Kommentar
Der versteckte Lehrkräftemangel: Wenn Studenten und Kindergärtnerinnen an der Schule unterrichten

An Aargauer Schulen unterrichten auch Personen ohne Lehrdiplom. Das wird sich so schnell nicht ändern. Der Kanton ist gefordert, die Schulen zu unterstützen.

Eva Berger
Eva Berger
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Schulzimmer ohne Klasse, die Stühle stehen auf den Pulten. Schule Bellikon in Zeiten der Coronakrise, 13. April 2020.

Schulzimmer ohne Klasse, die Stühle stehen auf den Pulten. Schule Bellikon in Zeiten der Coronakrise, 13. April 2020.

Alex Spichale

Wer an einer Aargauer Schule unterrichtet, hat nicht unbedingt ein Lehrdiplom. Das Angebot an ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer deckt die Nachfrage keineswegs, Schulleitungen stellen darum auch ungenügend qualifiziertes Personal ein.

Sie haben bisweilen keine andere Wahl. Die Schule kann nicht einfach ausfallen, wenn sich keine Stellvertretung oder gar Klassenlehrperson findet. Dennoch ist es ein Missstand. Auf einer Intensivpflegestation werden schliesslich auch keine Augenärzte eingesetzt. Das Lehrdiplom erfordert ein Studium, sind nicht genügend Lehrpersonen vorhanden, handelt es sich dabei um einen Fachkräftemangel, der gelöst werden muss und nicht versteckt werden darf. Für die Schülerinnen und Schüler geht es um Chancengerechtigkeit, für Eltern um die Zusammenarbeit mit der Schule, für die Kollegen darum, Verantwortung abgeben zu können und nicht noch die Arbeit anderer, schlechter Ausgebildeter, übernehmen zu müssen.

Das Problem ist zwar erkannt, der Regierungsrat fasst im Projekt «Magis» alle Bemühungen gegen den Lehrkräftemangel zusammen, er will ihm begegnen. Es reicht aber nicht, junge Leute mit Imagekampagnen und besseren Löhnen von einem Studium an der pädagogischen Hochschule zu überzeugen. Das dauert zu lange. Die Schulen vor Ort brauchen jetzt Unterstützung, die schlecht Ausgebildeten jetzt Weiterbildungen. Auch dafür muss der Kanton Verantwortung übernehmen. Jetzt.

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