Massnahmenvollzug

Zu wenig Platz für psychisch kranke Straftäter im Aargau – und sie werden mehr

Blick aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg – hier sitzt etwa der kranke Dirnenmörder Tobi B. im fürsorgerischen Freiheitsentzug.

Blick aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg – hier sitzt etwa der kranke Dirnenmörder Tobi B. im fürsorgerischen Freiheitsentzug.

In der Psychiatrie in Königsfelden stehen seit gestern 16 zusätzliche Plätze für die stationäre Therapie von kranken Straftätern zur Verfügung. Trotzdem besteht nach wie vor ein Bettenmangel im Aargau.

In der Schweiz fehlen 930 Plätze im Strafvollzug. 209 Plätze fehlen allein im geschlossenen Massnahmenvollzug. Die Anzahl der Straftäter, die sich in einer stationären Therapie befinden, steigt auch im Aargau stetig an. So verordneten die Gerichte zwischen 2008 und 2013 insgesamt 57 stationäre Massnahmen.

Im gleichen Zeitraum beendeten die Aargauer Richter lediglich 18 Massnahmen. Das entspricht also einer Zunahme von 39 Massnahmen in diesem Zeitraum.

Um den steigenden Platzbedarf für psychisch kranke Straftäter zu decken, waren ursprünglich auch im Zentralgefängnis Lenzburg zwölf zusätzliche Plätze in diesem Bereich geplant. Wegen des Sparpakets wurde die Schaffung dieser Plätze aber auf unbestimmte Zeit verschoben. 

Eines der neuen Zimmer in der Psychiatrie in Königsfelden. Im Bild eine Pflegefachfrau.

Eines der neuen Zimmer in der Psychiatrie in Königsfelden. Im Bild eine Pflegefachfrau.

Laut Samuel Helbling, Mediensprecher des Departements Volkswirtschaft und Inneres, sind durch den Verzicht auf den Betrieb von solchen Massnahmenplätzen in der Strafanstalt Lenzburg Personalressourcen frei geworden für den Betrieb von 60 zusätzlichen Haftplätzen im geschlossenen Strafvollzug.

Daher würden nach Abschluss der Sanierung der Justizvollzugsanstalt gesamthaft deutlich mehr Haftplätze zur Verfügung stehen. «Der Verzicht auf die Massnahmenplätze in der Justizvollzugsanstalt ist nicht definitiv», sagt Helbling.

Das hofft auch Robert Frauchiger, Sekretär des Strafvollzugskonkordats der Nordwest- und Innerschweiz: Man gehe nach wie vor von der Realisierung der Plätze in Lenzburg aus. Die Bedarfsplanung sei von der Konkordatskonferenz beschlossen und habe «schon eine gewisse Verbindlichkeit».

Einen Beitrag zur Behebung des chronischen Bettenmangels leisten die Psychiatrischen Dienste Aargau. In Königsfelden wurde gestern das neue Zentrum für stationäre forensische Therapie eröffnet. Es verfügt über 48 Plätze, ist damit das grösste, nicht universitäre forensisch-psychiatrische Zentrum der Schweiz und erfüllt die Anforderungen bis zur mittleren Sicherheitsstufe.

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