Es sei eine «verpasste Chance», schrieben die SBB diese Woche – und machten keinen Hehl aus ihrer Verärgerung über das Bundesamt für Verkehr (BAV). Dieses hatte den SBB untersagt, Zusatz-Intercitys zwischen Zürich und Bern zu Hauptverkehrszeiten in Zürich Altstetten und Bern Wankdorf halten zu lassen. Wenn man flexibel und kundenorientiert handeln wolle, sei dies dem BAV auch nicht recht, heisst es im Konzern.

Unmut erregte in der SBB-Konzernspitze auch der «Blick», der vom «Extrahalt für SBB-Bosse» geschrieben hatte. In Wankdorf befindet sich der SBB-Hauptsitz, in Altstetten ein grosses SBB-Bürogebäude. Die SBB betonen, dass der Halt nicht primär fürs eigene Personal gedacht gewesen sei. Im Zürcher Kreis 9 um den Bahnhof Altstetten sind knapp 50'000 Arbeitsplätze angesiedelt, in Wankdorf allerdings deutlich weniger als die Hälfte davon.

Mit ihrer Idee überrumpelten die SBB ihre Partner. Der Halt in Zürich Altstetten wurde zwar fristgerecht beantragt. Doch mit der Idee des Wankdorf-Stopps kreuzten die SBB erst nach Ablauf des ordentlichen Fahrplanverfahrens auf. Nicht nur der Bahnbetreiber BLS opponierte. Am vehementesten war die Opposition im Aargau. Wie kommuniziert worden sei, sagt Reto Kobi vom Amt für öffentlichen Verkehr, sei «nicht sehr vertrauensfördernd». Der Kanton habe von den Plänen für den Halt der Zusatz-ICs in Wankdorf erst im August erfahren, «also sehr kurzfristig». In den vorherigen Planungen mit dem BAV und den SBB sei dies nie ein Thema gewesen. «Auch bei unseren Gesprächen mit den SBB kam die Idee zuvor nie auf den Tisch», sagt er. «Dementsprechend hat der Kanton beim Bund interveniert und sich deutlich gegen die beiden Halte ausgesprochen.»

Man setze sich weiterhin für den Halt der Zusatzzüge in Aarau ein, welcher ab 2025 oder allenfalls schon ab 2021 realisiert werden soll. Die SBB betonen, dass es keine Verbindung des abgesagten Projekts mit dem Halt in Aarau gebe. Das glaubt der Kanton nicht: «Zusätzliche Halte in Altstetten und Wankdorf könnten den Aarau-Halt verunmöglichen», sagt Kobi. «Es besteht die Gefahr, dass Aarau abgehängt wird.» Auch der Argumentation, dass der Pilotversuch bei ungenügender Wirkung abgebrochen worden wäre, schenken die Aargauer keinen Glauben. «Wenn die zusätzlichen Halte einmal eingeführt sind, bringt man sie nicht mehr weg», so Kobi.

Auch sei es wichtig, dass die Intercity-Züge attraktiv blieben. Mit den beiden Halten würde die Fahrzeit um sechs Minuten verlängert. «Das widerspricht dem Ziel, die Passagiere von den überlasteten Zügen zur halben und vollen Stunde wegzubringen», sagt Kobi.

Gegen den Pilotversuch hatte sich auch der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ausgesprochen, obwohl er die Erschliessung von Zürcher Stadtbahnhöfen wie Altstetten oder Oerlikon durch den Fernverkehr explizit vorsieht. Auch der ZVV störte sich an der Kurzfristigkeit. Auf die ab Ende 2018 geplanten neuen Halte zweier Interregio-Züge in Zürich Oerlikon hat der Entscheid keinen Einfluss. Allerdings ist Oerlikon bereits als Fernverkehrs-Bahnhof klassiert, Wankdorf nicht. Dort wären Umbauten nötig, um den zu kurzen Bahnhof fernverkehrstauglich zu machen. Ein solcher Antrag ging beim BAV nie ein – auch nicht mit Blick aufs Konzept des Jahres 2030.