Widlschäden

Keine Antibabypille für Wildschweine

Seinesgleichen richtet buchstäblich saumässigen Schaden an.  chr

Seinesgleichen richtet buchstäblich saumässigen Schaden an. chr

Verhütung und Vergütung: Der Aargauische Bauernverband informierte über neue Wildschaden-Bestimmungen.

Die neuen Weisungen über die Verhütung und Vergütung von Wildschäden sind seit diesem Jahr in Kraft. Diese Woche informierte der Aargauische Bauernverband in Eiken und Würenlingen über die neuen Rechte und Pflichten. Jagdverwalter René Urs Altermatt, Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes, und Wildschadenabschätzer Hansruedi Apolloni konnten an den zwei Abenden zahlreiche Fragen der Landwirte klären.

Das Orakel fragen

Vor allem im Nordteil des Kantons sind viele Bauern von Wildschäden betroffen. Dort ist die Wildschwein-Population in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. «Die Wildschweine sind ausser Kontrolle», sorgte sich ein betroffener Bauer. Der entstandene Schaden sei einfach «saumässig» gross. Das Adjektiv wendete er damit so passend wie nur selten an.

«Bekommt man das mit den Wildsauen noch in den Griff? Gibt es denn für sie keine Antibabypille?» Mit der nötigen Gelassenheit kommentierten Altermatt und die Mitreferenten kompetent solche Fragen und die Anliegen der Bauern: «Ich bin nicht das Orakel. Die Regulierung einer Wildschweinpopulation ist nicht ganz einfach.» Hormone in der Natur einzusetzen sei aber keine Lösung und nur Symptombekämpfung. «Bringen Sie ihre Anliegen auf der politischen Ebene ein», ermutigte Jagdverwalter René Urs Altermatt die Bauern.

Verhüten statt vergüten

«Verhütung vor Vergütung» lautet das Grundprinzip der neuen Bestimmung: Die Bauern müssen die ihnen zumutbaren Massnahmen zum Wildschutz treffen. Zumutbar heisst in diesem Fall, dass die Verhütungsmassnahme nicht mehr kosten darf als der zu erwartende Schaden. Beispielsweise müssen Bauern nach einem Schadenfall während der folgenden zwei Jahre besonders ertragsreiche Kulturen mit Erntewert ab 6000 Franken durch einen Elektrozaun schützen. Werden die Verhütungsmassnahmen nicht getroffen, gibt es im erneuten Schadenfall keine Vergütung.

Die Bauern scheinen im Grossen und Ganzen zufrieden mit den neuen Bestimmungen: «Sie sind effizient. Die Handhabung ist einfacher als vorher», sagt Robert Erne, Landwirt aus Etzwil, der auch schon Wildschweinschäden zu beklagen hatte. Kritisiert wurde unter anderem die eingeschränkte Schaden-Abschätzzeit, die in den Wintermonaten unterbrochen ist. Vielleicht finden dieses und weitere Anliegen Gehör: Eine Überprüfung des Gesetzes ist für 2012 geplant, Anpassungen sind grundsätzlich möglich.

Zusammenarbeit gefordert

Die neue Bestimmung stärkt die Eigenverantwortung der Jagdgesellschaften und Landwirte. Sie können Schadenfälle von bis zu 500 Franken ohne Schadenabschätzer eigenständig regeln. An den beiden Informationsveranstaltungen betonten die Referenten denn auch mehrmals, dass Jäger und Bauern zusammenarbeiten müssen. «Wir sind alle im gleichen Boot», sagte Jagdverwalter Altermatt zum Abschluss der intensiven Diskussionsrunde in Würenlingen.

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