Unwetter
Zofinger Stadtammann: «Das ist mindestens ein 300-jährliches Hochwasser»

Das Unwetter traf Zofingen besonders hart. Im Interview spricht Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger über Hochwasserschutz, Konsequenzen und Massnahmen.

Katrin Freiburghaus
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Hans-Ruedi Hottiger.

Hans-Ruedi Hottiger.

Wie und wo haben Sie das Unwetter persönlich erlebt?

Hans-Ruedi Hottiger: Ich war zu Hause und bin selber vom Unwetter betroffen. Der Garagenparkplatz ist rund 50 Zentimeter unter Wasser gestanden. Auch im Keller hatte es ziemlich viel Wasser.

Besonders stark betroffen sind die Gebiete Riedtal und Mühlethal sowie Bereiche entlang der Wigger. Können Sie etwas über das Ausmass des Schadens sagen?

Das weiss man noch nicht. Wir haben noch nicht einmal alle Keller leergepumpt. Wir rechnen mit Schäden im zweistelligen Millionenbereich. Die Überschwemmungssituationen, die wir entlang der Wigger immer befürchtet haben, sind nun eingetroffen. Es hat grosse Verwüstungen gegeben, aber wie gross das Ausmass ist, wissen wir noch nicht. Was wir sagen können, ist, dass über 490 Schadenmeldungen eingegangen sind. Wenn man das hochrechnet, kommt man rasch auf sehr hohe Zahlen.

Alle Unterführungen in Zofingen waren geflutet. Hat die Stadt in der Vergangenheit zu wenig für den Hochwasserschutz getan?

Ich glaube nicht, nein. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel in den Hochwasserschutz investiert. Es fragt sich jetzt einfach, worauf man diesen ausrichtet. Wenn der Feuerwehrkommandant – der 45 Jahre lang bei der Feuerwehr dabei ist – sagt, dass er so etwas in seiner ganzen Karriere noch nie erlebt hat, erkennt man das Ausmass. Wir sprechen hier nicht von einem Jahrhunderthochwasser.

Sondern?

Das ist mindestens ein 300-jährliches Hochwasser, von der Kompaktheit sogar noch mehr. In den eineinhalb Stunden am Samstagabend hat es so viel geregnet wie normalerweise fast im ganzen Juli. Das muss man sich mal vorstellen, kein System hält ein solches Unwetter aus. Es ist überhaupt erstaunlich, wie viel funktioniert hat. Bei den neuralgischen Punkten, wo das System versagt hat, muss man sich überlegen, ob Massnahmen künftig darauf ausgelegt werden sollen, dass sie bei allen Unwettern – die man alle 100, 200, 300 Jahre hat – funktionieren. Das ist vor allem eine finanzielle Frage.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus diesem Ereignis?

Das kann man noch nicht sagen. Es gibt verschiedene Konsequenzen oder wenigstens Feedbackrunden, die man machen muss. Wie haben wir das bewältigt? Wie haben wir die Infrastruktur vorbereitet und was können wir in Zukunft mehr machen? Jetzt müssen wir zuerst aber für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen, dann schauen wir weiter.

Welche Bedeutung hat das Unwetter für Zofingen?

Das wird man erst in den nächsten Tagen abschätzen können. Wenn man selber betroffen ist, ist das immer schlimm. Mir hat diese Situation aber auch bewiesen, dass die Bevölkerung funktioniert, dass man zusammensteht, dass man einander hilft. Das ist ein erfreuliches Zeichen bei all den Schwierigkeiten, die wir im Moment zu bewältigen haben.

Sie befinden sich am Sonntag im Feuerwehrlokal in Zofingen – was können Sie von dort aus tun?

Ich habe unsere Leiterin Kommunikation abgelöst, die während der Nacht im Einsatz gestanden ist. Zusammen mit ihr und der Sicherheitsvorsteherin Christiane Guyer habe ich zudem aufgegleist, wie wir die Bevölkerung in den nächsten Tagen informieren wollen. Es werden erneut Regenfälle erwartet, deshalb haben wir weitere Präventionsmassnahmen eingeleitet.

Wie sehen diese konkret aus?

Wir verlassen uns auf die Profis von Feuerwehr und Zivilschutz. An den neuralgischen Punkten haben sie Sperren errichtet, damit wir bei erneuten starken Regenfällen etwas gewappnet sind.

Wie geht es nun weiter?

Die Keller müssen getrocknet und alle Leute mit Strom versorgt werden. Wir müssen uns zudem um die personellen Ressourcen kümmern. Es gibt Einsatzkräfte, die die ganze Nacht gearbeitet haben. Wichtig ist, dass man bald definiert, was in der Verantwortung der Hauseigentümer liegt und wofür Feuerwehr, Zivilschutz und Polizei eingesetzt werden. Ohne Nachbarschaftshilfe könnten wir das aber nie bewältigen.

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