Schloss Lenzburg

100 Jahre Aargauer Hauswarte: «Abwart zu sagen ist veraltet und abwertend»

Hauswart Rolf Robmann mit dem «John Deere» in «seiner» Schulanlage Risi in Dottikon.

Hauswart Rolf Robmann mit dem «John Deere» in «seiner» Schulanlage Risi in Dottikon.

Am Samstag feiern die aargauischen Hauswarte auf Schloss Lenzburg den 100. Geburtstag ihres Berufsverbandes. Die Schüler seien nicht schlimmer geworden, erzählt der Präsident Rolf Robmann. Dafür stört ihn ein anderes Phänomen.

Rolf Robmann ist Hauswart mit eidgenössischem Fachausweis. Er kümmert sich um die Schulanlage Risi in Dottikon, zwei Kindergärten und die Bibliothek. Die Bezeichnung «Abwart» mag er nicht. «Abwart ist erstens veraltet und zweitens hat es einen abwertenden Beigeschmack», sagt er. Deshalb korrigiert er sofort und konsequent, wenn ihn jemand als «Abwart» bezeichnet.

Seit 18 Jahren ist das Risi zentral in seinem Leben und er kennt die Schulanlage, wie kein zweiter; ist bei Lehrpersonen und Schülern respektiert, auch wenn der Kontakt nicht sehr eng ist. «Ich mache immer unmittelbar vor den Lehrern Pause; und gehe wieder an die Arbeit, wenn sie kommen. Das ist der Moment, wo wir uns jeweils kurz austauschen.»
Im Grossen und Ganzen ist Hauswart Robmann auch mit den Schülern zufrieden, sie seien keinesfalls schwieriger geworden im Vergleich zu früher. Was ihn aber heftig stört, ist das zunehmende Littering. «Ich staune immer wieder, was manche Schüler alles wegwerfen oder einfach liegenlassen.» Manchmal greift er ein, wer erwischt wird, darf ihm beim Aufräumen oder Reinigen des Areals helfen. Und regelmässig, wenn er einen Schlawiner zur Rede stelle, höre er immer wieder den wahrscheinlich häufigsten Schülerspruch: «Ich be das gar nid gsi!»

Hauswart aus Leidenschaft

Hauswart Robmann schätzt an seiner Tätigkeit, dass er selbstständig arbeiten kann. Er sagt, er spüre, dass man ihm vertraue. Dafür nimmt er auch die langen und unregelmässigen Arbeitszeiten in Kauf; Abend- und Wochenendeinsätze gehören einfach dazu. Zu seinem Reich gehören auch drei Sportplätze mit viel Grünfläche. Und der entsprechende Maschinenpark mit Traktor und Rasenmähern. «Ich repariere gerne Maschinen», sagt Robmann. Zusätzlich hat er auch die elektrische Installationsbewilligung und ist damit auch der Hauselektriker für die einfacheren Fälle. Für Robmann ist klar, was ein guter Hauswart für Voraussetzungen mitbringt: «Er muss handwerklich gut sein, ist menschlich umgänglich ohne sich anzubiedern, und er kann mit den langen Präsenzzeiten umgehen.»

Er selber ist ursprünglich Landwirt, war Pächter ohne Perspektive auf eine bäuerliche Zukunft. Als die Gemeinde Dottikon 1998 einen Schulhauswart suchte, meldete er sich; war eine kurze Zeit lang Bauer und Hauswart zugleich, gab dann die Landwirtschaft auf und wurde Hauswart aus Leidenschaft, absolvierte die berufsbegleitende, zweijährige Ausbildung.

Am Samstag wird gefeiert

Der heutige Tag ist für Rolf Robmann ein besonderer Tag. Denn der Fachverband Aargauischer Hauswarte, den er präsidiert, feiert seinen 100. Geburtstag auf Schloss Lenzburg mit einem Fest, das am frühen Nachmittag beginnt und bis weit in die Nacht dauern wird. Der Verband sei für alle Arbeitnehmer, die sich um den Unterhalt von meist öffentlichen Gebäuden kümmern, sagt Robmann. Man engagiere sich in der Weiterbildung, biete Mentoring und Coaching sowie Rechtsschutz an, pflege den Gedankenaustausch unter den Hauswarten oder auch nur das gesellige Beisammensein.

Früher gab es noch die Bettagsmontagsreise, aber die wurde abgeschafft, als es keine kantonale Bettagskonferenz der Lehrer mehr gab. Früher hat der Vorstand auch im Sinne einer Dienstleistung die Schulanlagen bewertet: Welchen Unterhalt sie brauchen und wie viel davon. Heute gibt es eine Software und externe Firmen, die das übernehmen. Der Verband gibt auch regelmässig Lohnempfehlungen ab. Wie steht es mit den Löhnen für die Hauswarte im Aargau? «Wir können wir uns nicht beklagen», erklärt Robmann. «Wir leisten eine anspruchsvolle Arbeit für die Allgemeinheit, und wir werden in den meisten Gemeinden fair entlöhnt – auch im Vergleich mit anderen Kantonen.»

Dennoch ist der höchste Aargauer Hauswart nicht ganz zufrieden. Er hat sich zum Ziel gesetzt, dass der Verband an seinem 100. Geburtstag 500 Mitglieder hat. Das hat er nicht geschafft. 468 Hauswarte zählt der Verband, und Frauen sind kaum dabei. Aber er braucht ja auch noch ein paar weitere Ziele für die nächsten 100 Jahre.

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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