Fall Wohlen

Zwei «Argus»-Polizisten vor dem Obergericht – Verteidiger: «Er musste und durfte sein Leben schützen»

Die Anwälte der Argus-Polizisten pochten am Mittwoch auf Freisprüche. (Symbolbild)

Die Anwälte der Argus-Polizisten pochten am Mittwoch auf Freisprüche. (Symbolbild)

Heute stehen zwei Aargauer Polizisten vor Obergericht, die 2009 bei einem Einsatz der Sondereinheit «Argus» in Wohlen dabei waren. Der eine von ihnen verletzte einen Randalierer mit zwei Schüssen, der andere war der Gesamtleiter des Einsatzes. Am Vormittag legten ihre Verteidiger dar, warum sie Freisprüche fordern.

Heute Mittwoch stehen zwei Polizisten vor dem Aargauer Obergericht. Sie standen 2009 beim sogenannten Fall Wohlen mit der Sondereinheit "Argus" im Einsatz. Damals wurde die Wohnung eines randalierenden Ehemannes gestürmt und dieser mit zwei Schüssen schwer verletzt.

Bei den Angeklagten handelt es sich um den Gesamtleiter und den Polizisten, der auf den gewalttätigen Serben geschossen hat.

Die wichtigsten Anklagepunkte sind versuchte vorsätzliche Tötung und vorsätzliche schwere Körperverletzung. Das geforderte Strafmass der Staatsanwaltschaft ist noch nicht bekannt. 

Die Zivilkläger verlangen für den Gesamtleiter einen Schuldspruch wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung. Das Bezirksgericht Bremgarten hatte ihn davon freigesprochen. 

Freisprüche gefordert: «Kein Notwehrexzess»

Vor dem Obergericht haben die Verteidiger der beschuldigten Polizisten am Mittwochvormittag begründet, warum sie das Urteil des Bezirksgerichts weitergezogen haben und für ihre Mandanten Freisprüche fordern.

Der Verteidiger jenes Beschuldigten, der die zwei Schüsse abgegeben hatte, sagte: «Er musste und durfte sein Leben schützen.» Von einem Notwehrexzess, wie ihn die Vorinstanz angenommen hatte, könne keine Rede sein. Der Angehörige der Spezialeinheit Argus habe gemacht, was er gelernt und geübt habe - und dies im Bruchteil einer Sekunde.

Der ausserordentliche Staatsanwalt kommt zu einem anderen Schluss. Es habe damals keine Situation vorgelegen, die ihn zur Notwehr berechtigt habe. «Die Schüsse waren nicht gerechtfertigt.» Der Polizist hätte dem Angriff des betrunkenen Mannes ohne Weiteres ausweichen können.

Am Nachmittag folgt nun die Befragung der beiden Polizisten.

Randalierender Ehemann mit Schüssen verletzt

Vor jenem Einsatz im Mai 2009 randalierte ein gewalttätiger serbischer Ehemann in seiner Wohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in Wohlen. Der damals 30-Jährige war stark betrunken und mit einem Messer bewaffnet. Seine Frau war mit dem Kleinkind aus der Wohnung geflohen und alarmierte die Polizei.

Zum Ort des Geschehens rückte die Sondereinheit "Argus" der Kantonspolizei aus. Nach rund zwei Stunden stürmten sechs "Argus"-Polizisten die Wohnung: Der Serbe wurde mit zwei Bauchschüssen schwer verletzt. Er verstarb im April 2015. Das Ableben steht laut Anklageschrift jedoch in keinem Zusammenhang mit den Schussverletzungen.

«Wir müssen den abräumen, wir können da nicht Gugus machen»: Ausschnitte aus dem Polizeifunk.

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