Grosser Rat

Zu viel Chlorothalonil: Grünen-Grossrat fordert Spritzverbot bei Wasserfassungen

Das Pumpwerk Eichholz in Wohlen fiel wegen zu hoher Chlorothalonil-Werte auf. (Archiv)

Das Pumpwerk Eichholz in Wohlen fiel wegen zu hoher Chlorothalonil-Werte auf. (Archiv)

Grossrat Hansjörg Wittwer (Grüne) will die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln in Trinkwasserschutzzonen und Grundwasserschutzarealen vollständig verbieten. Dies fordert er in einer Motion.

Vor drei Wochen hat die Gemeinde Rietheim im Zurzibiet allen Bauern verboten, weiterhin Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Chlorothalonil zu verwenden (die AZ berichtete). Rietheim ist eine von rund 25 Gemeinden, deren Trinkwasser gemäss einer Untersuchung des Kantons zu stark mit Pestiziden belastet ist. Geht es nach dem Grünen- Grossrat Hansjörg Wittwer, soll im Aargau schon bald ein grossflächiges Verbot von Spritzmitteln gelten.

Wittwer reicht am Dienstag im Grossen Rat eine Motion ein, welche der AZ heute schon vorliegt. Der neue Vorstoss verlangt eine Gesetzesänderung mit dem Ziel, «dass die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (Insektizide, Herbizide und Fungizide) in den Trinkwasserschutzzonen S1 bis S3 und den Grundwasserschutzarealen nicht mehr zugelassen ist».

Eigentlich wünscht sich der Grüne einen flächendeckenden Verzicht auf solche Spritzmittel im ganzen Kanton. «Ein völlig giftfreier Aargau – das ist meine Vision, aber ein solches Verbot auf sämtlichen Landwirtschaftsflächen wäre sicher nicht mehrheitsfähig», sagt Wittwer auf Anfrage.

Wie die Chancen seines moderateren Vorstosses stünden, sei schwer einzuschätzen. «Wir möchten die Motion im Namen der Grünen-Fraktion einreichen und schauen, wie Regierung und andere Parteien reagieren.»

Trinkwasserschutz: Heutige Vorgaben reichen Wittwer nicht

Nach den Grenzwert-Überschreitungen bei Chlorothalonil im Trinkwasser stört sich Wittwer aber daran, «dass in den Schutzzonen der Trinkwasserfassungen und den Grundwasserschutzarealen die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln immer noch zugelassen ist». Trinkwasserschutz-gebiete werden in die Zonen S1 (Fassungsbereich), S2 (engere Schutzzone) und S3 (weitere Schutzzone) gegliedert, zudem werden Grundwasserschutzareale ausgeschieden.

In diesen Gebieten gelte grundsätzlich das Verunreinigungsverbot, wie Wittwer in seinem Vorstoss schreibt. Es ist untersagt, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, in ein Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen.

Auch das Ablagern oder Ausbringen solcher Stoffe ist untersagt, wenn dadurch die Gefahr einer Verunreinigung des Wassers entsteht. Das reicht aus der Sicht des Grünen aber nicht.
Besonders problematisch für das Grundwasser seien nicht oder nur schwer abbaubare Schadstoffe, die den Boden und auch die schützende Deckschicht über dem Grundwasserleiter durchdringen, hält er fest. «Wie die Erfahrungen mit den Chlorothalonilbelastungen zeigen, sind die heutigen Zulassungsverfahren unzureichend», kritisiert Wittwer.

Wie viel Landwirtschaftsland wäre im Aargau betroffen?

Zudem seien die Folgen für aquatische Ökosysteme – also die Lebewesen in Bächen und Flüssen, zu wenig erforscht. Auch die Auswirkungen von Pestizidcocktails – das sind Mischungen verschiedener Substanzen, deren Konzentrationen einzeln unter den Grenzwerten liegen – seien noch weitgehend unbekannt.

Daher ist für Wittwer klar: «Es liegt in unser aller Interesse, die Bewirtschaftungsauflagen so festzulegen, dass das Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird, den gewässerschutzrechtlichen Anforderungen auch langfristig genügt.»

Mit dem angekündigten Verbot von Chlorothalonil durch den Bundesrat will sich Wittwer nicht begnügen. «Das ist nur einer von vielen gefährlichen Stoffen, aus meiner Sicht müssen wir im Einzugsgebiet von Trinkwasserfassungen alle Pflanzenschutzmittel verbieten.»

Wie gross die Fläche im Aargau wäre, auf der Spritzmittel bei einem Ja zu seinem Vorstoss untersagt wären, und wie viel davon Landwirtschaftsland ist, weiss Wittwer nicht. «Ich bin mir bewusst, dass eine solche Regelung für viele Bauern ein starker Eingriff wäre», räumt der Grüne ein. «Aber wenn wir die Verunreinigung des Trinkwassers sehen, sind solche Verbote nötig.»

Meistgesehen

Artboard 1