Es gibt zwei Arten von Missgeschick: das eigene Pech und das Glück der anderen. Auf die ehemalige Partnerin des «Burestobe»-Wirts trifft aus diesem Sprichwort beides zu. Im Aargau sind zwei Brandfälle mit ähnlicher Ursache bekannt: Beim einen entstand ein riesiger Schaden und niemand wurde belangt. Beim anderen entstand ein geringerer Schaden, doch die Schuldige trifft es nun umso härter.

Am Donnerstag wurde am Bezirksgericht Lenzburg die Ex-Partnerin des Seoner «Burestobe»-Wirts wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst verurteilt. Der Grund: Sie liess einen mit spezieller Möbelpolitur getränkten Putzlappen in einem Plastikkübel – ohne zu wissen, dass es sich um eine gefährliche Politur handelt. Später entzündete sich der Lappen von selbst. Und löste einen Brand aus. Die Frau und der Wirt erhalten nun je eine bedingte Geldstrafe, eine Busse und sie müssen die Verfahrenskosten übernehmen. Das ist aber nicht das eigentliche Problem.

Der Frau droht nun noch grösseres Ungemach: Die Aargauer Gebäudeversicherung fordert von ihr rund 220 000 Franken. Dass sie den Brand nicht wissentlich verschuldete, hilft ihr nicht. «Wenn die polizeilichen Ermittlungen zeigen, wer in welchem Umfang für einen Schaden verantwortlich ist, prüfen wir Kürzungs- und Regressansprüche. Und wenn wir diese Ansprüche durchsetzen können, tun wir es auch», sagt Jürg Walti, Leiter Rechtsdienst der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Beim anderen Brandfall ist jedoch bis heute kein Schuldiger ausgemacht worden. Obwohl der Campus-Brand in Brugg Windisch von 2013 als grösster Brandschaden in der über 200-jährigen Geschichte der Aargauischen Gebäudeversicherung gilt. Das Feuer sorgte für grosse Zerstörung, Rauch und Russ verwüsteten die oberen Stockwerke. Betroffen war insgesamt eine Fläche von rund 400 Quadratmetern. Die Schadenssumme: 25 Millionen Franken.

War es Brandstiftung oder doch nicht? Erst blieb das unklar. Schliesslich kam das Forensische Institut Zürich zum Schluss, dass als wahrscheinlichste Ursache eine Selbstentzündung infrage komme. Möglicherweise habe jemand einen ölgetränkten Lappen nicht fachmännisch entsorgt. Dieser entzündete sich dann selbst – wie beim Restaurant Burestobe also. Nur: Weil damals beim Campus viele Bauarbeiter zugegen waren, wurde der Kreis von möglichen Tätern zu gross. Die Staatsanwaltschaft sistierte das Strafverfahren. Und das sei es noch immer, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilt. Es lägen keine neuen Erkenntnisse vor. Glück also für das Bauunternehmen.

Den Schaden in Brugg-Windisch blieb somit bei der Gebäudeversicherung hängen. Warum aber forderte diese nicht einfach beim zuständigen Bauunternehmen einen Regress? Walti sagt: «Auch hier gilt, dass ein konkretes Verschulden nachgewiesen werden muss.»