Hausärztemangel

Zulassungs-Stopp für ausländische Hausärzte: Kanton Aargau lässt nun Ausnahmen zu

Ausländische Hausärzte können bei begründeten Ausnahmen nun doch wieder eine Praxis im Aargau aufmachen. (Symbolbild)

Ausländische Hausärzte können bei begründeten Ausnahmen nun doch wieder eine Praxis im Aargau aufmachen. (Symbolbild)

Der Kanton Aargau lockert den Zulassungs-Stopp für Hausärzte, den er vor einem Jahr eingeführt hat. Es ist eine Reaktion auf Kritik aus der Bevölkerung und der Politik.

Vor einem Jahr führte das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) von Regierungsrätin Franziska Roth eine Zulassungsbeschränkung für ausländische Ärzte ein. Als Begründung nannte das Departement, «dass bei ausländischen Ärztinnen und Ärzten, welche direkt in die Schweiz einreisen, beziehungsweise ohne Kenntnis der schweizerischen Verhältnisse ihre Tätigkeit aufnehmen, ein Qualitäts- und Erfahrungsproblem bestehen kann». 

Doch jetzt, ein Jahr später, kommt es zu einer teilweisen Kehrtwende. «Durch die Wiedereinführung der Zulassungsbeschränkung habe sich «der Grundversorgermangel im Aargau verschärft», schreibt die Staatskanzlei in einer Mitteilung.

«Darunter zu leiden haben vor allem Bewohnerinnen und Bewohner in ländlichen Regionen und es wird zusehends schwieriger, Praxen zum Beispiel nach Pensionierungen aufrecht zu erhalten», sagt die zuständige Regierungsrätin Franziska Roth. 

Unmut in Würenlingen

Damit gemeint ist etwa Würenlingen, wo Hausarzt Peter Horowitz nach langer Suche einen 43-jährigen deutschen Nachfolger für seine Praxis fand, der Kanton dies aber mit der Wiedereinführung des Ärzte-Stopps verunmöglichte. In der 4600-Einwohner-Würenlingen selbst wurde Unmut laut. Einwohner wendeten sich mit Briefen an Franziska Roth, um auf den Hausärztemangel im Dorf aufmerksam zu machen. Ein Facebook-Aufruf von Horowitz' Frau wurde mehrere Tausend Mal geteilt. Neben Horowitz praktiziert in Würenlingen ein zweiter Hausarzt. Auch CVP-Grossrat reichte bei der Aargauer Regierung eine Interpellation ein. In der Antwort darauf im letzten Herbst war der Regierungsrat allerdings, dass objektive Kriterien für mögliche Ausnahmen nicht bestehen würden. 

Das DGS hat nun mit dem Aargauischen Ärzteverband (AAV) eine Lösung erarbeitet. In begründeten Einzelfällen sind nun Zulassungen für Hausärzte möglich, auch wenndie Voraussetzungen gemäss Bundesgesetz nicht erfüllt sind. Diese Voraussetzungen sind ein originär schweizerischer Weiterbildungstitel oder drei Jahre Weiterbildung an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte. Der Regierungsrat hiess eine entsprechende Verordnung am Mittwoch gut. Diese tritt am 1. Mai 2018 in Kraft und gilt bis 30. Juni 2019.

Ausreichende Deutschkenntnisse

Zentrale Voraussetzung für eine Ausnahmezulassung sei ein Bedarf. Die Bedarfsabklärung der AAV im Auftrag des Departements Gesundheit und Soziales durchführen. Dabei müssen nach wie vor zwei Kriterien erfüllt sein. Der Hausarzt muss ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen (C1-Niveau). Und er darf nicht älter als 60 Jahre alt sein.  

Weiter ist die Zulassung örtlich beschränkt. Sie erlischt bei einer Praxisverlegung in eine andere Gemeinde. 

Der Kanton Aargau hat bereits von 2002 bis 2011 den Zulassungsstopp gemäss Bundesgesetz umgesetzt. Vom 1. Juli 2013 bis zum 14. März 2017 verzichtete er dagegen darauf. Franziska Roth: "Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass insbesondere im Grundversorgungsbereich ein Qualitäts- und Erfahrungsproblem bei ausländischen Ärztinnen und Ärzten besteht, die direkt in die Schweiz einreisen und eine Praxis eröffnen oder übernehmen." Viele von ihnen sind mit den Eigenheiten des schweizerischen Gesundheitswesens nicht vertraut. Dazu gehören beispielsweise das Abrechnungssystem, die Spitallandschaft sowie Überweisungsgepflogenheiten. Oft seien die ausländischen Ärzte nur minimal ausgebildet und würden die deutsche Sprache nur ungenügend beherrschen. 

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