Mutschellen
Zu viel Fluglärm in Bellikon: Die Regierung will mehr Ruhe

Eine eigene Messanlage auf dem Mutschellen zeigt, was die Bevölkerung schon lange wusste: In er der Nacht wird die Fluglärm maussiv überschritten. Nun hat der Kanton beim Flughafen und bei der Aufsichtsbehörde interveniert. Er fordert mehr Ruhe.

Hans Lüthi
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Viele Abflüge in Zürich-Kloten tangieren den Aargau

Viele Abflüge in Zürich-Kloten tangieren den Aargau

Keystone

Misstrauen der Bevölkerung am Mutschellen gegenüber den offiziell verkündeten Lärmwerten führten zum Bau einer eigenen Messstation. Die vom Kanton Aargau betriebene Anlage in Bellikon dokumentiert eine massive Überschreitung des Fluglärms in der Nacht: «Ab 23 Uhr werden die Lärm-Planungswerte in neun von zwölf Monaten überschritten», schreibt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) in einem aktuellen Brief an 150 Aargauer Gemeinden.

Die Belastung in der Nacht sei etwa drei Dezibel höher, «was einer Verdoppelung der Anzahl Überflüge entspricht». Gestützt auf diese vom Flughafen bestätigten Resultate hat der Aargau interveniert: «Der Flughafen und das Bundesamt für Zivilluftfahrt als Aufsichtsbehörde wurden aufgefordert, die für die Einhaltung des Lärmkorsetts nötigen Massnahmen zu ergreifen.»

Startroute bis Flugfläche 80

Beim Fluglärm gibt es auch positive Nachrichten für den Aargau: Das Bundesgericht hat die Einführung der Fluglärm-80-Regel befürwortet. Flugzeuge dürfen ab 22 Uhr die Startrouten erst verlassen, wenn sie 2400 Meter ü. M. erreichen. Weil es weniger Streuverkehr gibt, hat sich die Belastung etwa in Wettingen und Baden bereits spürbar reduziert. Statt alle Starts ab 22 Uhr nach links über Niederweningen-Buchs zu leiten, fliegen nun 60 Prozent links und 40 Prozent rechts weg. (Lü.)

Lärmbelastung nicht definiert

Mitte 2011 hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), gestützt auf Entscheide des Bundesgerichts, das vorläufige Betriebsreglement in Kraft gesetzt. Was noch immer fehlt, ist eine neue Auflage des Lärmkorsetts. «Ein Termin für die Fertigstellung liegt uns nicht vor», erklärt Projektleiter Hans-Martin Plüss. Der Fürsprecher im BVU begründet das mit unterschiedlichen Meinungen zwischen dem Bazl und dem Bundesamt für Umwelt (Bafu).

In Bellikon werden alle Lärmwerte aufgezeichnet, aber nur die für die Grenzwerte kritischen Zahlen ausgewertet. Als störend wird der Fluglärm am Mutschellen auch zu anderen Zeiten empfunden, was aber gesetzlich nicht relevant ist.

Verhandlungen auf Bundesebene

Das Verfahren für den zukünftigen Flugverkehr in Zürich (SIL-Prozess) ist wegen stark unterschiedlicher Positionen der Schweiz und Deutschlands ins Stocken geraten. Über die Verhandlungen zwischen Bundesrätin Doris Leuthard und dem deutschen Verkehrsminister Peter Ramsauer werde der Aargau via Begleitkommission informiert. «Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart», steht in dem von Regierungsrat Peter C. Beyeler unterzeichneten Brief an die Fluglärm-Gemeinden.

Bei Einigung muss das SIL-Objektblatt überarbeitet werden, scheitert ein Staatsvertrag, «ist mit weiteren Einschränkungen im süddeutschen Luftraum zu rechnen».

Verlegung des Punktes Brego

Auf der Abflugroute West musste der Abdrehpunkt im Bereich Buchs/Dällikon angepasst werden. Parallel dazu hat der Aargau die Verlegung des Navigations-Fixpunktes Brego bei Künten verlangt. Nach diesem benennt sich die im Raum Mutschellen aktive Fluglärm-Widerstandsgruppe IG Brego. Jetzt vertröstet das Bazl den Aargau erneut auf das definitive Betriebsreglement, obwohl die Verlegung eine rasche Lärmentlastung bringen könnte.