Wahlen AG 2016
Zweiter Wahlgang: SVP will erneut mit Roth – doch FDP zweifelt an der Kandidatin

Bei den Regierungsratswahlen dürfte es im 2. Wahlgang zum Duell zwischen Franziska Roth (SVP) und Yvonne Feri (SP) kommen.

Fabian Hägler
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Wer gewinnt im zweiten Wahlgang? Feri (SP) oder Roth (SVP)? Oder dank grosser Unterstützung gar Maya Bally?

Wer gewinnt im zweiten Wahlgang? Feri (SP) oder Roth (SVP)? Oder dank grosser Unterstützung gar Maya Bally?

AZ

Wer in den Regierungsrat will, muss konsensfähig sein, lösungsorientierte Sach-politik betreiben, Kompromisse schliessen und nach aussen vertreten können – das sagten Urs Hofmann (SP), Stephan Attiger (FDP), Alex Hürzeler (SVP) und Markus Dieth (CVP) im Regierungsratstalk bei Tele M1. Deutlich weniger harmonisch als das Gespräch der vier Gewählten dürfte die Entscheidung um den freien fünften Sitz in der Regierung verlaufen. Am 27. November kommt es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem Frauen-Duell: Franziska Roth (SVP) und Yvonne Feri (SP) dürften die Nachfolge der abtretenden Susanne Hochuli (Grüne) unter sich ausmachen.

Roth, die im ersten Wahlgang deutlich unter dem absoluten Mehr blieb, jedoch 471 Stimmen mehr erzielte als Feri, gibt sich noch bedeckt. «Ich stehe zur Verfügung, über eine Kandidatur im zweiten Wahlgang entscheidet aber der Parteitag.» Sie sei erfreut über ihr Abschneiden, entgegen manchen Prognosen und Umfragen habe ihr Resultat gezeigt, «dass ich die Voraussetzungen für ein Regierungsamt mitbringe». Ob für eine Kandidatur die Unterstützung der anderen bürgerlichen Parteien nötig sei, lässt Roth offen.

SVP tritt mit Roth nochmals an

SVP-Präsident Thomas Burgherr wird deutlicher: «Wir werden nochmals mit Franziska Roth antreten.» Ob sich für den zweiten Wahlgang doch noch ein bürgerlicher Schulterschluss ergibt, den sich die SVP seit langem wünscht, ist jedoch offen. FDP-Präsident Matthias Jauslin ist nicht sicher, «ob Franziska Roth über die eigene Partei hinaus zulegen kann». Die Folge dieser Einschätzung: Die FDP lässt die Idee einer eigenen Kandidatur für den zweiten Wahlgang noch nicht fallen.

Das sagen die Parteipräsidenten zur Taktik im zweiten Wahlgang:

CVP-Präsidentin Marianne Binder gesteht derweil ein: «Franziska Roth hat ein besseres Resultat gemacht, als man ihr zugetraut hat.» Auch bei Binder ist die SVP-Frau noch nicht als Kandidatin gesetzt. «Wir brauchen eine Einigung auf bürgerlicher Seite», sagt Binder. Sie will sich nicht auf einen Namen festlegen, nennt aber Kriterien: «Eine bürgerliche Ausrichtung, die Fachkompetenz, um das Gesundheits- und Sozialdepartement zu übernehmen, ein ausreichender Bekanntheitsgrad, um Yvonne Feri zu schlagen.»

Linke für gemeinsame Kandidatur

Diese äussert sich nach dem Wahlsonntag zufrieden. «Ich freue mich über mein sehr gutes Resultat, obwohl die SVP-Hausmacht viel grösser ist, liege ich nur ganz knapp hinter Franziska Roth.» Nachdem im ersten Wahlgang vier Männer gewählt worden seien, müsse jetzt «definitiv eine Frau antreten». Feri, die in einem Politrating als Linksaussen-Nationalrätin eingereiht wurde, sieht sich als tauglich für ein Amt im Regierungskollegium. Vor dem Entscheid über eine Kandidatur im zweiten Wahlgang müssten nun Gespräche mit der Parteileitung geführt werden.

Betrachtet man die Situation im linken Lager, wäre es ziemlich abwegig, würde Feri nicht antreten. Die SP hat im Grossen Rat fünf Sitze und 3,7 Prozent Wähleranteil gewonnen, Feri liegt gut 14 500 Stimmen vor dem Grünen-Kandidaten Robert Obrist. Dieser sagt, im zweiten Wahlgang würden sicher nicht mehr zwei linke Kandidaten antreten. Ob die Grünen verzichten und Feri unterstützen, müsse die Partei entscheiden – es scheint aber wahrscheinlich. SP-Co-Präsident Cédric Wermuth will für den zweiten Wahlgang «eine gemeinsame Kandidatur von links», von SP und Grünen. Deren Präsident Daniel Hölzle will Robert Obrist aber noch nicht aus dem Rennen nehmen. «Wir werden die Sachlage genau anschauen», sagt er. Auf Nachfrage ergänzt Hölzle, für ihn persönlich sei immer klar gewesen, dass von den linken Kandidierenden «jene Person in den zweiten Wahlgang geht, die im ersten mehr Stimmen holt.» Entscheiden müsse aber der Parteivorstand, der bei den Grünen am Dienstag tagt.

