Frauenquote

«Keine Frau möchte eine Quotenfrau sein»

Die Chefetagen von europäischen Firmen sollen bis 2020 zu 40 Prozent aus Frauen bestehen. So will es ein EU-Gesetzesentwurf. Wie denken Politikerinnen im Aargau über die Frauenquote? Die Meinungen gehen weit auseinander.

Innerhalb der SP spricht man nicht von einer Frauen- sondern von einer Geschlechterquote. Ein Ausgleich müsste also auch in Berufen stattfinden, die traditionell von Frauen dominiert werden, etwa im Bildungsbereich.

Yvonne Feri würde mehr Frauen in den Führungsgremien jedenfalls begrüssen. «Sie müssen allerdings qualifiziert sein und die Anforderungen erfüllen», so die SP-Nationalrätin und Präsidentin der SP Frauen Schweiz.

Sie sitzt ausserdem als eine von zwei Frauen im Gemeinderat Wettingen: «Ich bin froh, dass ich dort nicht die einzige Frau bin.» Der Umgang sei sicher anders, wenn nur eine oder gar keine Frau dabei sei.

Keine Nachteile ohne Quote

Nicht in Frage kommt eine Frauenquote für die SVP-Frauen: «Das ist am Ende kontraproduktiv», findet Maya Frey, Präsidentin der SVP Frauen Aargau, und verweist auf Erfahrungen aus Norwegen. Die Einführung einer Frauenquote im Jahr 2006 hatte dort auf einige börsenkotierte Unternehmen tatsächlich negative Auswirkungen. So das Resultat einer Studie aus den USA.

«Man sollte den Firmen da keine Vorschriften machen», sagt sie. «Ausserdem möchte doch keine Frau eine Quotenfrau sein». Maya Frey selbst arbeitet bei einer Schweizer Grossbank und hat sich auch ohne Frauenquote noch nie benachteiligt gefühlt.

Nachholbedarf im Aargau

Eine Frauenquote in der Wirtschaft findet die SVP-Frau ebenso falsch wie in der Politik. Der Aargau sei bezüglich weiblicher Vertreter in der Politk «auf gutem Weg».

Das sieht Yvonne Feri von der SP nicht so. «Da gibt es schon noch Nachholbedarf. Im Regierungsrat gibt es gerade mal eine Frau, lange Zeit gab es gar keine.» Im Grossen Rat beträgt der Frauenanteil nach den Wahlen 31,4 Prozent oder ein knappes Drittel.

Die von der EU-Kommission angestrebte Quote von 40 Prozent, hält Feri für realistisch. Sie hält aber auch fest, dass die Möglichkeiten für eine Durchsetzung einer höheren Geschlechterquote auf regionaler Ebene beschränkt sind. «Die EU-Quote richtet sich an börsenkotierte Unternehmen. Denn KMU kann man aber nichts vorschreiben»

Pferd am falschen Ende aufgezäumt

Martina Sigg, Präsidentin der FDP Frauen Aargau, findet Zwangsquoten den falschen Ansatz zur Frauenförderung und widerspricht damit der Mutterpartei der Schweizer FDP-Frauen, die sich erst kürzlich für eine zeitlich begrenzte Quote ausgesprochen hat.

«Die Frage ist: Wo fängt man an?», so die Politikerin. Ihrer Meinung nach müssten zuerst die Strukturen angepasst werden. Sprich: Die Möglichkeiten für Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit - auch für Männer - müssten verbesserte werden. «Mit einer Frauenquote wird das Pferd vom falschen Ende her aufgezäumt.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1