Eben hat der Grosse Rat eine Gesetzesrevision zur Steuerung und Finanzierung der aargauischen Berufsfachschulen angenommen, allerdings in stark abgeschwächter Form: Der Einfluss des Kantons auf die nichtkantonalen Schulen wird nicht wesentlich grösser.

Und schon kündigt sich der nächste «Hosenlupf» an. Diesmal geht es um die gesamte Sekundarstufe II, also nicht nur um die Berufs-, sondern auch um die Mittelschulen. Das Thema: Standort- und Raumkonzept.

Der Auslöser: Mehrere Mittelschulen platzen aus allen Nähten. Demgegenüber ist die räumliche Auslastung in einigen Berufsschulen suboptimal: Es hätte noch Platz. Könnte man da vielleicht einen Ausgleich schaffen? Sind allenfalls einzelne Berufsschulstandorte gefährdet? Noch vor den Sommerferien soll die Anhörung zum Konzept lanciert werden.

Leerer Schulraum kostet

Kürzlich hat Bildungsdirektor Alex Hürzeler für die Zeitung des Aargauischen Gewerbeverbandes einen «Vorschau-Artikel» zum Thema verfasst. Er schreibt unter anderem: «Leerer Schulraum kostet, ungünstige Abteilungsbildung aufgrund der heutigen Verzettelung in einzelnen Berufen ist teuer.» Man wolle vermehrt auf «Kompetenzzentren» setzen.

Und: «Eines ist klar, es wird nicht ohne Veränderungen gehen, und das an allen Schulen.» Das tönt doch nach einem ziemlichen Hosenlupf. Heisse Debatten sind garantiert.

Zunächst: Nachdem 12 der 14 Berufsfachschulen im Aargau nicht dem Kanton gehören und ihre Selbstständigkeit soeben erfolgreich verteidigt haben – darf der Kanton überhaupt an den Angeboten der einzelnen Schulen rütteln, im Extremfall sogar Standorte schliessen? Ja, er darf.

Gemäss Gesetz über die Berufs- und Weiterbildung entscheidet der Grosse Rat im Rahmen der kantonalen Richtplanung über die Berufsschul-Standorte (Paragraf 13), der Regierungsrat über die Berufszuteilungsplanung in der Grundbildung (Paragraf 14).

Bei den Weiterbildungskursen, welche die meisten Schulen ebenfalls anbieten, hat der Kanton hingegen nichts zu bestimmen. Es geht ausschliesslich um die Grundbildung.

Schülerzahlen ändern sich

Wer die aktuellen Schülerzahlen mit jenen von 2003 vergleicht, erkennt einige markante Veränderungen. Die Tages-Mittelschulen haben allesamt zugelegt, am meisten die Kantonsschule Wohlen mit stolzen 81 Prozent, gefolgt von der Alten Kanti Aarau (47 Prozent), der Kanti Baden (26), der Neuen Kanti Aarau (25), der Kanti Zofingen (15) und der Kanti Wettingen (9).

In absoluten Zahlen liegt Wettingen allerdings mit gut 1000 Studierenden auf Rang 2, hinter der Alten Kanti mit fast 1400. Die kleinste Kanti ist jene von Zofingen mit 370 Studierenden.

Auch etliche Berufsfachschulen verzeichnen einen Schülerzuwachs seit 2003. An der Spitze stehen die beiden kantonalen: die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg mit fast einer Verfünffachung und das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg in Gränichen mit fast einer Verdoppelung.

Auch bei den Nichtkantonalen gab es Wachstum, 32 Prozent zum Beispiel am Berufs- und Weiterbildungszentrum Zofingen, 20 Prozent am Berufsbildungszentrum Fricktal, 17 am KV Aarau.

Doch es gibt auch «Verlierer», zum Beispiel die Schule für Gestaltung in Aarau (minus 24 Prozent), die Gartenbauschule Niederlenz (minus 17), das Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg (minus 12) oder das Berufsbildungszentrum Freiamt (minus 8).

In Niederlenz nur 40 Prozent

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist jedoch eine andere Rangliste, nämlich jene mit der Raumauslastung – siehe Grafik. Hier liegt die Berufsschule Aarau mit 98 Prozent Auslastung ungefährdet an der Spitze. Es folgen weitere sechs Schulen mit Auslastungen über 80 Prozent.

Am Ende der Tabelle findet sich die Gartenbauschule Niederlenz mit einer Raumauslastung von gerade mal 40 Prozent, gefolgt von der Schule für Gestaltung Aarau mit 64 Prozent.

Ebenfalls unter 70 Prozent liegen das KV Brugg (66) und das KV Lenzburg (68). Die Auslastung bezieht sich auf Unterrichts- und Demoräume für die Grundbildung, bei einer Belegung von 36 Wochenlektionen.

Möglichst keine Schliessungen

Regierungsrat Alex Hürzeler hat schon bei mehreren Gelegenheiten betont, man wolle die Schliessung ganzer Standorte möglichst vermeiden. Trotzdem wird an nicht ausgelasteten Schulen schon heftig spekuliert und gebangt.

Doch das Bildungsdepartement lässt sich vor dem Start zur Anhörung nicht in die Karten blicken. Simone Strub, Leiterin Kommunikation im BKS: «Die Überarbeitung des heute noch gültigen Konzeptes ‹Stabilo› drängt sich auf, weil sich die Schülerzahlen stark verändert haben. Wir werden mehrere Szenarien in die Anhörung schicken.»

Ziel der angestrebten Kompetenzzentren: «Berufsgruppen mit ähnlichem Lehrplan und ähnlichen Infrastruktur-Bedürfnissen sollen zusammengeführt werden. Dadurch können Räume besser ausgelastet werden, es entstehen kostensenkende Synergien.»

Simone Strub bestätigt auch, was schon länger diskutiert wird: «Die Wirtschafts- und die Informatikmittelschule, die heute den Kantonsschulen in Aarau und Baden angegliedert sind, werden ebenfalls in die Überlegungen mit einbezogen.» Die Berufsschulrektoren begrüssen eine Verlegung an die Berufsfachschulen, die Mittelschulrektoren sind dagegen.

Bedürfnisse der Regionen

Wirtschaftlichkeit und Effizienz seien aber nur ein Ziel des Standort- und Raumkonzeptes, betont Simone Strub: «Der Aargau ist der Kanton der Regionen. Die Bedürfnisse der Regionen fliessen deshalb ebenfalls mit hoher Priorität in die Planung ein.»