Torfeld Süd
«Zu wenig attraktiv»: Die Migros will nun doch nicht ins Stadion des FC Aarau

Er ist der Chef von 12'000 Angestellten. Und er hat viel zu sagen über Projekte wie die Erweiterung des Bahnhofs Aarau oder das neue Aarauer Fussballstadion Torfeld. Im Interview mit der az spricht Anton Gäumann, Geschäftsleiter der Migros Aare, über die Migros-Projekte im Aargau.

Urs Helbling
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Zwar habe man das Konzept des Stadions eingehend geprüft. Laut Migros Aare-Chef Anton Gäumann sei es allerdings zu wenig attraktiv. (Visualisierung des geplanten Aarauer Stadions Torfeld-Süd)

Zwar habe man das Konzept des Stadions eingehend geprüft. Laut Migros Aare-Chef Anton Gäumann sei es allerdings zu wenig attraktiv. (Visualisierung des geplanten Aarauer Stadions Torfeld-Süd)

Foto: Chris Iseli; Montage: az

Ein weiterer Tiefschlag für alle, die in Aarau auf eine schnelle Realisierung des Fussballstadions Torfeld hoffen. Die Migros ist – im Gegensatz zum letzten Sommer – nicht mehr an den Verkaufsflächen im Stadionmantel interessiert. «Wir haben das Stadion als Standort für unsere Ladenformate eingehend geprüft», erklärt Anton Gäumann, Chef der Migros Aare, im Interview. Das Gesamtkonzept des Einkaufszentrums sei aber zu wenig attraktiv. «Unter den jetzigen Gegebenheiten verfolgen wir das Thema nicht weiter.»

Damit kommt als Ankermieter fast nur noch Coop infrage. Und aus Schafisheim gibt es eine positive Antwort – die erste offizielle Bestätigung für das Interesse. «Ja, Coop ist an einer Verkaufsstelle im neuen Stadion in Aarau interessiert», erklärt Markus Eugster, Leiter Kommunikation Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich.

Im Interview äussert sich Anton Gäumann nicht nur zum Stadion Aarau, sondern auch zum Umsatz der Migros Aare, zum Einkaufstourismus und zu den 5-Rappen-Säckli.

Herr Gäumann, vor einem Jahr haben Sie in Brugg die «Filiale der Zukunft» eröffnet. Hat sie sich bewährt?

Anton Gäumann: Die Kundinnen und Kunden haben sie sehr gut aufgenommen. Besonders zufrieden sind wir mit dem Frische-Bereich und hier speziell mit den Brot- und Backwaren oder den Buffets in der Metzgerei.

Haben Sie in Brugg Dinge gelernt, die nun zu Anpassungen in anderen Filialen führen?

Ja, den Bereich Brot- und Backwaren mit der offenen Bäckerei bereiten wir zum Beispiel so auf, dass wir ihn in anderen Filialen multiplizieren können.

Die Frische ist im Detailhandel ein Megatrend. Was kann der Konsument da erwarten?

Wir wollen die Frische-Abteilungen zelebrieren, stärker marktähnliche Situationen schaffen. Wir wollen alle Sinne ansprechen. Man soll das Brot zum Beispiel riechen können. Die Inszenierung geht aber darüber hinaus. Die Kunden müssen sich in den Supermärkten auch gut orientieren können. Licht und Farbe spielen eine wichtige Rolle. Ganz generell müssen sich die Menschen in unseren Läden wohlfühlen.

Persönlich: Anton Gäumann

Er ist ein Migros-Mann durch und durch. Anton Gäumann (56) arbeitet seit 30 Jahren beim Grossverteiler. Zwischen 1998 und 2001 leitete er die Zusammenführung der Genossenschaften Migros Aargau/Solothurn und Migros Bern. Er war Manager-Kollege der nachmaligen Migros-Konzernchefs Peter Everts (1997 bis 2004) und Herbert Bolliger (ab 2005). Anton Gäumann ist seit dem 1. September 2016 Leiter der Genossenschaft Migros Aare. Er begann seine Karriere mit einer KV-Lehre im Fotofachhandel.

Das Angebot an Produkten aus der Region wird weiter steigen?

Tendenziell ja. Denn die Produkte unter dem Label «Aus der Region. Für die Region.» sind sehr erfolgreich. Die Wiesenmilch zum Beispiel, die wir ausschliesslich im Kanton Aargau produzieren, ist ein Verkaufsrenner. Sie ist sogar eines der meistverkauften Produkte im Gebiet der Migros Aare. Auch der Hydrosalat, den wir in Oftringen beziehen, ist eine Erfolgsgeschichte.

