Aargauer Obergericht

Zu wenig Indizien: Teilweise Freispruch für den Maisfeldräuber von Suhr

„Maisfeld-Einbrecher“ vor dem Obergericht

„Maisfeld-Einbrecher“ vor dem Obergericht

Im Sommer 2016 umstellten Polizisten in Suhr ein Maisfeld, um Kriminaltouristen zu schnappen. Die zwei Albaner sollen in fast 40 Häuser eingebrochen sein, weshalb sie nun vor dem Obergericht stehen.

Das Aargauer Obergericht hat die Haftstrafe für den Serieneinbrecher um ein Jahr reduziert.

Es war eine Verhaftung wie im Film. Die Kantonspolizei Aargau umzingelte im Sommer 2016 ein Maisfeld in einem Suhrer Wohnquartier und suchte mit Helikoptern und Hunden nach Einbrechern. Kurze Zeit später führte sie zwei Männer vor laufender Kamera in Handschellen ab.

Drilon und Florin (Namen geändert) wurden im Oktober 2017 in erster Instanz wegen Einschleichdiebstählen in den Kantonen Aargau, Solothurn und Thurgau zu Haftstrafen von je 5,5 und 3,5 Jahren verurteilt. Bis zu 39 Mal waren sie — teilweise gemeinsam — in Einfamilienhäuser eingebrochen und hatten dort Geld und Schmuck im Wert von über 90 000 Franken geklaut.

Maisfeldeinbrecher vor Gericht

Oktober 2017: Maisfeldeinbrecher vor Gericht

Drilon ging nun nach zwei Jahren und acht Monaten Haft in Berufung und bekam gestern vor dem Aargauer Obergericht teilweise Recht. In zahlreichen Fällen sei die Mittäterschaft des Beschuldigten Albaners auf eine Hypothese gestützt gewesen, sagte sein Verteidiger Roger Baumberger vor Gericht.

So habe die Erstinstanz Drilon auch in Fällen schuldig gesprochen, bei denen am Tatort keine DNA seines Mandanten gefunden worden war. «Nur weil in der selben Gegend zur selben Zeit auch eingebrochen worden war.» Drilon hatte einige Einbrüche gestanden, in 18 Fällen aber focht er das Urteil an.

Die Kantonspolizisten im Einsatz

Juli 2016: Grossfahndung im Maisfeld

Als Tourist nach Belgien

Der mittlerweile 30-jährige ist von der Strafanstalt in Lenzburg nach Lugano versetzt worden. «Dort kann mich meine Familie häufiger besuchen», begründet der Beschuldigte diesen Umzug. Er hat seinen Wohnsitz in Norditalien.

Er habe sich nur in der Schweiz aufgehalten, weil er auf der Durchreise war, sagt der Beschuldigte gegenüber den Aargauer Oberrichtern. Er sei nach Belgien gereist, auf der Rückreise sei ihm aber das Geld ausgegangen. «Ich befand mich in einer Notlage, sonst wäre ich nicht eingebrochen.»

Die Bilder von der Grossfahndung nach den Einbrecher in Maisfeld:

Obwohl die Richter ihm diese Geschichte nicht abnehmen, wird die Berufung teilweise gutgeheissen, Drilon wird in zehn Fällen freigesprochen. «Der amtliche Verteidiger hat zu Recht darauf hingewiesen, dass es in gewissen Fällen zu wenig Indizien gab, um einen Schuldspruch fällen zu können», begründet der Gerichtspräsident das Urteil.

Die Freiheitsstrafe von Drilon wird von 5,5 Jahren auf drei Jahre und drei Monate reduziert, ein Jahr wird in eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen umgewandelt. Da er zwei Jahre und acht Monate seiner Strafe abgesessen hat, kann der Maisfeldräuber bei guter Führung damit rechnen, dass er in knapp einem halben Jahr freikommt. (az)

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