Bally «nur mit Unterstützung»

Denkbar ist auch, dass es im zweiten Wahlgang einen Dreikampf um den freien Sitz gibt. Maya Bally (BDP) liegt zwar mit rund 10 000 Stimmen klar hinter Roth und Feri zurück, kann sich aber dennoch vorstellen, noch einmal zu kandidieren. «Gerade mein Resultat hat gezeigt, dass bei Regierungsratswahlen die Persönlichkeit zählt, allein mit den Stimmen der BDP-Wähler wäre dies nie möglich gewesen», sagt sie. Bally hält mit Blick auf den 27. November fest, ohne Unterstützung von FDP, CVP oder anderen Mitteparteien wäre eine erneute Kandidatur nicht sinnvoll. Sollte die SVP mit Roth und die SP mit Feri antreten, sieht sie die Lücke zwischen den Polparteien als Chance.

Wahltag: Eindrücke vom Ratskeller im Aarauer Grossratsgebäude SP-Politiker unter sich: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener.
24 Bilder
Freuen sich über das Resultat: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener von der SP.
Die Aargauer CVP-Präsidentin Marianne Binder muss einen Rückschlag hinnehmen: Ihre Partei verliert zwei Sitze und kommt noch auf 17.
Liliane Studer von der EVP (Bezirk Baden) kann sich freuen: Sie wird wiedergewählt.
FDP-Nationalrat Thierry Burkart: Seine Partei legt leicht zu, hat aber nach wie vor 22 Sitze im Grossen Rat.
SVP-Präsident Thomas Burgherr im Gespräch mit seinem Regierungsrat Alex Hürzeler, der die Wiederwahl schon nach dem ersten Wahlgang feiern kann.
Markus Dieth ist neuer Regierungrsrat im Kanton Aargau. Der CVP-Mann wurde auf den vierten Platz gewählt, der Kampf um den fünften Platz geht weiter – es ist ein zweiter Wahlgang nötig.
Ohne Chance: Regierungsratskandidat Pius Lischer hat die Wahl nicht geschafft.
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Eindrücke Wahlen AG im Ratskeller des Grossratsgebäudes Aarau
Glückliche Gesichter: Die vier gewählten Regierungsräte.
Der Regierungsratskandidat der Grünen, Robert Obrist, schaut sich die Wahlergebnisse an.
Die SP-Regierungsrats-Kandidatin Yvonne Feri am Handy. Sie wird es im zweiten Wahlgang wohl nochmals versuchen.
Die SP-Aargauer-Co-Präsidenten Cédric Wermuth (Hand am Ohr) und Elisabeth Burgener (lila Jacke) im Gespräch mit SP-Regierungsrats-Kandidatin Yvonne Feri.
Die Fraktionspräsidentin der Grünen, Irène Kälin, im Gespräch mit SP-Aargau-Co-Präsident Cédric Wermuth. In der Mitte hinten SP-Fraktions-Co-Präsident Dieter Egli.
SP-Aargau-Co-Präsidentin Elisabeth Burgener bekommt Gratulationen von SP-Grossratskandidatin Verena Buol.
Roland Basler, Parteipräsident BDP AG, verfolgt besorgt die neusten Zahlen auf seinem Smartphone.
Der Aargauer BDP-Parteipräsident Roland Basler nimmt die Ergebnisse mit Verdruss zur Kenntnis. Die BDP verliert in fast allen bisher ausgezählten Bezirken. Auch er selbst schafft die Wiederwahl nicht.
FDP-Aargau-Parteipräsident Matthias Jauslin kontrolliert die aktuellen Ergebnisse auf seinem Smartphone.
Der Aargauer FDP-Parteipräsident Matthias Jauslin (Mitte) hat gut Lachen: Seine Partei legt nach den ersten Ergebnissen zu.
BDP-Regierungsratskandidatin Maya Bally Frehner, der Aargauer SVP-Parteipräsident Thomas Burgherr und Politologe Urs Vögeli sehen sich die neusten Ergebnisse der Regierungsratswahlen an.
BDP-Regierungsratskandidatin Maya Bally Frehner, der Aargauer SVP-Parteipräsident Thomas Burgherr und Politologe Urs Vögeli sehen sich die neusten Ergebnisse der Regierungsratswahlen an.
SVPler studieren und diskutieren die aktuellen Resultate.
Radio Argovia im Grossratsgebäude: Hanspeter Widmer (links) und Jürgen Sahli (rechts) berichten live.

Wahltag: Eindrücke vom Ratskeller im Aarauer Grossratsgebäude SP-Politiker unter sich: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener.

Alex Spichale

BDP-Präsident Roland Basler sagt, in den kommenden Tagen müssten nun konkrete Gespräche mit möglichen Unterstützer-Parteien für Maya Bally geführt werden. BDP-Nationalrat Bernhard Guhl sieht Ballys Wahlresultat gar als Auftrag des Volks, nochmals anzutreten. Um Erfolgsaussichten zu haben, müsse sich die Mitte allerdings auf eine Kandidatin einigen.
Auf freisinnigen Support kann Bally nicht zählen. FDP-Präsident Matthias Jauslin hält es für unrealistisch, auf die BDP-Frau zu setzen. Die Kandidatin sei gut, doch ihr fehle eine wählerstarke Partei im Rücken, sagt er in der «Elefantenrunde» der Parteipräsidenten auf Tele M1.