Michael* starb vor drei Jahren. Robert, sein Stiefvater, soll den Zweijährigen monatelang misshandelt und schliesslich zu Tode geschüttelt haben. Letzte Woche standen Robert und Stefanie, die leibliche Mutter des Jungen, vor Bezirksgericht Baden.

Robert ist wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt. Stefanie wegen fahrlässiger Tötung sowie Körperverletzung durch Unterlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, sie habe ihre Aufsichtspflicht verletzt. Sie hätte merken müssen, dass ihr damaliger Lebenspartner den Bub über Monate quälte.

Gericht folgt Forderung der Staatsanwaltschaft

Am Dienstagnachmittag verkündete Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr das Urteil. Der Hauptbeschuldigte Robert muss wegen vorsätzlicher Tötung und mehrfacher einfacher Körperverletzung für 13 Jahre ins Gefängnis. Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Bei Fällen in denen Robert die Kindsmisshandlung nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, wurde der 40-Jährige in dubio pro reo freigesprochen. Die Zivilklagen wurden indes gutgeheissen: Robert muss der Mutter des getöteten Jungen 45'000 Franken und leiblichen Vater 25'000 Franken Genugtuung bezahlen.

«Ich wollte ihn beruhigen»

"Der Tod war trauriger Höhepunkt monatelanger Misshandlungen", sagte Staatsanwältin Mirjam Frei letzte Woche. Robert gab zu, den Jungen geschüttelt zu haben. "Ich wollte ihn beruhigen, aber er begann, immer mehr zu weinen und zu schreien", schilderte er vor Gericht. Schliesslich sei er aufgestanden, habe Michael von sich weggehalten und geschüttelt. Alle anderen Verletzungen habe er ihm aber nicht zugefügt.

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Roberts Verteidiger Sararard Arquint stellte das gesamte Verfahren infrage. Kritisierte, die Ermittlungen seien nicht objektiv erfolgt. "Den Tod wollte er in keiner Weise. Bewiesen ist nur das Schütteln, der Rest bleibt unklar", sagte er letzte Woche. Arquint verlangte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

Mutter teilweise freigesprochen

Die heute 32-jährige Mutter ist teilweise freigesprochen. Sie wird wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen mit acht Monaten bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren bestraft.

Vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung sowie der Aussetzung sprach das Gericht die 32-jährige Mutter indes frei.

Damit folgt Fehr nicht ganz dem Antrag von Staatsanwältin Mirjam Frei. Diese verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Stefanie sei "Opfer und Täterin zugleich", sagte Frei letzte Woche. Es hätte ihr auffallen müssen, was Robert dem Jungen antat.

Das sieht Stefanie anders. Vor Gericht beteuerte sie, sie habe nichts gesehen. Sie führte Michaels Beulen, Schrammen und Verbrennungen darauf zurück, dass dieser halt "hyperaktiv, lebenslustig und tollpatschig" gewesen sei. Ausserdem kritisierte sie die Ärzte: "Nie hat jemand mit mir über Kindsmisshandlung gesprochen."

Die Zivilklage des leiblichen Vaters wurde abgewiesen. Er forderte mehrere Tausend Franken Schadenersatz und Genugtuung.

* alle Namen geändert