In der Motion wird der Bundesrat beauftragt, bei der Anerkennung weiterer Indikationen in dieser Therapie «die Wirtschaftlichkeit unter Abwägung von Mehrkosten und Mehrwert als Entscheidungskriterium anzuwenden». Bis weitere Indikationen dieser Therapie kassenpflichtig werden, sei dafür das PSI als einziges Zentrum zu bezeichnen.

Ständerat: Rechtsumkehrt

Heute Montag kommt die Motion in den Ständerat. Dessen Kommission empfiehlt jedoch mit 9 : 2 Ablehnung der Motion. Es soll weiter sehr sorgfältig geprüft werden, bei welchen Indikationen diese Therapie wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist und deshalb kassenpflichtig werden soll, hält die Kommission fest. So könne die Entwicklung «gesteuert und ein Überangebot vermieden werden». Auch ist die Kommission für eine Konzentration des Angebots, «ohne jedoch dem PSI auf Dauer eine Monopolstellung zusichern zu wollen».

Motion ist nicht mehr nötig

Doch was heisst diese Abkehr für das PSI? Laut der Präsidentin der vorberatenden Kommission, FDP-Ständerätin Christine Egerszegi, hat man der Kommission im PSI klar gesagt, dass ihre Kapazitäten bei den heutigen Indikationen ausreichen. Erst wenn diese wesentlich erweitert würden, müsste ein weiteres, kleineres Zentrum eröffnet werden. Zudem zeigte sich: Das PSI ist bei den Kantonen akzeptiert, es hat bei dieser Therapie heute in der Schweiz schlicht keine Konkurrenz. Zudem laufen schon PSI-Anfragen für die Kassenpflicht für gewisse Bestrahlungen von Brustkrebs und für bestimmte Behandlungen von Prostatakrebs. Auch weil also weitere Indikationen eingeleitet sind, lehnt die Kommission die Motion als erfüllt ab.

PSI hat weitere Bewilligung

Tatsächlich hat das PSI vom Bundesrat die Bewilligung zur Evaluation der Behandlung von Patientinnen mit bestimmten Stadien von Mammakarzinomen (Brustkrebs) inzwischen erhalten, sagt PSI-Direktionsmitglied Martin Jermann zur az. Das Kantonsspital Aarau ist daran beteiligt und das PSI hier einmal mehr weltweit führend.

Mögliche Befürchtungen, die PSI-Leistungen könnten dereinst durch Angebote etwa in Zürich oder Bern verdrängt werden, teilt Christine Egerszegi nicht: «Das PSI hat ein derart hohes und lizenziertes Know-how, dass dies nicht geschehen wird.» Das Nein zur Motion richte sich auch nicht gegen das PSI. Sie sei einfach nicht mehr nötig. War diese Debatte also für nichts? Egerszegi verneint: «Das PSI konnte zeigen, was es alles leisten kann und was dahintersteht.»

Den Mehrwert belegen können

Martin Jermann erinnert daran, dass die Motion seinerzeit eingebracht wurde, weil Bedenken bestanden, mögliche neue Anbieter könnten Tausende von Patienten mit dieser Therapie behandeln wollen. Und zwar unabhängig davon, ob sie für den deutlich höheren Preis dieser Therapie auch wirklich Mehrwert bringen. Da hat die Motion Klarheit geschaffen. In der Zwischenzeit hat sich das Bewilligungsprozedere für die Einführung neuer Indikationen weitgehend etabliert. Man muss mit klinischen Studien aufzeigen, dass die Protonen gegenüber einer konventionellen Strahlentherapie einen entsprechenden Mehrwert bieten.

Platz für 700 bis 800 Patienten

Bis eine neue Indikation definitiv bewilligt wird, braucht es mehrjährige klinische Studien. Jeder mögliche Anbieter, der für die Protonentherapie eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen erwartet, müsste für weitere Indikationen dieses Verfahren durchlaufen. Die Hürden sind also relativ hoch. Auch deshalb spiele es in der Sache keine grosse Rolle mehr, so Jermann, «ob die Motion angenommen oder abgelehnt wird». Ein Nein wäre aber nicht etwa so zu interpretieren, dass die Politik in der Schweiz nun mehrere Zentren befürworte.

Das PSI werde letztlich auch mit dem noch vorgesehenen Ausbau nur Platz für 700 - 800 Patienten haben. Wenn also aufgrund klinischer Studien eine Indikation bewilligt würde, die für mehrere hundert zusätzliche Patienten infrage käme, würde dies die PSI-Kapazität überschreiten. In diesem Sinne würde laut Jermann eine vorausschauende Planung für ein weiteres kleines Zentrum, zum Beispiel am Unispital Bern oder anderswo, Sinn machen.