Flughafen Zürich
Zürcher Entscheid gegen Pistenausbau - für Aargau bleibt Lärmdruck bestehen

Der Zürcher Kantonsrat hat die Pistenverlängerung aus dem Richtplan gestrichen. Unabhängig davon geht der Kampf um den Gekröpften Nordanflug weiter. Betroffen davon wären das Zurzibiet und dort wiederum vor allem das Surbtal.

Hans Lüthi
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So tief würden Flugzeuge beim Gekröpften Nordanflug zwar nicht über das Surbtal fliegen, trotzdem würde der Lärm markant zunehmen. (Symbolbild)

So tief würden Flugzeuge beim Gekröpften Nordanflug zwar nicht über das Surbtal fliegen, trotzdem würde der Lärm markant zunehmen. (Symbolbild)

Keystone

Der überraschende Entscheid des Zürcher Kantonsrates gegen den Ausbau der Westpiste 28 und der Nordpiste 32 beschäftigt auch die Aargauer. «Eine Stellungnahme der Regierung ist nicht geplant», sagt Fluglärmspezialist Hans-Martin Plüss, Fürsprecher im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Begründung: «Wir hätten es ja auch nicht gern, wenn die Zürcher uns sagen würden, was der Aargauer Grosse Rat entscheiden soll.»

Dennoch ist es bedeutend, ob der Flughafen mit den heutigen oder längeren Pisten in die Zukunft rollt. Verkehrsministerin Doris Leuthard und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) befürworten mehr Kapazität. Die Flugüberwachung Skyguide pocht wegen der Sicherheit auf den Ausbau. Anderseits betont die IG Nord, grössere und besser ausgelastete Flugzeuge könnten genügend Wachstum sicherstellen.

Lärm verteilt sich anders

Längere Pisten bringen dem Aargau nicht zwingend mehr Lärm, «aber er verteilt sich anders», erklärt Plüss. Ohne den Ausbau bleiben nicht nur die Südanflüge – werktags von 6 bis 7 Uhr, am Wochenende von 6 bis 9 Uhr –, sondern auch die Landungen schwerer Maschinen von Süden am Abend. Und damit wird der Kampf um den gekröpften Nordanflug via das Zurzibiet und das Surbtal direkt nach Zürich-Kloten noch akzentuiert.

Mit dem Staatsvertrag wären Landungen über deutsches Gebiet schon ab 6.30 Uhr möglich, aber ob und wann er in Berlin ratifiziert wird, steht in den Sternen.

Den gekröpften Nordanflug bekämpfen neben den Aargauern auch die Süddeutschen, denn der Wecklärm würde den dicht besiedelten Raum Waldshut-Tiengen voll treffen. «Beim Bazl läuft eine Untersuchung, ob der Gekröpfte auch von Osten machbar ist», sagt Plüss.

Initiative für Volksentscheid

Für den künftigen Betrieb des Zürcher Flughafens gibt es viele offene Fragen und kaum Antworten. Die Pistenverlängerung hat der Zürcher Kantonsrat mit 93 zu 76 Stimmen aus dem Richtplan gestrichen, weil 13 SVP- und FDP-Grossräte den Antrag der Grünen unterstützten.

Flughafenfreundliche Kantonsräte haben eine Volksinitiative angekündigt, denn das Zürcher Volk hat bisher flughafenfreundlich entschieden. Je nach Standpunkt heisst es jetzt, das Parlament oder das Stimmvolk werde entmachtet.

Wenn das Betriebsreglement 2014 öffentlich aufliegt, lädt das BVU Planungsgruppen, Verbände und Gemeinden des Ostaargaus im Frühsommer zum Flughafenpanel.

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