In welche Richtung geht der Trend bei den Ladenflächen?

In den grossen Filialen werden wir, wo das möglich ist, im Frische-Bereich eher ausbauen. Daneben ist die Nahversorgung ein wichtiges Thema. So sind wir etwa laufend auf der Suche nach weiteren Standorten für «Voi»-Läden, unser Kleinflächenkonzept.

Akzeptieren die Kunden die 5-Rappen-Säckli?

Wir sind positiv überrascht. Es gab keine einzige negative Reaktion. Schweizweit ist der Bezug von Raschelsäckli in der Migros seit der Einführung der Gebühr um rund 80 Prozent zurückgegangen. Wir gehen davon aus, dass die Migros Aare ebenfalls in diesem Bereich liegt.

Die Läden sind immer länger offen. 20 Uhr scheint für grössere Supermärkte zum Standard zu werden.

Wir richten uns hier konsequent nach den Bedürfnissen unserer Kunden aus. Im Kanton Aargau sind vor allem die verlängerten Öffnungszeiten am Samstag sehr gut angekommen. Das ist für uns ein klares Signal.

«Im Aargau kommen vor allem die verlängerten Öffnungszeiten am Samstag gut an»: Anton Gäumann ist Chef der Migros Aare, die letztes Jahr 3,336 Milliarden Franken Umsatz machte.

«Im Aargau kommen vor allem die verlängerten Öffnungszeiten am Samstag gut an»: Anton Gäumann ist Chef der Migros Aare, die letztes Jahr 3,336 Milliarden Franken Umsatz machte.

Chris Iseli

Fühlen Sie sich immer noch eingeschränkt in diesem Bereich?

Weil die Gesetzgebung von Kanton zu Kanton verschieden ist, gibt es hier gewisse Marktverfälschungen. Der Aargau ist liberaler als die Kantone Solothurn und Bern. In Letzterem können die Läden am Samstag nur bis 17 Uhr geöffnet werden. Das führt teilweise zur absurden Situation, dass wir die Filialen quasi räumen müssen, obwohl sie noch überfüllt sind.

Spüren Sie eine Verflachung beim Einkaufstourismus?

Überhaupt nicht. Wir haben bisher kein Abflauen dieses Trends feststellen können. Der Einkaufstourismus stellt für uns eine grosse Herausforderung dar und beschäftigt nicht nur unsere Grenzfilialen im Kanton Aargau, sondern die Migros Aare als Ganzes.

Wie lief das Jahr 2016 insgesamt?

Wir haben erst provisorische Daten. Mit einem Nettoumsatz von 3,336 Milliarden Franken haben wir das Rekordergebnis vom Vorjahr in einem allgemein rückläufigen Detailhandelsmarkt noch einmal leicht übertroffen: um 0,3 Prozent. Mit einem Plus von 0,7 Prozent war das Wachstum bei den Supermärkten besonders stark. In den Supermärkten erzielt die Migros Aare fast 80 Prozent ihres Gesamtumsatzes.

Wo läuft es eher enttäuschend?

Umsatzverluste gab es insbesondere in einigen Fachmarkt-Sparten und Gastronomieformaten.

Konkret?

In der Gastronomie sind die Herausforderungen enorm, weil sich der Ausser-Haus-Verzehr mit den verschiedenen Bedürfnissen im Take-away-Geschäft schnell und stark verändert. Die Convenience-Ansprüche sind gestiegen.

Und die Digitalisierung?

Bei den Fachmärkten ist das Onlineshopping ein gewichtiger Faktor geworden, gerade im Bereich von Melectronics. Mit unserem engen Netz aus Abholstationen bieten wir aber eine gute Verknüpfung von stationären Läden und Online-Handel. Sehr positiv entwickelt haben sich unsere Sport-Fachmärkte. Da sind wir im ganzen Wirtschaftsgebiet gut aufgestellt. Im Textilgeschäft ist es hingegen besonders schwierig. Wir sind in diesem Segment aber eher weniger betroffen als spezialisierte Modeketten.

Wo ist die Personalrekrutierung am schwierigsten?

Gewisse gut qualifizierte technisch versierte Handwerker sind schwer zu finden. Und beim Führungspersonal – in allen Bereichen. Da sind wir gefordert.

Und sonst?

Besonders anspruchsvoll ist die Personalrekrutierung auch im Gastro-Bereich. Im Verkauf haben wir guten eigenen Nachwuchs. Wir bilden zudem jedes Jahr über 600 Lernende aus.

Könnten die Schulen besser sein?

