Kleine Flieger sorgen für dicke Luft

Bettwiler Gemeinderat regelt neu das Fliegen mit Modellflugzeugen, das passt Benutzern des Geländes gar nicht.

Marc Ribolla
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Um diesen Bettwiler Grünstreifen dreht sich die Debatte.

Um diesen Bettwiler Grünstreifen dreht sich die Debatte.

Bild: zvg

Nirgends im Aargau ist die Luft so dünn wie in Bettwil. In der höchstgelegenen Gemeinde des Kantons spielt sich derzeit auch ein Paragrafen-Zwist um den Luftraum ab. Anfang Mai hat der Gemeinderat ein Reglement verabschiedet und rückwirkend vor Einsichtnahme durch die Zielpartei in Kraft treten lassen. Es geht um Auflagen für die Erteilung einer Modellflugbewilligung. Darin wird festgehalten, welche Flugzeugtypen geflogen werden dürfen, die Anzahl Flugbewegungen, die Flugzeiten und der Flugraum.

Doch warum plötzlich diese Vorschriften, nachdem dort seit langem auf privater Basis sporadisch geflogen wird? Dahinter steckt mehr. Auf Anfrage erklärt Ammann Peter Keusch: «Es gab und gibt gewisse Reklamationen von Nachbarn, die sich an den Lärmemissionen stören. Es ist eine komplizierte Angelegenheit.» Das besagte Grundstück ist von Lukas Fischer von der Holziker Roseheli AG gepachtet. Er benutzt es gelegentlich für Helikopter-Landungen, um laut seinen Aussagen Landschäden anderweitig zu vermeiden. Fischer lässt aber auch einen Modellflug-Kollegen aus der Region das Gelände benutzen.

«Es ist eine Wiese, die ab und zu gemäht wird»

«Von einer Modellflugpiste, ja gar von Vereinstätigkeit zu sprechen, ist weit gefehlt. Es ist eine Wiese, die ab und zu gemäht wird. Das Ganze hat keinen Veranstaltungscharakter, wie es Bettwil gemäss Paragraf 14 im Polizeireglement gerne sehen möchte», sagt Fischer. Im letzten Jahr sei dort fast nie mit Modellflugzeugen geflogen worden. Ammann Keusch entgegnet: «Der Platz wurde gemäss eigenen Aussagen der Betreiber geebnet und anschliessend Rasen angesät, somit kann man von einer passablen Modellflugpiste reden.»

Lukas Fischer stösst auf, dass die Gemeinde aus dem Nichts ein Reglement erlässt. «Bettwil bastelt aus einer rein privaten Angelegenheit eine öffentliche Sache, um einem selbst konstruierten Reglement einen rechtlichen Rahmen zu geben. Vor dem Erlass hat man nicht mal mit uns gesprochen», erklärt Fischer. Seit 2004 benutze er diesen Platz ohne Probleme. Im Umkreis von 400 Metern befinden sich keine Gebäude und das Bettwiler Zentrum liegt rund einen Kilometer entfernt.

Offenbar stört der gelegentliche Modellflugbetrieb aber vor allem einen Einwohner Bettwils, der vor wenigen Jahren aus der lärmgeplagten Zürcher Flughafen-Region hergezogen ist. Der Bettwiler Modellflieger sagt: «Seit zwei Jahren wurden kaum Modelle mit Verbrennungsmotor geflogen, nur elektrische. Von Lärm kann also nicht gesprochen werden. Der Grünstreifen ist in der Landwirtschaftszone. Die Emissionswerte werden nie erreicht. Ich sehe keinen Grund, mich als Privater vertreiben zu lassen.»

Die Gemeindebehörden Bettwils befinden sich in dieser Causa zwischen Stuhl und Bank. Ammann Peter Keusch glaubt, mit der reglementarisch vorgesehenen Flugzone im Umkreis von 200 Metern Radius eine gute Lösung gefunden zu haben. Doch er sagt auch: «Keine der Parteien will nachgeben. Wir verbieten nicht, wir wollen einen geordneten, nach Vorschriften und Rechten gestalteten Betrieb.» Im Vorjahr klärte der Gemeinderat beim Kanton ab, ob es für die Grünstreifennutzung eine Baubewilligung braucht. Die Antwort: Nein. Die Intensität der Nutzung sei marginal, Auswirkungen auf Raum und Umwelt seien zu gering.

Ein Dialog zwischen allen Beteiligten am runden Tisch fand statt und fruchtete nicht. Trotz erlassenem Reglement ist das letzte Wort in der «Fluglärmdebatte» noch nicht gesprochen. Fischer schickte dem Gemeinderat einen Fragenkatalog: «Ich will wissen, weshalb der Rat – meiner Meinung nach illegal – ohne gesetzliche Grundlage privates, was längst geregelt ist, nochmals reglementieren will? Das gilt auch für den Luftraum, für den nicht Bettwil zuständig ist. Nötigenfalls gehe ich juristisch vor.» Bettwils Luft bleibt also vorläufig noch etwas dicker.