Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Aargauischen Kantonalbank: Gestern wurde die Festschrift zum Jubiläum präsentiert.

Auf Schloss Wildegg. Dort konnte Direktionspräsident Rudolf Dellenbach das erste druckfrische Exemplar aus den Händen des ersten Hausherrn persönlich entgegennehmen: Kaspar Effinger von Wildegg alias Roland Graf hiess die Jubiläumsgäste auf dem Schloss willkommen, das er 1483 den Bernern für 1500 Gulden abgekauft hatte.

Die «Bankburger» seien im Vergleich zu den Effingern zwar ein junges Geschlecht, aber wie sie damals in Schlachten, hätten die Aargauer Bankburger ihre Pfründe in einer wechselvollen Geschichte gegen den Finanzadel verteidigt, meinte Dellenbach.

Diese Geschichte ist in einer aufwendig und sorgfältig gestalteten Festschrift dargestellt. Das 200 Seiten starke Buch ist aber nicht einfach eine Firmengeschichte. Es beschäftigt sich natürlich sehr wohl mit den Ereignissen, die während der 100 Jahre ihres Bestehens die Kantonalbank selbst, den Kanton Aargau, die Schweiz und die Welt bewegt haben.

Neben der Bankgeschichte enthält es aber vor allem unterschiedlichste Geschichten zur Bank. 18 Aargauer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens äussern sich in Gastbeiträgen aus ganz verschiedenen Blickwinkeln zum Thema «Geld und Geist». Das Spektrum reicht von Finanzdirektor Roland Brogli bis zu Komiker Peach Weber.

Schelmisch und auch provokant

Über diesen Teil des Buchs freut sich Direktionspräsident Rudolf Dellenbach, Initiant des Projekts, ganz besonders. «Ich habe gestaunt, wie vielschichtig, tiefsinnig, schelmisch und auch provokant die Beiträge ausgefallen sind», sagte er an der Buchvernissage.

Es sei ein wahres Vergnügen, diese Geschichten zu lesen. Vier der Autoren gaben gestern einen kurzen Einblick in ihre Gedanken: Verleger Peter Wanner, Ethik-Professor Stephan Wirz, Musikerin Emel Aykanat und Schriftsteller Christian Haller diskutierten mit Roy Oppenheim, der die publizistische Leitung für die Festschrift hatte (vgl. seinen Beitrag zur Geschichte der Kantonalbank auf der gegenüberliegenden Seite).

Besonders Christian Haller setzte sich dabei kritisch mit dem Thema «Geld und Geist» auseinander: Nicht unbedingt das Streben nach materiellem Wohlstand gibt ihm zu denken. Aber der Umstand, dass das ökonomische Denken mehr und mehr sämtliche Lebensbereiche durchdringe, obwohl Geld an sich eigentlich keinen hohen ideellen Wert darstelle.

In seinem Beitrag in der Festschrift gibt er sich zum Schluss aber versöhnlich: «Dass ich diesen Essay für das Jubiläum einer Bank schreibe, die mich dafür auch noch bezahlt, zeigt, wie korrumpierbar ich bin. Dass die Bank den für sie eher fragwürdigen Artikel druckt, zeigt, wie selbstsicher sie in ihrem Verhalten ist. Was ist also das Problem? Keines. Wir verstehen uns prächtig.»

«Konzept passt zum Kulturkanton»

Abgerundet wird die Festschrift durch Interviews mit ganz «gewöhnlichen» Menschen über ihr Verhältnis zum Geld. Dabei kommt für jedes Jahrzehnt der Geschichte der Bank eine Person zu Wort. Angefangen beim fünfjährigen Kindergärtler Kedrim Türkmen bis zum Ehepaar Miggi und Walter Horlacher (sie 101, er 103-jährig).

Die Laudatio zur Buchvernissage hielt Thomas Pauli, der neue Aargauer Kulturchef. Sein Fazit: Im Gegensatz zu anderen Festschrift-Herausgebern lasse die Kantonalbank Menschen zu Wort kommen. Dieses partizipative Konzept passe zum Kulturkanton Aargau.