markus Moser. Im gesamtschweizerischen Vergleich sei die Konkurrenz gross, vor allem aus den Kantonen Wallis und Solothurn. Spitzenvereine kommen und gehen, die notwendige hohe Übungsfrequenz halte kaum ein Verein über längere Zeit durch.

In Lenzburg hingegen setze man auf Kontinuität und Nachhaltigkeit, sagt Moser. Geprobt werde zweimal pro Woche. Heute hat der Tambourenverein 35 aktive Tambouren. Hinzu kommen rund 40 Jungtambouren, die verschiedene Ausbildungsstufen durchlaufen, bis sie zu den Aktiven wechseln können.

Existenzfrage

Dass so viele Schülerinnen und Schüler die anspruchsvolle Tambouren-Ausbildung in Anspruch nehmen, macht Markus Moser glücklich. Er hat schon andere Zeiten erlebt, als der Verein um das Weiterbestehen bangen musste. Deshalb hat Moser nach Abschluss seiner Rekrutenschule als Tambour die Ärmel hochgekrempelt und zusammen mit dem damaligen Präsidenten und heutigen Ehrenpräsidenten Markus Estermann das Lenzburger Tambourenwesen wieder auf die Beine gestellt. «Wir haben viel in die Ausbildung investiert», erinnert sich Moser.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Nur wenige Jahre danach schlug dem Verein eine hohe Sympathiewelle aus der Bevölkerung entgegen. Als der Tambourenverein zum 75. Geburtstag eine neue Uniform anschaffen wollte, waren die notwendigen 100 000 Franken im Nu zusammengetrommelt, erinnert sich Markus Moser.

Die Uniform ist eine Nachbildung der Bekleidung der Aargauer Füsiliertambouren aus dem Jahr 1827. Sie ist bis heute Prunkstück des Vereins geblieben. «Im Sommer gibt sie zwar manchmal etwas gar warm», weiss Markus Moser aus eigener Erfahrung. Er lacht. Das nehme man gerne in Kauf, «ist es doch für jeden Tambouren eine grosse Ehre, die Uniform tragen zu dürfen».

Geburtstagswünsche

Auch zum 100. Geburtstag hat der Verein eine Wunschliste parat. Zuoberst stehen moderne Trommeln. Dafür hat man wiederum eine Sammelaktion geplant.

Noch etwas möchte Markus Moser ändern. Obwohl immer wieder Mädchen die Tambouren-Ausbildung in Angriff nehmen, ist unter den Aktiven nur eine einzige Frau zu finden. «Die meisten Mädchen hören nach der Schulzeit wieder auf und wenden sich andern Interessen zu», bedauert der OK-Präsident.