Die Zahl der Personen, die während des Tages unter Fluglärm leiden, hat im Vergleich zu 2010 um 3000 zugenommen. Dies entspricht einem Zuwachs von 9 Prozent, wie aus dem Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) hervorgeht, der am Montag veröffentlicht wurde. Stabil blieb hingegen die Lärmbelastung in der Nacht, was auf die 2010 eingeführte, siebenstündige Nachtsperre zurückzuführen ist.

( Karte ZFI)

Die störenden Emmissionen des FLughafens Zürich erreichen auch den Aargau

( Karte ZFI)

5,6 Prozent im Aargau

Die Zunahme der Lärmbelästigung erfolgte tagsüber. Die Zahl der nächtlichen Fluglärmopfer blieb mit 18'000 gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert.

Der vom Flughafen Zürich ausgehende Fluglärm betrifft naturgemäss am stärksten den Kanton Zürich: 94,1 Prozent der laut ZFI stark Lärmbelästigten wohnen dort; im Aargau sind es 5,6 Prozent, in Süddeutschland 0,2 Prozent, im Kanton Schaffhausen 0,1 Prozent und im Thurgau eine einzige Person.

Aufgrund der Überschreitung des ZFI-Richtwerts ist die Zürcher Regierung verpflichtet, Massnahmen gegen den Fluglärm zu ergreifen. Sie setzt dabei weiterhin auf Schallschutz an Gebäuden, wie es im ZFI-Bericht heisst. Eine Plafonierung der Anzahl Flugbewegungen lehnt der Regierungsrat ab, da sie die Funktion des Flughafens Zürich als internationale Drehscheibe (Hub) bedrohen würde.

Zürcher Fluglärmrichtwert überschritten

Zürcher Fluglärmrichtwert überschritten

279'000 Starts und Landungen

Auch raumplanerisch sei kurzfristig nicht viel zu machen, heisst es im ZFI-Bericht 2011. Längerfristig wollen Bund und Kanton aber via Sachplan Infrastruktur Luftverkehr (SIL) und über den kantonalen Richtplan dafür sorgen, dass die Anzahl der Lärmbelästigten nicht weiter steigt.

Faktoren, die zu ihrem Steigen im vergangenen Jahr beitrugen, sind das Bevölkerungswachstum und die Zunahme der Anzahl Flugbewegungen, die auch konjunkturelle Gründe hat. Im Jahr 2011 gab es auf dem Flughafen Zürich 279'000 Starts und Landungen. Gemäss Zürcher Flughafengesetz wäre ab 320'000 Flugbewegungen pro Jahr darüber zu befinden, ob auf eine Bewegungsbeschränkung hinzuwirken ist.

Leisere Flugzeuge genügen nicht

Entlastung verspricht der Ersatz der Kurzstrecken-Flotte der Swiss durch neue, wesentlich leisere Flugzeuge ab 2014, wie es weiter im ZFI-Bericht heisst.

Allerdings dürfte dieser Effekt wie auch die übrigen kurz- bis mittelfristig möglichen Flugbetriebs-Massnahmen nicht genügen, um den ZFI-Richtwert künftig einzuhalten: «Sie vermögen die Effekte des auch in den kommenden Jahren zu erwartenden Bevölkerungswachstums und der wieder ansteigenden Flugbewegungen nicht zu kompensieren», steht im Bericht, den die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion zusammen mit Fachleuten der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa erstellte.

Der ZFI wurde 2007 eingeführt und sieht vor, dass höchstens 47'000 Personen vom Fluglärm gestört werden dürfen, was mit den Zahlen vom Jahr 2011 eindeutig nicht erreicht wird. Die Zahl der Geplagten liegt zum zweiten Mal in Folge darüber.

Nur im Jahr 2009 wurde der Monitoringwert nicht überschritten. Die Regierung wird damit verpflichtet, Massnahmen zur Lärmbekämpfung einzuleiten.

Grosser Bevölkerungszuwachs trotz Fluglärm

Geplant ist ein Förderprogramm, mit dem unter anderem Schallschutzfenster finanziert werden sollen. Das Geld dafür stammt aus dem Flughafenfonds, in dem seit der Verselbständigung des Flughafens 300 Millionen Franken liegen.

Hauptgrund für den Anstieg der Lärmgeplagten ist das Bevölkerungswachstum. Die Flughafenregion verzeichnete in den vergangenen Jahren ein grösseres Bevölkerungswachstum als der Kantonsdurchschnitt - und dies trotz Fluglärm.