Asylbewerber

Zofinger SVP irrt sich: Wir rechnen nach und zeigen, wie die Asylbewerber im Kanton wirklich verteilt sind

Wie viele Asylbewerber leben in den einzelnen Bezirken? Die SVP Lenzburg beklagt eine Überlastung - doch was sollen die Aarauer sagen?

Wie viele Asylbewerber leben in den einzelnen Bezirken? Die SVP Lenzburg beklagt eine Überlastung - doch was sollen die Aarauer sagen?

Ein politischer Vorstoss aus dem Bezirk Zofingen beklagt eine überproportionale Belastung mit Asylbewerbern. Doch stimmt das überhaupt? Wir haben gleich den ganzen Kanton unter die Lupe genommen.

Für ihren Widerstand gegen die Einrichtung einer Containersiedlung in Safenwil erhalten Dorfbevölkerung und -behörden Unterstützung von den SVP-Grossräten des Bezirks Zofingen.

Nächsten Dienstag werden sie einen Vorstoss einreichen, in dem sie die «überproportionale Anzahl Asylunterkünfte im Bezirk Zofingen» kritisieren und eine bessere regionale Verteilung verlangen. «Hat die Regierung die regionale Ausgewogenheit noch im Griff?», fragen Regina Lehmann, Christian Glur, Benjamin Giezendanner, Markus Gabriel und Hans Pauli rhetorisch.

Ihre Forderung: «Die unausweichliche Verteilung von Asylanten auf unsere Bezirke muss zwingend in einem angemessenen Mass erfolgen.» Die Interpellanten verlangen Auskunft über ein Konzept dafür.

Laut den Interpellanten muss der Bezirk Zofingen 19 Prozent aller Asylbewerber aufnehmen, obwohl nur gut 10 Prozent der Gesamtbevölkerung des Kantons im Bezirk Zofingen leben – ein krasses Missverhältnis, wie sich die SVP-Grossräte beklagen. Nur: Das stimmt so nicht.

Kanton Aargau: So sind die Asylbewerber auf die Bezirke verteilt

In Safenwil macht man gegen die Containersiedlung geltend, dass man schon 28 Asylbewerber in einer gemeindeeigenen Unterkunft unterbringt und somit das Soll mehr als erfüllt. Demnach kommt es also auf den Gesamtbestand an. Und gemäss der kantonalen Statistik für die Berechnung der Ersatzabgaben lebten im vierten Quartal 2015 «nur» gut 12 Prozent der von Kanton und Gemeinden unterzubringenden Asylsuchenden im Bezirk Zofingen. Der von ihr errechnete Prozentsatz sei fälschlicherweise in Bezug auf die Asylsuchenden in kantonseigenen Unterkünften entstanden, erklärt Regina Lehmann.

Protestvoten an der Informationsveranstaltung in Safenwil – und Susanne Hochulis Reaktion.

Protestvoten an der Informationsveranstaltung in Safenwil – und Susanne Hochulis Reaktion.

Aufruhr in Safenwil. Anlässlich der Informationsveranstaltung zur geplanten Containersiedlung für Flüchtlinge ging die Bevölkerung auf die Barrikaden. Das sind die Bedenken der Safenwiler.

Dass der Bezirk Zofingen mit weniger als 11 Prozent der Gesamtbevölkerung und 12 Prozent der Asylunterkünfte einen überdurchschnittlichen Beitrag an die Aufnahme der Asylsuchenden leiste, bleibt für sie dennoch «die traurige Tatsache».

Was sollen da die Aarauer sagen? Im Bezirk Aarau leben 11,5 Prozent der Kantonsbevölkerung, hier sind aber 20 Prozent aller Asylbewerber untergebracht, die dem Aargau zugeteilt wurden. Wenn man schon von einem regionalen Ungleichgewicht sprechen will, dann ist es hier um ein Vielfaches grösser als in Zofingen.

Mit der Eröffnung der Containersiedlung in Safenwil würde Zofingens Anteil zugegebenermassen noch einmal deutlich steigen, in den Vergleichszahlen sind aber auch die Plätze in der geschützten Operationsstelle des Kantonsspitals Aarau oder der ehemaligen Kommandozentrale beim landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg noch nicht eingerechnet.

Beim Stichwort «regionale Ausgewogenheit» könnten sich die Augen eher in die Bezirke Bremgarten, Lenzburg und Brugg richten, wo gemessen an der Einwohnerzahl klar unterdurchschnittlich wenige Asylunterkünfte zur Verfügung stehen.

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Autor

Urs Moser

Urs Moser

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