Ausbildung

Zweimal durchgefallen: Aargauer Studentin kämpft für eine genügende Note bis vor Bundesgericht

Die Studentin bestand die Prüfung auch im zweiten Anlauf nicht. (Symbolbild)

Die Studentin bestand die Prüfung auch im zweiten Anlauf nicht. (Symbolbild)

Eine Aargauerin fiel in einer Abschlussprüfung zweimal durch. Den Schulentscheid zog sie durch alle Instanzen.

Zwischen 2012 bis 2014 absolvierte eine Aargauerin an der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg eine Nachholbildung als Fachfrau Gesundheit (FaGe). Zudem besuchte sie den allgemeinen Unterricht für Erwachsene. Weil sie an den Abschlussprüfungen 2014 scheiterte, wiederholte sie die Prüfungen ein Jahr später in den Fächern «Allgemeinbildung» und «Berufskenntnisse», ohne jedoch den Unterricht besucht zu haben.

Doch auch im zweiten Anlauf scheiterte sie. In ihrer Gesamtnote erzielte sie lediglich eine 3.8. Einzig in der praktischen Arbeit, die fünffach gewichtet wurde, erreichte sie eine genügende 4. Die anderen beiden Fächer, die je dreifach (Berufskenntnise) und zweifach (Allgemeinbildung) gewichtet wurden, schloss sie je mit einer ungenügenden 3.5 ab.

Zusätzliche Punkte reichen nicht

Die Studentin akzeptierte die Note allerdings nicht und reichte beim Kanton Beschwerde gegen das Ergebnis ein. Das Bildungsdepartement erhöhte darauf die Gesamtpunktzahl im Fach Berufskenntnisse von 75 auf 80 Punkte. Allerdings hätte sie für eine genügende Note 86.5 Punkte benötigt. Der Fall ging an den Regierungsrat weiter. Hier bekam die Studentin zwei weitere Punkte zugesprochen. Ihre nun 82 Punkte reichten jedoch immer noch nicht für das Eidgenössische Fachzeugnis.

Die Studentin glaubte weiter an ihre Fähigkeiten und war überzeugt, von den Fachexperten unfair bewertet worden zu sein. Deshalb zog sie den Entscheid des Regierungsrates ans Aargauer Verwaltungsgericht weiter. In ihrer Beschwerde argumentierte sie, die Fachexperten hätten ihren Beurteilungsspielraum überschritten und sie unrechtmässig bewertet. Das Verwaltungsgericht wies die Beschwerde jedoch ab. In der Begründung verwies der Richter darauf, dass die Examinatoren die Vergabe der nötigen Punkte vom Gebrauch bestimmter Fachbegriffe abhängig machen dürfen - welche die Studentin nicht verwendet hatte. Ausserdem habe sie ihre Antworten nach Einschätzung der Experten und des Regierungsrates teils widersprüchlich und teils zu allgemein verfasst.

Prüfungsentscheid «willkürlich»

Doch auch dieser Rückschlag sollte die selbstbewusste Studentin nicht aufhalten: Am 5. November 2016 wandte sie sich an das Bundesgericht und verlangte, dass dieses die Beschlüsse des Regierungsrates sowie auch des Verwaltungsgerichts aufhebe. In ihrer Beschwerde verwies sie erneut auf den negativen Prüfungsentscheid, der «willkürlich» getroffen worden sei und damit ihren «Anspruch auf Treu und Glauben» – auf ein loyales und vertrauenswürdiges Verhalten im Rechtsverkehr – sowie jenen auf «rechtliches Gehör und wirksamen Rechtsschutz» verletze. Konkret kritisierte sie, die Prüfungsexperten hätten bei der Korrektur die Musterlösungen zu strikt angewendet.

Doch auch beim Bundesgericht läuft die Studentin auf. Die Beschwerde wird abgewiesen. In seiner Antwort verweist das Bundesgericht darauf, dass Musterlösungen dazu dienen, die Prüfungskandidaten nach einem einheitlichen Massstab beurteilen zu können. Dies fördere die rechtsgleiche Behandlung der zu prüfenden Personen, so die Begründung. Die Entscheidung, ob Zusatzpunkte bei Antworten vergeben werden, die nicht in der Musterlösung enthalten sind, liege im Ermessensspielraum der Prüfungsexperten. Diesen habe die Beschwerdeführerin jedoch bereits im Rahmen des kantonalen Beschwerdeverfahrens genutzt und war mit zusätzlichen Punkten belohnt worden – auch wenn sie nicht für eine genügende Note gereicht hatten.

Damit das Bundesgericht in die Bewertung von Prüfungsleistungen eingreift, müssten die Rechte der Beschwerdeführerin verletzt worden sein oder Fehler im Verfahren geltend gemacht werden. Dies könne die Studentin allerdings nicht ersichtlich aufzeigen, so das abschliessende Urteil des Bundesgerichts.

Die Gerichtskosten von 2000 Franken muss die Studentin berappen.

Urteil: 2D_41/2016

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