Gericht
Zürcher patzten: Freispruch für Aargauer, der Passanten angefahren haben soll

Ein Autolenker aus Baden war in Zürich angeklagt, einen Passanten absichtlich angefahren und erheblich verletzt zu haben. Aufgrund einer mangelhaften Untersuchung kam es zu einem Freispruch.

Attila Szenogrady
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Ein Badener soll einen Passanten absichtlich angefahren haben. (Symbolbild)

Ein Badener soll einen Passanten absichtlich angefahren haben. (Symbolbild)

PKR

Die Vorwürfe gegen den heute 69-jährigen Beschuldigten aus Baden waren happig. Fest steht, dass der Senior am 11. Juli 2010 mit seinem Personenwagen nach Zürich fuhr und sich nach 22 Uhr am Sihlquai aufhielt. Es war auf der Strasse viel los, da damals das Endspiel der Fussball-WM stattfand. Der Beschuldigte hatte seinen Wagen gerade auf dem Trottoir abgestellt, als plötzlich eine verängstigte Frau die Seitentür aufriss und auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Die Schweizerin bat den Aargauer spontan um Hilfe und fragte ihn, ob er sie wegfahren und vor ihrem Freund in Sicherheit bringen könne.

Absichtlich angefahren?

Die Anklageschrift schilderte, wie der aufgebrachte Freund der Frau plötzlich auftauchte und mit der Hand gegen die Scheibe des Fahrzeugs schlug. Worauf der Rentner seinen Wagen startete, wendete und stadtauswärts fuhr. Laut Staatsanwalt stellte sich der Geschädigte auf die Fahrbahn und winkte seiner Freundin zu, worauf der Beschuldigte beschleunigte und laut Anklage absichtlich in den Passanten hineingefahren sei. Dieser zog sich Brüche am rechten Unterarm und am rechten Handgelenk zu. Fest steht, dass sich der Beschuldigte kurz nach dem Vorfall bei der Polizei meldete und ausführte, dass er vielleicht eine Person angefahren habe. Später widerrief er allerdings. So auch vor dem Bezirksgericht Zürich, wo ihm wegen Gefährdung des Lebens, versuchter schwerer Körperverletzung, Körperverletzung sowie Unterlassung der Nothilfe eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten drohte.

Der Senior machte einen Blackout geltend. Er wisse nur noch, dass er aufgrund der Schläge gegen sein Auto nervös geworden sei. Von einem Unfall habe er dagegen nichts mitbekommen.

Mangelhafte Untersuchung

Das Gericht folgte der Verteidigung. «Es liegen zu viele Zweifel vor», erklärte der Gerichtsvorsitzende und verwies auf krasse Widersprüche bei den Zeugenaussagen. Zudem seien am Auto des Beschuldigten keine eindeutigen Spuren gefunden worden. Wäre zudem der Wagen tatsächlich so stark erschüttert worden, wären die Verletzungen des Geschädigten erheblich gravierender ausgefallen.

Heftige Kritik übte der Richter an den Ermittlungsbehörden, denen er eine mangelhafte Untersuchung anlastete. Die Polizei habe zudem nur eine Lebensgefährdung angenommen und darauf verzichtet, einen Staatsanwalt beizuziehen.

Der Rechtsvertreter des Geschädigten, der neben einem Schmerzensgeld von 6000 Franken Schadenersatz in unbekannter Höhe gefordert hatte, legte unmittelbar nach dem Freispruch Berufung ein.