Von den Grundschulen bekommen wir sehr viele fähige Leute. Aber es ist für die jungen Leute sicher nicht einfacher geworden, vom Schul- ins Berufsleben zu wechseln. Die Abschlussquoten bei der Migros zeigen, dass unseren Jungen sehr grosse Chancen haben, den Einstieg ins Erwerbsleben zu schaffen.

Wo stehen Sie beim Grossprojekt Tivoli-Garten Spreitenbach?

Wir hoffen, Ende 2017 einen genehmigten Gestaltungsplan zu haben, sodass wir anschliessend mit dem Baubewilligungsverfahren beginnen können. Das Tivoli-Projekt hat für uns einen grossen Stellenwert. Wir wollen damit die Erschliessung unseres Marktgebietes mit Baumärkten abschliessen. Mit dem vierten Obi neben Thun, Schönbühl und Oftringen.

In Oftringen musste die Migros Aare sehr lange für ihren Obi kämpfen. Wie hat sich dieses Fachmarktzentrum entwickelt?

Es ist sehr gut positioniert. Wir gewannen letztes Jahr wieder Kunden hinzu. Es sind jetzt über 400 000 pro Jahr. Wir sind überzeugt, dass ein ähnliches Angebot in Spreitenbach auch gefragt ist.

Inwiefern hat sich das Projekt Bahnhof Aarau konkretisiert?

Das ist ein sehr spannendes Vorhaben direkt an einer Pendler-Hochfrequenzlage. Die Migros Aare wird das Erdgeschoss sowie den ersten und zweiten Stock als Generalmieterin übernehmen – also alle vorgesehenen Gewerbeflächen von 7000 Quadratmetern. Es wird einen modernen Supermarkt geben – ähnlich jenem in der «Welle 7» in Bern. Zudem sind weitere Läden, Restaurants, Büros, ein Businesscenter und ein Fitnesscenter unserer Marke «Flower Power» geplant.

Wie sieht es mit einem Engagement in der Mantelnutzung des geplanten Aarauer Fussballstadions Torfeld aus?

Wir haben das Stadion als Standort für unsere Ladenformate eingehend geprüft. Das Gesamtkonzept ist aber zu wenig attraktiv für uns. Unter den jetzigen Gegebenheiten verfolgen wir das Thema nicht weiter.

Bilder vom geplanten Aarauer Fussballstadion Torfeld:

Das neue Aarauer Fussballstadion Torfeld-Süd
18 Bilder
Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen
Die Ansicht des neuen Fussballstadions.
Auf dem Torfeld Süd wird das neue Aarauer Fussballstadion gebaut, 3. Juni 2016.
Stadtrat Lukas Pfisterer, Bauvorstand, und FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid, rechts, freuen sich über den möglichen Baustart des neuen Fussballstadions auf dem Torfeld Süd, Aarau, 3. Juni 2016.
Rückblick auf turbulente Tage: Pressekonferenz des FC Aarau zum Stadion-Neubau. vlnr: Karl Vogt, René Herzog, Roger Geissberger, Alfred Schmid, Urs Bachmann und Karl Oldani
Das geplante Stadion und das Parkhaus dazu. Parkhaus an der Florastrasse 5, Rockwell Parkhaus aufgenommen am; 27.02.2015
Das alte Projekt lag 2009 öffentlich auf und wurde dann sistiert.
Die Promotoren für ein neues Stadion auf dem Gelände südlich des Bahnhofs. von links Architekt Urs Burkard, Club-100 Präsident Christian Stebler und FCA-Ehrenpräsident René Herzog. 27.5.2002.
Die Leitung des FC Aarau gibt am 5. Juli 2001 im Clubhaus des Stadion Brügglifeld in Aarau eine PK. Im Bild: V. L. Fredy Strasser (Technik), Daniel Probst (VizePräsident / Marketing), Peter Kappeler (Präsident), Valerio Rizzo (Nachwuchs).
Fans setzen sich 2005 für die "Mittelland-Arena" ein. Das Projekt wurde später verworfen.
Das geplante Stadion im Quartier Torfeld-Süd - es wird vom Bahnhof Aarau in nur fünf Minuten erreichbar sein.
Auf dem Areal im Torfeld-Süd, wo das Stadion gebaut wird, fanden schon im November 2015 Abrissarbeiten statt.
Der Eingang ins Stadiongebäude heisst Stadtloggia
Blick auf die Bauarbeiten auf dem Stadion-Areal aus anderer Perspektive. (November 2015)
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd

Das neue Aarauer Fussballstadion Torfeld-Süd

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