Spitäler Aarau und Zofingen
Zusammenschluss der Spitäler: Der Albatros fliegt auf beträchtlicher Höhe

Projekt Albatros: Eins der sechs Teilprojekte ist abgeschlossen, drei weitere sind bereits in der Umsetzungsphase, die beiden letzten (Medizinisches Leistungsangebot sowie Betrieb und Informatik) werden gerade zur Umsetzung an die Linie übergeben.

Mathias Küng
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Von links: Hans Leuenberger (CEO des KSA), Claudia Käch (Projektleiterin und CEO Spital Zofingen) sowie Felix Schönle (VR-Vizepräsident Spital Zofingen und VR KSA) vor dem Spital Zofingen. sandra ardizzone

Von links: Hans Leuenberger (CEO des KSA), Claudia Käch (Projektleiterin und CEO Spital Zofingen) sowie Felix Schönle (VR-Vizepräsident Spital Zofingen und VR KSA) vor dem Spital Zofingen. sandra ardizzone

Im September 2010 liessen das Kantonsspital Aarau (KSA) und das Regionalspital Zofingen (SZ) eine Bombe platzen. Die beiden, die schon länger zusammenarbeiten (vgl. Box), taten kund, dass sie gemeinsam in die Zukunft gehen wollen.

Kooperation am Anfang: So kam es zum Zusammenschluss

2005 starteten das Regionalspital Zofingen und das Kantonsspital Aarau eine Kooperation. In den Gebieten Urologie, Labor, Apotheke, Onkologie usw. 2010 fand man, das Erreichte sei nicht schlecht. Schönle: «Aber wir erkannten, dass wir damit nicht in die nächste Geländekammer kommen.» Die Spitzen der beiden Häuser kamen zur Überzeugung, man müsse angesichts grosser Herausforderungen und Veränderungen viel enger zusammenarbeiten. Für Zofingen war klar, dass man als regionaler Grundversorger weiter existieren kann. Man wollte aber rechtzeitig Weichen stellen; bewusst mit einem Schwerpunktspital als starkem Partner. Im KSA fragte man sich, wie man angesichts eines kontinuierlichen Wachstums die grossen Platzprobleme bewältigen und die Dienstleistungsqualität aufrechterhalten kann. So fanden sich die beiden Häuser. (MKU)

Konkret sollte das KSA die Aktien des SZ kaufen. Die Projektleitung für den Zusammenschluss wurde Claudia Käch anvertraut, CEO des Spitals Zofingen.

Am Dienstag informierten die Verantwortlichen beider Spitäler in Zofingen über den Abschluss des «Albatros» getauften Projekts. Der Aktientausch hat längst stattgefunden, Käch ist als CEO der mittlerweile Tochtergesellschaft Spital Zofingen Mitglied der Geschäftsleitung des KSA.

Der frühere VR-Präsident und jetzige VR-Vizepräsident des Spitals Zofingen, Felix Schönle, ist heute auch Verwaltungsrat beim KSA.

Zwei «Leuchttürme» in Arbeit

Der Albatros sei ein schwerer Vogel, umschrieb Schönle den nicht immer einfachen Zusammenschlussprozess. Doch er sei gestartet und «jetzt fliegt er», sagte Schönle unter zustimmendem Nicken von Käch und Hans Leuenberger, CEO des KSA. Tatsächlich fliegt der Albatros schon auf beachtlicher Flughöhe.

Eins der sechs Teilprojekte (juristische Struktur) ist längst abgeschlossen, drei weitere (Führungsorganisation, Pflege, Finanzen und Controlling) sind bereits in der Umsetzungsphase, die beiden letzten (Medizinisches Leistungsangebot sowie Betrieb und Informatik) werden gerade zur Umsetzung an die Linie übergeben.

Dazu gehören etwa der gemeinsame Einkauf und ein gemeinsames Sicherheitsdispositiv. Zwei «Leuchttürme» mit kantonalem Leistungsauftrag kommen für Zofingen zwischenzeitlich dazu: Derzeit werden je ein Konzept zur Führung eines Kompetenzzentrums für Palliative Care und für Akutgeriatrie entwickelt.

Laut Claudia Käch hatte man in Zofingen einen Operationssaal zu viel. Den nutzt jetzt das KSA. So steigt die Auslastung und Wirtschaftlichkeit in Zofingen und in Aarau werden die Wartezeiten kürzer (es gibt sie aber immer noch).

Ambulante Augenheilkunde wird angeschaut

So führen die Chirurgen des KSA an zwei Tagen pro Woche in Zofingen Wirbelsäulen- und an einem Tag pro Woche einfachere Operationen in der Bauchchirurgie durch. Noch nicht reif und später nochmals angeschaut wird laut Käch der Aufbau einer ambulanten Augenheilkunde.

An die Linie übergeben werden die Bereiche Wund- und Venenzentrum sowie Orthopädie/Traumatologie. Als weitere chirurgische Disziplin wird die Hals-Nasen-Ohren-Klinik einfachere Eingriffe in Zofingen vornehmen.

Es habe Zeiten gegeben, so Käch zum Zusammenschlussprozess, «in denen es nicht einfach war». Doch jetzt werde wirklich gut zusammengearbeitet.

Nach aussen je eigenes Gesicht

Hans Leuenberger hat als früherer CEO des Kantonsspitals St. Gallen bereits die Integration der Spitäler Rorschach und Flawil gestaltet. Er kennt die Ängste des kleineren Partners, «gefressen zu werden».

Es war deshalb wichtig, den «weichen» Faktoren des Integrationsprozesses besondere Beachtung zu schenken, so Leuenberger. Es sei sehr sinnvoll, dass ein Zentrums- mit einem Regionalspital zusammengeht.

Das entspreche einem generellen Trend in der Schweizer Spitallandschaft. So könne man am meisten Synergien nutzen. Leuenberger: «Zofingen behält seine intakte Akutgrundversorgung und Aarau profitiert von Zofinger OPs.

Beide Spitäler haben nach aussen weiterhin ihr eigenes Gesicht, nach innen ist es aber ein Unternehmen.» Man brauche in der Region Zofingen keine Angst zu haben, dass das Spital geschlossen werden könnte.

Käch: «Wir haben uns toll entwickelt, sind in einer Wachstumsphase, werden für 2012 gute Zahlen vorweisen und können unsere Investitionen finanzieren.» Schönle doppelt nach: «Was wir hier miteinander machen, ist ein Erfolgsmodell. So haben beide Standorte Zukunft.»

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