Gemüse vom regionalen Bauern, Velo- statt Autofahren, recyceltes WC-Papier: Nachhaltigkeit ist in. Auf diesen Zug springen nicht nur Detailhändler auf, sondern nun auch der Kanton. Unter dem Label «Nachhaltigkeitsdialog» startet das Departement Bau, Verkehr und Umwelt gemeinsam mit der Fachstelle Nachhaltigkeit eine Veranstaltungsreihe im Naturama.

Einmal jährlich soll eine Abendveranstaltung zum Thema stattfinden, bei der Vertreter verschiedener Aargauer Gemeinden lernen, wie sich die Kommunen nachhaltiger verhalten können. Mehrere Dutzend Gemeindevertreter erschienen am Dienstag zum Auftakt der Veranstaltungsreihe, der unter der Leitfrage «Wie beschaffen Aargauer Gemeinden nachhaltig?» steht.

Wichtig sei das Thema, weil die öffentliche Hand durch ihr Einkaufsverhalten grossen Einfluss habe, erklärt Norbert Kräuchi, Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons. «Man sollte beim Einkauf immer den gesamten Lebenszyklus eines Produkts beachten, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.» Dabei sollen drei Aspekte nachhaltig gestaltet sein: das Soziale, die Umwelt sowie die Wirtschaft. Um das global umsetzen zu können und die 17 Ziele zu erreichen, die in der Agenda 2030 der UNO zur Nachhaltigkeit aufgelistet sind, müsse man lokal arbeiten und auf Gemeindeebene aktiv werden, erläutert Kräuchi.

Eine neue Phase beginnt

Dass diese Meinung nicht immer so galt, zeigt Nachhaltigkeitsexperte und Jurist Marc Steiner in seinem Referat auf. Er unterteilt die Beschaffungspolitik in der Schweiz in drei Phasen: die erste Phase dauerte bis in die 90er-Jahre und bestand aus Kartellabsprachen und Protektionismus. Ab den 90ern waren Marktöffnung, Wettbewerb und Geld wichtig. «Nun befinden wir uns mitten in einem Paradigmenwechsel», so Steiner. Und zwar im Wechsel zur dritten Phase, inspiriert von der EU und der WTO: «Qualitätswettbewerb statt Preiswettbewerb», nennt er diese.

Doch um Beschaffungen nachhaltiger zu gestalten, brauche es die entsprechenden Vorgaben und die richtige Planung. Dies erklärt Manfred Rüegger vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Rüegger zeigt den Gemeindevertretern, welche Möglichkeiten sie bei der Ausgestaltung von Ausschreibungen haben. So könne man beispielsweise als Kriterium festlegen, dass ein Produkt ein bestimmtes Label haben soll, das die Nachhaltigkeit garantiert.

Nachhaltigkeit in der Praxis

Nach all der Theorie erhalten die Anwesenden noch Beispiele aus der Praxis: Beatrice Taubert, die in Lenzburg das Projekt Energiestadt koordiniert, und Rico Croci, Gemeinderat aus Wald ZH, erzählen, wie sie in ihren Gemeinden für mehr Nachhaltigkeit sorgen. In Lenzburg habe man beispielsweise einen Beschaffungsstandard eingeführt, der einen ökologisch orientierten Einkauf in der Stadtverwaltung garantieren soll. Dies betrifft Papierwaren, Drucksachen, Bürogeräte, die Gebäudereinigung, Produkte und Bauteile aus Holz sowie Fahrzeuge und Arbeitsgeräte. Auch in Wald ZH gibt es solche Richtlinien. Man wolle bewusst, ökologisch, sozial und wirtschaftlich beschaffen. Dadurch habe die Gemeinde seit 2014 auch noch 120 000 Franken pro Jahr gespart, sagt Croci.

Zum Schluss gibt Felix Meier, Geschäftsleiter von PUSCH (Praktischer Umweltschutz) Tipps: Er schlägt Websites, Weiterbildungen und Kurzberatungen vor, die den Gemeinden helfen sollen, nachhaltiger einzukaufen. Nach der fast zweieinhalbstündigen Veranstaltung sind die Anwesenden offensichtlich angeregt für weitere Diskussionen, die sie später beim Apéro auch führen – dieser ist nachhaltig fleischlos.