Die Aargauer Gewerkschafter wollten eigentlich per 1. 1. 2016 den Dachverband «ArbeitAargau» gründen – doch daraus wird vorläufig nichts. Dies geht aus einem Communiqué vom Dienstag hervor. Auf Nachfrage der az sagt Renato Mazzocco, Sekretär des Aargauer Gewerkschaftsbundes: «Wir haben nichts auf Eis gelegt. Wir haben einfach den Zielpfosten etwas nach hinten gesetzt.»

Rückblende: Ab 2013 besuchten sich die Präsidenten von Travail Suisse Aargau und der Vereinigung Aargauischer Arbeitnehmerverbände (VAA) gegenseitig bei Versammlungen. Gemeinsam mit dem Gewerkschaftsbund beschlossen sie, unter dem Namen «ArbeitAargau» einen Dachverband gründen zu wollen. «Mit einer professionell geführten Geschäftsleitung und klaren Strukturen», wie es hiess. Doch jetzt zeigt sich: Die Vorstellungen über Aufbau und Zweck des Dachs gehen auseinander. Travail Suisse erteilte dem Projekt im Sommer eine Absage.

Präsident und CSP-Grossrat Andre Rotzetter sagt: «Unsere Idee war ursprünglich, punktuell für wichtige Themen alle Arbeitnehmerorganisationen zusammenzuschliessen, um politisch mehr Gewicht zu erhalten.» Der Gewerkschaftsbund und die VAA hätten «ArbeitAargau» jedoch eher als fixe übergeordnete Gewerkschaftsorganisation gesehen. «Da bei uns aber nicht nur Gewerkschaften, sondern auch Vereine wie die katholische Arbeitnehmerbewegung oder die CSP Mitglied sind, hätten die Strukturen nicht für alle Mitglieder gestimmt», erklärt Rotzetter.

Jetzt sind Mazzocco, Sekretär des Aargauischen Gewerkschaftsbundes, und Manfred Dubach, Geschäftsführer des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, mit der Umsetzung von «ArbeitAargau» betraut. Der Lehrerverband tritt per Ende 2015 aus dem VAA aus, weil er sich dort nicht mehr genügend repräsentiert fühlt. Ihm käme das neue Dach also gerade recht. Jetzt wollen sich die zwei Verbände vorerst «in einem Konkubinat näher kennen lernen», wie Mazzocco sagt.

In Gesprächen habe sich gezeigt, dass man sich noch vermehrt gegenseitig über die unterschiedlichen Kulturen in den einzelnen Verbänden informieren müsse. Mazzocco: «Wir haben das Heu zwar alle auf der gleichen Bühne, aber nicht immer in der gleichen Ecke.» Auch die Einwände von Travail Suisse wurden damit erhört. Laut Rotzetter will man nun «abwarten, wie es weitergeht». Die Gründung ist neu für Herbst 2016 oder Januar 2017 geplant. (rio)