Küttigen
Schokolade für mehr Biodiversität – im Weinbau der Familie Wehrli gibt es bald mehr einheimische Pflanzen unter den Reben

Im Küttiger Weinbau Wehrli startete Susi Steiger-Wehrli eine Pflanzaktion, um der Monokultur die Stirn zu bieten. Gartenspezialist Daniel Labhart weiss, was es dazu braucht.

Cynthia Mira
Merken
Drucken
Teilen
Pflanzen sorgen in den Rebbergen von Susi Steiger-Wehrli für Vielfalt. Hilfe gibt es vom Schafisheimer Gärtner Daniel Labhart.

Pflanzen sorgen in den Rebbergen von Susi Steiger-Wehrli für Vielfalt. Hilfe gibt es vom Schafisheimer Gärtner Daniel Labhart.

Cynthia Mira

Die Familie Wehrli nahm auf ihrem Weinbau in Küttigen ein ökologisches Grossprojekt in Angriff. In den letzten zwei Tagen setzten sie fast 3000 Pflanzziegel zwischen die Jungreben in die Erde. Die viereckigen schon bepflanzten Flächen hat Daniel Labhart in seiner Gärtnerei in Schafisheim gedeihen lassen. Mit den Blöcken versuchen sie, unter den Rebstöcken die einseitige Pflanzenwelt zu beseitigen.

Fast 3000 viereckige Pflanzziegel wurden versenkt.

Fast 3000 viereckige Pflanzziegel wurden versenkt.

Cynthia Mira

Der Duft von Kakaobohnen wehte gestern ebenfalls über das Feld. Die Splitter dienen aufgrund ihrer öligen Konsistenz als Dünger. Zudem isolieren sie und bieten Schutz, damit sich auf der Erde rund um die Ziegel nicht gleich wieder Gräser ansiedeln. Bald sollen sich hier nämlich Habichtskraut, wilder Thymian, Gamander, Gänseblümchen und weitere einheimische Sorten ausbreiten. «Die Ziegel sind sieben Zentimeter dick und mit kokosfreier Erde ausgestattet; zudem ist unten eine Schafwollmatte ausgelegt», sagt Daniel Labhart.

Schokoladenraspeln sorgen für Schutz und einen speziellen Geschmack.

Schokoladenraspeln sorgen für Schutz und einen speziellen Geschmack.

Cynthia Mira
Extra angefertigte Pflanzziegeln holen die Vielfalt zurück.

Extra angefertigte Pflanzziegeln holen die Vielfalt zurück.

Cynthia Mira

In einem Töpfchen würden sich die Wurzeln im Kreis drehen. Bei diesen Ziegeln können sie in die Tiefe vordringen und sich so nach gut 50 Zentimetern festsetzen. Der Vorsprung hilft den Pflanzen, ohne geht es nicht.

Das Gute sei, dass sie weiterhin die Nährstoffe erhalten, die sie brauchen, führt Labhart aus. «Wir mussten Pflanzen nehmen, die sich gegenseitig nicht verdrängen, in etwa gleich hoch sind und Hitze genauso wie Schattenplätze gut aushalten», sagt er. Sie werden kaum höher als 25 Zentimeter und stören damit die Reben in keiner Weise.

Die Aktion erfordert Mithilfe und gutes Wetter.

Die Aktion erfordert Mithilfe und gutes Wetter.

Cynthia Mira

Ohne diese Starthilfe sei es schwierig, für mehr Biodiversität in den Rebbergen zu sorgen, sagt er. Denn ein Blumensamen muss genau die perfekte Situation vorfinden, um sich an einem Ort festzusetzen.

Die Familie Wehrli möchte ein gesundes Ökosystem

«Einfach Saatgut zu streuen, funktioniert nicht», sagt auch Susi Steiger-Wehrli. Von 1000 verstreuten Samen gibt es vielleicht eine Pflanze, die sich festsetzen kann, aber das dann meistens noch an der falschen Stelle. Mit den Ziegeln versucht sie nun eine neue Methode, die erfolgsversprechend klingt: «Im Herbst wird keine Erde mehr zu sehen sein, weil diese Pflanzen genug Vorsprung hatten, um sich jetzt auszubreiten», sagt Daniel Labhart.

Die Familie Wehrli will mehr Biodiversität in den Rebstöcken.

Die Familie Wehrli will mehr Biodiversität in den Rebstöcken.

Cynthia Mira

Die Jungreben der Familie Wehrli sind erst drei Jahre alt. Es sei ein Ziel, auf jeglichen Eingriff mit Herbiziden oder Ähnlichem zu verzichten. Zudem wollen sie auch die ökologische Art, die Gräser einfach zu mähen, künftig vermeiden. Der natürliche Kreislauf soll Aufschwung erhalten, wodurch sich die Pflanzen und Tieren gegenseitig nützen und schützen. «Wenn wir hier einheimische Pflanzen haben, dann haben auch keine Schädlinge Platz», sagt sie.

Teure Investition ist nötig, um Diversität zu schaffen

Die Investition sei teuer und halte viele Betriebe von einem solchen Schritt ab. Man komme aber nicht drum herum. Um den Folgen von Monokulturen entgegenzuwirken, müsse man investieren. Die Wehrlis möchten mit diesem Projekt einen weiteren Beitrag für ein gesundes Ökosystem leisten.