Die Schweiz ist ein Fahnenland. Es gibt kaum ein Eigenheim, in dessen Garten nicht eine Fahne weht. Auch für viele Vereine und Organisationen gehört eine Fahne oder Standarte zur Grundausrüstung. Mit einer Fahne stehen viele Menschen zu ihren Wurzeln.

Das war auch einer der Gründe, warum eine Gruppe aus Rothrist an «ihrem Hausberg», dem Born, 2008 erstmals eine Schweizer Fahne montierte. Das 4 mal 4 Meter grosse Tuch, weit über der nationalen Hauptverkehrsachse, störte kaum jemanden, ganz im Gegenteil. «Es ist unsere Landesfahne, und auf die sind wir sehr stolz», sagt Thomas Engel, Sponsor der ersten «Born-Fahne».

Grösse verdoppelt

2012 musste die Fahne erneuert werden. Die Initianten verdoppelten die Grösse, liessen sie aus Plache anfertigen und montierten sie erstmals an Ostern am bisherigen Ort. Sturmsicher und dauerhaft verankert. Nun stach sie aber der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz ins Auge. «Wir sind der Meinung, dass man dieser Dauerbeflaggung endlich ein Ende setzen soll», so Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL).

Er ärgert sich, dass die Verankerung und die Befestigungseinrichtungen für die rund 50 Kilo schwere Fahne ohne Baubewilligung errichtet worden seien. «Dieser hier zelebrierte Fahnenkult ist ein Ärgernis», so Raimund Rodewald weiter. Eine verbliebene Naturinsel in einem dicht besiedelten Raum werde so vereinnahmt. «In wahrlich plakativer Weise wird hier einem Pseudopatriotismus gefrönt und Fahnentreue zur Schau gestellt.»

Schlimmer noch: «Es stellt sich hier die Frage, ob diese fahnenbegeisterten Eidgenossen sich hier nicht fremden Eigentums bemächtigen, da der Born eigentlich der Öffentlichkeit gehört.»

Gemeinde stört sich nicht

In Kappel, der Standortgemeinde der Fahne, äussert man sich zurückhaltend und sieht kein Problem mit der Fahne. «Mut, die Beflaggung zu beenden, hat niemand», meint Raimund Rodewald. «Man fürchtet sich wohl in Kappel, dann keine guten Schweizer mehr zu sein.» Die Fahne soll an Ostern wieder gehisst werden.(ran)