Kommentar

Zugausfälle: Auch die kantonale Politik ist in der Pflicht – es darf nicht zu einer chronischen Überforderung kommen

Bei den SBB fehlen Lokführer – deshalb fallen täglich Züge aus.

Bei den SBB fehlen Lokführer – deshalb fallen täglich Züge aus.

Die SBB stehen derzeit in der Kritik, weil sie wegen Lokführermangels mehrere Linien ausfallen lassen. Das betrifft vor allem den Aargau. Die kantonale Politik muss aber ebenfalls in die Pflicht genommen werden und sollte vor allem drei Punkte beachten.

Diverse vom Aargau und von anderen Kantonen bestellte und von der SBB zugesicherte Züge fahren wegen Lokführermangels vorläufig nicht mehr. Die SBB stehen deshalb zu Recht im Regen. Sie verweisen auf Corona, da konnte man keine Lokführer ausbilden. Stimmt, das ist höhere Gewalt. Der Lokführermangel war aber schon lange davor ein grosses Thema. Die SBB hat es versäumt, rechtzeitig zu handeln. Nun muss sie zwingend gewährleisten, dass sich das nicht wiederholt. Zu gross sind der finanzielle und der Image-Schaden für die SBB im Bahnland Schweiz.

Aber auch die nationale Politik darf sich nicht nur als Anklägerin gebärden. Sie – auch der Aargau – muss sich fragen: Hat sie zu euphorisch, zu schnell, zu viele Ausbauten bewilligt, zu sehr in die Fläche gebaut statt Schwerpunkte zu bilden, mehr Verbindungen eingefordert, als die SBB tatsächlich leisten konnte? Die SBB bietet heute massiv mehr als vor zehn und mehr Jahren, das Streckennetz ist auf den Haupttransversalen (die durch den Aargau führen) genutzt wie nie zuvor. Das spüren wir schon lange mit immer mehr Verspätungen.

Jetzt müssen erstens raschmöglichst alle zugesagten Züge wieder verkehren können. Zweitens ist zu klären, wie die SBB die Kantone entschädigt. Drittens muss sich die Politik fragen, ob sie beim weiteren Strecken- und Angebotsausbau etwas Tempo wegnehmen oder mehr Schwerpunkte bilden muss, um die SBB nicht chronisch zu überfordern.

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