Aargau
Kitten die Neuen den Bundesrat?

SP und FDP brachten ihre Bundesrats-Kandidaten durch. Doch auf ihre Art sehen sich auch SVP und Grüne als Sieger. Aargauer Stimmen und Hoffnungen zu den gestrigen Bundesrats-Ersatzwahlen.

Mathias Küng
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Beidseits grosse Freude

Beidseits grosse Freude

«Ich habe es von Anfang an gesagt: Wir haben zwei sehr qualifizierte Kandidatinnen», strahlt Nationalrat Max Chopard (SP) nach dem Erfolg von Simonetta Sommaruga. Über deren klare Wahl ist er sehr froh. Und freut sich, dass «dank SP» (Chopard) im Bundesrat erstmals Frauen in der Mehrheit sind.

Zudem freut es ihn, dass die im Freiamt aufgewachsene Sommaruga sogar noch eine «halbe Aargauerin» ist. Doch woher, wollen wir wissen, stammten in der Schlussphase der FDP-Ersatzwahl die 28 Nicht-SVP-Stimmen für SVP-Kandidat Jean-François Rime? Aus der SP? Chopard winkt ab. Nur vereinzelte SP-Stimmen hätten sich im Vorfeld der Wahl Richtung Rime erklärt. Er meint, die zusätzlichen Rime-Stimmen seien eher bei der CVP zu orten.

Zwei teamfähige neue Bundesräte

Was glaubt man in der FDP? Nationalrätin Corina Eichenberger ist aufgrund von Gesprächen überzeugt, dass viele grüne Stimmen zu Rime gewandert sind. Offensichtlich wählten etliche Linke Karin Keller-Sutter nicht, weil sie ihnen nicht passte. Umgekehrt, ärgert sich Eichenberger, erwarten Linke von den Bürgerlichen aber, eine linke Frau gefälligst zu wählen. Davon unbesehen, ist sie mit den Ergebnissen sehr zufrieden: «Es ziehen zwei teamfähige Mitglieder in den Bundesrat ein. Ich hoffe, dass das Gremium jetzt wieder besser zusammenarbeitet und gute Lösungen zum Wohl unseres Landes erarbeiten kann.»

Sehr ähnlich sieht das Eichenbergers Parteikollegin im Ständerat, Christine Egerszegi. Beide neuen Bundesräte seien Brückenbauer. Sie hofft, dass jetzt im Bundesrat im Geist der Zusammenarbeit gestartet wird, bedauert aber, dass am Schluss der Merz-Ersatzwahl nicht mehr beide FDP-Kandidaten im Rennen waren. Sie glaubt, dass die Stimmen, die Rime ausserhalb der SVP bekam, von der CVP stammten, vereinzelt von Grünen und SP. Für Vorwürfe von SVP-Präsident Brunner an die FDP, ihr gestern nicht geholfen zu haben, hat sie kein Verständnis. Statt solcher Diskussionen wäre es Egerszegi lieber, «wenn die SVP Hand böte, wichtige Vorlagen voranzubringen und Probleme zu lösen».

Für eine gute Zusammenarbeit sei sie immer zu haben, antwortet Nationalrätin Sylvia Flückiger (SVP). Dafür müsse man sich aber manchmal entgegenkommen. Gestern hätte aus ihrer Sicht die FDP eine solche Gelegenheit gehabt. Von der FDP ist Flückiger enttäuscht. Stolz ist sie dafür auf die eigene Fraktion, weil diese die Kandidatur Rime konsequent durchzog. Das Ergebnis sei «ein sehr grosser Achtungserfolg». Gleichwohl ärgert sie sich: «Als stärkste Fraktion haben wir nur einen Bundesrat!» Der gestrige Tag gibt ihr aber «zusätzliche Zuversicht» für die Wahlen 2011.

«Wir konnten nur gewinnen»

Wie Flückiger schaut auch SVP-Ständerat Maximilian Reimann schon auf 2011 und sieht die SVP in einer Win-win-Situation. Wäre Rime gewählt worden, hätte die SVP ihren zweiten Sitz zurück. Jetzt werde sie halt im Wahlkampf profitieren. Er betont aber: «Wir haben Anrecht auf zwei Sitze.» Losgelöst vom Ärger über Rimes Nichtwahl findet Reimann für die beiden neuen Bundesräte gute Worte. Sommaruga bringe den nötigen Tornister mit und Schneider-Ammann kenne als Oberaargauer auch unseren Kanton.

Kann Nationalrätin Esther Egger (CVP) das Rätsel lösen? Gingen am Schluss viele CVP-Stimmen an Rime? «Einige wenige» habe es gegeben. Aber auch Egger verweist auf andere Fraktionen, besonders auf die Grünen. Im Übrigen ist sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden, gerade auch aus Frauensicht. Für 2011, sinniert sie, sei die Ausgangslage aber nicht einfacher geworden. Jetzt konzentriert sie sich darauf, dass die CVP 2011 zulegt. Gelingt dies und überholt sie die FDP, werden zwei CVP-Bundesräte wieder ein Thema.

Stabilität statt Veränderung gewählt

Kamen die Rime-Stimmen am Schluss also von den Grünen? Nationalrat Geri Müller verweist darauf, dass Rime im Wahlgang nach dem Ausscheiden der grünen Kandidatin Brigit Wyss nur vier Stimmen mehr bekam. Doch er mag nicht bei solchen Schwarz-Peter-Spielen miträtseln. Zur eigenen Kandidatin betont er: «Brigit Wyss hat sich sehr gut geschlagen.» Die anderen wüssten jetzt, dass die Grünen nach den Wahlen 2011, «bei denen wir wieder zulegen» (Müller) erneut den Sitz fordern würden, der ihnen zustehe. Müllers gestriges Fazit: «Ich wünschte mir so sehr Veränderung; das Parlament hat Stabilität gewählt.»