Die Menschen in der Schweiz werden immer älter. Entwickelt sich die Bevölkerung im Aargau wie erwartet, so wird sich die Zahl der Personen über 70 Jahren bis zum Jahr 2035 verdoppeln. Das hat Einfluss auf den Bedarf an Plätzen in Alters- und Pflegeheimen.

Der Kanton Aargau verlangt heute, dass für 23 Prozent aller über 80-Jährigen ein Platz für die stationäre Langzeitpflege bereit steht. Ein solches Bett in einem Alters- und Pflegeheim plus Infrastruktur kostet laut Gesundheitsdepartement rund 300000 Franken. Das stellt die Gemeinden vor Herausforderungen. «Wir müssten bis in 20 Jahren rund 170 Millionen Franken investieren», sagt René Wullschleger, Vize-Ammann von Oftringen und Vorsitzender der Steuerungsgruppe «Pflegegesetz» beim Regionalverband «zofingenregio» gegenüber dem Regionaljournal.

Langzeitpflege-Bedarf

Der Regionalverband «zofingenregio» hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, welche abklären soll, wie die Kosten für die Bettenplanung reduziert werden können. Denn Wullschleger geht nicht davon aus, dass der Bedarf an Pflegebetten 2035 tatsächlich bei den veranschlagten 23 Prozent liegt. Gemäss Befragungen von «zofingenregio» habe die «Attraktivität eines Heimaufenthaltes mit dem Wandel vom Alters- zum Pflegeheim abgenommen», wie es im «Zofinger Tagblatt» heisst. Auch der Aufenthalt in den Heimen werde immer kürzer. Das hat mit der verbesserten Gesundheit der über 80-Jährigen zu tun.

In die ähnliche Stossrichtung geht, dass Pflegeheime in der Region Zofingen rund 20 Prozent ihrer Leistungen in den Pflegestufen 0 bis 3 erbringen. «Dieser Pflegebedarf könnte zum grössten Teil auch mit alternativen Wohn- und Betreuungsangeboten abgedeckt werden», so zofingenregio. 

Das Konzept des Regionalverbandes sei «ambulant vor stationär», so Wullschleger. Menschen sollten eher zu Hause als in Pflegeheimen betreut werden. Damit verbunden wäre auch eine Stärkung der Spitex.

So ist es das Ziel von «zofingenregio», den kantonalen Richtwert für den Bettenbedarf zu senken. Demgegenüber ist der Kanton Aargau grundsätzlich positiv eingestellt. «Es müssen verschiedene Punkte erfüllt sein für eine solche Regelung. Wir gehen davon aus, dass diese Anforderungen im Falle der Region Zofingen erfüllt sind», so Balz Bruder, Sprecher des Gesundheitsdepartements gegenüber dem Regionaljournal. 

Der Kanton seinerseits will auch aktiv werden und den Richtwert überdenken. Auch für andere Regionen - wie zum Beispiel Baden - sei der Richtwert tatäschlich zu hoch. Eine tiefere Quote als die 23 Prozent hat bereits das obere Fricktal. (rhe)