Wöschnau/Olten
Zugchaos im Mittelland: Eine tote Krähe steht unter Verdacht

Die Fahrleitung war bereits beschädigt, als der TGV am Samstag die Unfallstelle passierte. Am Zug wurde ein Kurzschluss festgestellt, neben der Fahrleitung lag eine tote Krähe. Ob diese wirklich die Ursache für den Unfall war, wird noch abgeklärt.

Christian von Arx
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Zugchaos im Mittelland
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SBB-Angestellte am Unfallort des TGV.
Bei Schönenwerd wurde eine Fahrleitung heruntergerissen.
Der beschädigte TGV. Die Passagiere wurden mit dem nebenstehenden IR-Zug nach Aarau gebracht.
Diese heruntergerissene Fahrleitung sorgte für ein Bahnchaos im Mittelland.
Wegen der defekten Fahrleitung: Etliche Züge haben Verspätung oder fallen ganz aus.
Gestrandete Passagiere in Aarau
und am Zürich HB
Diese gerissene Fahrleitung löste das Chaos aus (links), Bahnarbeiter beim Unglücks-TGV.
Der beschädigte TGV gestern Dienstag im Bahnhof Olten Hammer.

Zugchaos im Mittelland

Eine Krähe könnte am Anfang der Störung stehen, die am Samstag gegen 10 Uhr den TGV Zürich–Paris in der Wöschnau zum Stehen brachte und damit den Bahnverkehr zwischen Aarau und Olten bis am frühen Samstagabend stark beeinträchtigte.

Noch steht allerdings die Ursache des Vorfalls nicht fest, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig gestern auf Anfrage betonte. Sicher ist: «Als der TGV die Unfallstelle passiert, muss bereits eine Schädigung der Fahrleitung bestanden haben. Und neben dieser Stelle wurde eine tote Krähe gefunden.»

Es sei möglich, dass die Krähe die Isolation überbrückt und einen Kurzschluss ausgelöst habe, denn bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Aarau stellte der Lokführer einen kurzen Spannungsausfall in seinem TGV fest. Kurz darauf kollidierte er dann in der Wöschnau mit der Fahrleitung. «Ob der Vogel aber ursächlich war, wird jetzt von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) abgeklärt», so Ginsig.

Keine Schüsse

Definitiv kein Thema ist laut dem SBB-Mediensprecher die Vermutung, dass auf den TGV Schüsse abgegeben sein könnten. Zwar sehen die Schäden an der Stirnseite des Zuges (Bild rechts) wie Einschusslöcher aus. Doch laut Ginsig handelt es dabei um Brandlöcher, die durch die Hitze infolge des Kurzschlusses verursacht wurden, als der Zug mit der Fahrleitung kollidierte. «Dabei ist das Glas geschmolzen.» Durch den Knall in der Führerkabine erlitt der Lokführer einen Hörschaden.

Die Schäden am französischen Hochgeschwindigkeitszug sind laut Ginsig erheblich. Neben der Frontscheibe wurde auch der Stromabnehmer auf dem hinteren Teil des Zuges aus seiner Halterung gerissen. Der TGV wurde im Bahnhof Olten Hammer «parkiert» und von Spezialisten der SNCF begutachtet.