Kitas
Grosser Rat will Regeln für Praktika in der Kinderbetreuung

Gegen den Willen des Regierungsrats überweist das Parlament das Postulat von der FDP. Gar ganz diskussionslos befürwortete es die Revision des Kinderbetreuungsgesetzes.

Eva Berger
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Ohne Diskussionen hat der Grosse Rat einen Vorstoss von Gertrud Häseli (Grüne) und Grossrätinnen von SP, Die Mitte, GLP und EVP für eine Revision des Kinderbetreuungsgesetzes als Postulat überwiesen. Das war im Sinne des Regierungsrats – und schliesslich auch in jenem der Motionärinnen.

Denn sie konnten nicht wirklich damit rechnen, dass die Bürgerlichen das Geschäft als verbindliche Motion befürworten würden. Dass sie es ganz ohne Fraktions- oder Einzelvoten als Postulat überwiesen, überraschte auch.

Doch der Auftrag ist jetzt auf dem Tisch: Der Aargauer Regierungsrat wird darum prüfen, wie die familienergänzende Kinderbetreuung im Kanton einheitlich geregelt werden kann. Und wie sich der Kanton finanziell beteiligen soll.

Regeln für Kita-Praktika gegen Willen der Regierung befürwortet

Etwas konkreter ist der Auftrag an den Regierungsrat, verbindliche Regelungen für Praktika in Kindertagesstätten zu prüfen. Der Grosse Rat überwies das von Karin Faes und Sabina Freiermuth (beide FDP) eingereichte Postulat.

Der Regierungsrat lehnte das Vorhaben ab. Es gebe im Aargau keine gesetzlichen Möglichkeiten, den Institutionen der familienergänzenden Kinderbetreuung verbindliche Regelungen für Praktika vorzuschreiben, begründete er sein Nein zum Vorstoss. Eine weitere Überprüfung der Situation sei derzeit nicht angezeigt.

Sozialdirektor Jean-Pierre Gallati wiederholte die Argumente in der Debatte. Zuständig für Bewilligung und Aufsicht der Angebote der ergänzenden Kinderbetreuung seien einzig und allein die Gemeinden. Der Kanton könne nicht intervenieren, ausser, er schaffe vorher die gesetzlichen Grundlagen.

Es nützte nichts, Gallatis Partei, die SVP, lehnte das Geschäft zwar ebenfalls ab, es fand dennoch eine Mehrheit: Mit 82 Ja- zu 44 Nein-Stimmen überwies es der Grosse Rat.

Kanton soll sich auch um diese Ausbildung kümmern

Bildung sei eine kantonale Angelegenheit, sagte Postulantin Karin Faes. Diese Verantwortung dürfe der Aargau auch bei der Ausbildung von Erzieherinnen wahrnehmen. Praktika würden in Kindertagesstätten so gerne angeboten, weil damit Geld für ausgebildete Betreuerinnen gespart werden könne, sagte Béa Bieber für die Grünliberalen. Ohne die Möglichkeit, im Betrieb anschliessend eine Lehre absolvieren zu können, handle es sich dabei also um Ausnutzung.

Praktika vor Lehrbeginn seien sowieso ein Kuriosum in der Bildung, gab Simona Brizzi (SP) zu bedenken. Viele Betriebe würden gar nur Praktika, aber keine Lehrstellen anbieten. Es brauche auch in diesem Bereich Empfehlungen und zuerst durch den Regierungsrat eine Auslegeordnung und Lösungsansätze.

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