Seon

10-Jahr-Jubiläum: Liebeszoff gibt Bühnenstoff

Theaterleiter Manfred Stenz (hinten links) ist nicht zufrieden. Romeo (gespielt von Sandro Wehrli) bringt die Aufführung in Gefahr. mch

Theaterleiter Manfred Stenz (hinten links) ist nicht zufrieden. Romeo (gespielt von Sandro Wehrli) bringt die Aufführung in Gefahr. mch

Die Jubiläumsproduktion des Schülertheaters mit Vorstellungen diesen Mittwoch und Donnerstag ist inspiriert von der ersten Aufführung vor zehn Jahren. Genauso wie damals dient Shakespeares Tragödie Romeo und Julia als Vorlage für die Aufführung.

Man merkt schnell, dass die Erzählung von Manfred Stenz auf eine interessante Pointe zusteuert. Der Theaterpädagoge aus Menziken hat vor zehn Jahren als Leiter die Theatergruppe an der Schule Seon in der heutigen Form mitbegründet. Für die erste Aufführung diente eine der bekanntesten Tragödien als Vorlage. Romeo und Julia. Das Shakespeare’sche Weltmuster für Liebesschmerz, sollte die Zuschauer bewegen und rühren. «Ich hatte meine Bedenken», sagt Manfred Stenz heute, «und habe dann doch entschieden, ein Schulpärchen die beiden Hauptprotagonisten spielen zu lassen». Jetzt ahnt man die Katastrophe. «Ziemlich genau drei Stunden vor Vorstellungsbeginn gab der Junge dem Mädchen den Laufpass. Kam hinzu, dass ein Kollege die Nachricht übermitteln musste.»

Die heile Welt einer Schülerin war erschüttert worden und das Beben breitete sich bis auf die Bühnenbretter aus. Durch das eingespielte Ensemble ging plötzlich ein tiefer Riss. Beruhigungstropfen wurden herbeigeschafft, aufmunternde Worte gesprochen, am Ende ging alles gut. Auf der Bühne zumindest.

Der Rest ist Theatergeschichte

Zur Jubiläumsproduktion des Freifachs Schultheater hat sich Manfred Stenz in seinem Stück «Heartbeat» von diesen turbulenten Ereignissen inspirieren lassen. Schauplatz ist eine amerikanische Highschool. Die Theatergruppe der Schule bereitet sich auf den Auftritt an einem Festival vor. Zum Besten geben wollen sie, natürlich, Romeo und Julia. Der Rest ist Seoner Theatergeschichte.

«Heartbeat» präsentiert sich als dichtes und spannendes Spiel im Spiel, das von den zehn mitwirkenden Schülerinnen und Schülern der dritten und vierten Oberstufenklassen viel Einfühlungsvermögen und Rollenverständnis verlangt.

Die Akteure offenbaren bei der Probe vom vergangenen Donnerstag unter den leidenschaftlichen Anweisungen des Theaterleiters ein teilweise erstaunliches Potenzial, das es bei den Aufführungen morgen Mittwoch und am Donnerstag abzurufen gilt.

Befreiende Kraft der Bühne

Annalisa Rompietti (15), die bereits im zweiten Jahr das Freifach Schultheater belegt, erfährt die Theatergruppe als grossen Freundeskreis: «Jeder wird aufgenommen, so wie er ist.» Yannick Gerbex (15) spricht dem Engagement auf der Bühne auch eine befreiende Kraft zu. «Man kann Mut schöpfen. Es fällt einem leichter, auf andere Menschen zuzugehen.»

Theaterleiter Manfred Stenz sieht das Schultheater als verbleibende Insel der Kreativität. «Die Schullandschaft hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. In immer mehr Bereichen wird bewertet und benotet. Das künstlerische Schaffen verliert im Leben und in der Schule zunehmend an Wert. Dagegen bietet das Theater einen Raum für die Schüler, um kreativ tätig zu sein.» Das Leben, so Stenz, zeige sich als vermehrt genormt. Wer nicht passe, falle raus. «Hier gibt das Theater Gegensteuer.»

Das Publikum darf sich zum Jubiläum des Schultheaters Seon im Forum auf eine intensive Inszenierung freuen, in welcher der Kreativität der Schüler freien Lauf gelassen wird.

Aufführungsdaten Mittwoch, 22. Januar, und Donnerstag, 23. Januar, jeweils um 20 Uhr im Forum Seon.

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