Sehr früh hat die FDP Aargau entschieden, mit Philipp Müller in den Ständeratswahlkampf zu ziehen. «Wir wären blöd, wenn wir Philipp Müller nicht aufstellen würden», sagte damals, Ende April 2014 auch Parteikollege Thierry Burkart. Ein halbes Jahr später, am 30. Oktober, hat sich die Tonlage des damaligen Grossratspräsidenten etwas geändert.

Es sei «ein riesiger Fehler gewesen», dass er sich nicht selber als Ständeratskandidat zur Verfügung gestellt und Müller den Vortritt gelassen habe. Geschrieben hat er den Satz in einer E-Mail an den Parteipräsidenten, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Hintergrund der Mail ist laut dem Sonntagsblatt, dass Burkart gehofft hatte, Müller würde ihm zusagen, während der Legislatur zurückzutreten und ihn 2017 nach Bern nachrutschen zu lassen. All dies natürlich nur, falls Müller im Oktober die Wahl in den Ständerat verpassen und Burkart erneut auf dem ersten Nationalrats-Ersatzplatz landen sollte.

Burkart bestätigt auf Anfrage, die E-Mail geschrieben zu haben — «aus einer gewissen Enttäuschung heraus». Denn nach bald acht Jahren als erster Ersatz hoffe man natürlich auf eine gestaffelte Nachfolgeregelung. «Aber es steht mir nicht zu, das von jemandem zu verlangen.» Heute, so Burkart, würde er die E-Mail nicht mehr schreiben. «Ich habe mich bei Philipp Müller dafür entschuldigt. Er hat meine Entschuldigung angenommen. Das ist eine interne Angelegenheit zwischen ihm und mir, die erledigt ist.»

«Müller kann sich durchsetzen»

Mit Müller (63) und Corina Eichenberger (61) ist die FDP-Delegation in der grossen Bundeskammer tatsächlich schon im gesetzteren Alter. Bleibt die nachrückende Generation also aussen vor? Nachwuchsförderung müsse auf Stufe Grossrat erfolgen, kontert Kantonalpräsident Matthias Jauslin. «Und da erfolgt sie auch.» Bei den Wahlen 2015 gehe es primär darum, die beiden Nationalratssitze und den Ständeratssitz der zurücktretenden Christine Egerszegi zu verteidigen. «Wenige Politiker im Aargau können bei fremden Parteien so viele Stimmen holen wie Philipp Müller», sagt Jauslin — und ist deshalb überzeugt, dass sich Müller gegen die bürgerlichen Konkurrenten Hansjörg Knecht (SVP) und Ruth Humbel (CVP) im Rennen um den frei werdenden FDP-Sitz in der kleinen Kammer durchsetzen kann. Dem 39-jährigen Burkart würde dadurch gleichzeitig die Tür zur grossen Kammer weit geöffnet.

Hinsichtlich der Einschätzung von Müllers Wahlchancen enthält Burkarts E-Mail eine brisante Passage. Burkart bezieht sich auf ein tags zuvor geführtes Telefonat mit Müller und schreibt, man sei sich einig, dass Müller Schwierigkeiten habe, als Ständerat gewählt zu werden. Er — Müller — habe selber ja gesagt: «Ich weiss eigentlich gar nicht, wer mich wählen soll.» In der NZZ am Sonntag dementiert letzterer diese Aussage. «Das Zitat bezüglich meiner Wahl in den Ständerat ist falsch. Es ist richtig, dass wir uns darüber unterhalten haben, welcher Kandidat welche Hausmacht hinter sich weiss. Dabei habe ich gesagt, es sei mir im Grunde egal, woher meine Stimmen kämen. Ständeratswahlen sind Persönlichkeitswahlen, und da habe ich gute Chancen.» Auch Burkart gibt sich wieder optimistisch: «Ich bin überzeugt, dass Philipp Müller gute Wahlchancen hat. Sein Leistungsausweis spricht für ihn.»