Dürreperiode

Zu viele Bakterien und Viren: Kanton warnt vor Baden in Bächen

Derzeit ist die Wasserentnahme aus der Sissle und der Bünz inklusive all ihrer Zuflüsse sowie aus dem Wissenbach verboten. Wenn es bis Ende Woche nicht noch viel Regen gibt, müssen auch die Surb und die Wyna für Wasserbezüger gesperrt werden. Die Pegel von Magdenbach und Ruederche sind zwar auf einem kritisch-tiefen Stand, Wasserentnahmebewilligungen gibt es für diese beiden Bäche allerdings ohnehin nicht.

Derzeit ist die Wasserentnahme aus der Sissle und der Bünz inklusive all ihrer Zuflüsse sowie aus dem Wissenbach verboten. Wenn es bis Ende Woche nicht noch viel Regen gibt, müssen auch die Surb und die Wyna für Wasserbezüger gesperrt werden. Die Pegel von Magdenbach und Ruederche sind zwar auf einem kritisch-tiefen Stand, Wasserentnahmebewilligungen gibt es für diese beiden Bäche allerdings ohnehin nicht.

Weil die Pegelstände der Aargauer Flüsse weiter sinken, ordnet der Kanton neue Wasserentnahme-Verbote an. Zudem kann das Baden in kleinen Bächen krank machen, weil sie jetzt mehr Bakterien und Viren enthalten als sonst.

Nach einigen etwas kühleren Tagen mit vereinzelten Niederschlägen wird es ab Mittwoch wieder richtig heiss – bis zu 35 Grad werden für Donnerstag und Freitag erwartet.

Längst sind viele Flüsse und Bäche im Aargau zu Rinnsalen verkümmert. Im Freiamt müssen nun Massnahmen getroffen werden. Am Dienstagmorgen um 6 Uhr führte die Bünz in Muri nur noch 0,055 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

Das ist nicht einmal eine halbe Badewannenfüllung und liegt unter der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmenge. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hat deshalb nun auch für die Bünz und alle ihre Zuflüsse sowie für den Wissenbach bei Merenschwand ein Wasserentnahmeverbot verhängt. Vom Brauchwasserstopp sind 23 Bewilligungsnehmer betroffen, praktisch alles Betreiber von grösseren landwirtschaftlichen Kulturen.

An der Bünz herrscht keine Selbstbedienung mehr

Wasserentnahmeverbot für die Bünz: Betroffene Bauern mit verdorrten Bohnen und Zucker-Rüebli statt Rüben.

Kein Regen in Sicht

Die Pegelstände der Aargauer Flüsse schwanken, sinken aber tendenziell immer weiter. Dies bestätigt Simon Werne von der Abteilung Landschaft und Gewässer. Bisher durfte lediglich aus der Fricktaler Sissle und ihren Zuflüssen kein Wasser mehr abgezapft werden; dies hatte der Kanton Mitte Juli verfügt. Von dieser ersten Massnahme waren vier Betriebe betroffen.

Fricktaler und Bünztaler Landwirte müssen entweder Wassertransporte aus den Flüssen Rhein, Aare, Reuss oder Limmat organisieren; der Kanton stellt für solche Entnahmen zeitlich befristete Bewilligungen aus. Oder die Landwirte können mit dem Einverständnis lokaler Behörden Wasser aus Trinkwasserversorgungen der Gemeinden beziehen.

Ende der Woche, spätestens Anfang nächster Woche, dürften auch die Pegel von Surb und Wyna unter den kritischen Grenzwert fallen. Dann müsste der Kanton ebenfalls Wasserentnahmeverbote für diese beiden Flüsse verhängen. Laut Simon Werne wären an der Surb elf Betriebe betroffen, an der Wyna vier.

«Damit sich die Situation verbessert, bräuchte es über zwei bis drei Tage anhaltenden ergiebigen Regen. Die Böden müssen sich vollsaugen können», sagt Werne. Doch danach sieht es vorläufig nicht aus. Gemäss Wetterprognosen sind keine grösseren Niederschläge in Sicht. Auch das Feuerverbot in Wäldern und an Waldrändern bleibt deshalb bestehen.

Es ist selten, dass das BVU Wasserentnahmeverbote aussprechen muss – in jüngerer Zeit war das nur im Hitzesommer 2003 und im Mai 2011 notwendig, weil sinkende Pegel und steigende Wassertemperaturen Fische und andere Lebewesen bedrohen.

Bakterien, Insektenlarven oder Algen entwickeln sich im wärmeren Wasser aber umso rascher. «Seichte, lauwarme Stellen an Oberflächengewässern sind immer reich bewachsen mit diesen Organismen», sagt Irina Nüesch, Leiterin Sektion Trink- und Badewasser beim Departement Gesundheit und Soziales. «Der UV-Anteil der Sonnenlichtes tötet einen Teil der Bakterien und Viren ab.

Unter dem Strich dürfte die Besiedlung bei warmem Wetter etwas intensiver und vielfältiger sein als in kühlen Perioden.» Unter Umständen kann man deshalb nicht mehr bedenkenlos in kleinen Bächen baden.

Bäche und Flüsse enthalten meist einen Teil geklärtes Abwasser, das trotz Kläranlage nicht ganz frei von Darmviren und -bakterien ist. «In heissen, trockenen Perioden führen die Bäche und Flüsse viel weniger Niederschlagswasser», sagt Nüesch. Das geklärte Abwasser wird also weniger durch Regen- oder Schmelzwasser verdünnt. «Damit steigt das Risiko, durch den Kontakt mit Bachwasser zu erkranken – besonders, wenn man es verschluckt», so Nüesch.

Vor allem kleine Fliessgewässer seien deshalb in trockenen Hochsommermonaten nur bedingt zum Baden geeignet. «Auch an grösseren Flüssen sollten Badende die Uferabschnitte unterhalb von Kläranlageneinläufen meiden.» Auch nach Gewittern könne sich die Wasserqualität vorübergehend deutlich verschlechtern.

Sogar Badeverbot möglich

Der Kantonsarzt hätte sogar die Befugnis, ein Badeverbot auszusprechen. Irina Nüesch: «Diese Massnahme würde zur Anwendung kommen, wenn an einer beliebten Badestelle mehrheitlich eine schlechte Wasserqualität mit einer zu hohen Anzahl Fäkalkeime festgestellt würde – oder natürlich auch, wenn eine Kläranlage nicht mehr richtig funktioniert und die Flusswasserqualität dadurch massiv verschlechtert wird.»

Bisher hätten schlechte Badewasserwerte an den Aargauer Badestellen aber immer nur kurzzeitig bestanden. «Die Durchschnittswerte bescheinigten für die geprüften Badestellen an den Aargauer Flüssen eine akzeptable bis gute und am Hallwilersee eine sehr gute Qualität. Es ist aber leider unmöglich, flächendeckend alle schönen und zum Badeneinladenden Stellen entlang der Aargauer Fliessgewässer zu kontrollieren.»

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