Geschenk
Zofinger Hosenträger für den Papst – Franziskus lächelte

Die Zofinger Textilfirma Jhco Elastic AG wartete bei Papst Franziskus in Rom mit einem speziellen Geschenk auf: Hosenträger aus der eigenen Produktion. Zunächst verstand Franziskus nicht, was das ist.

Caroline Kienberger
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Die Hosenträger des Papstes
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So sind die Hosenträger bedruckt.
Produktion der Hosenträger.

Die Hosenträger des Papstes

Arnold Widmer, Servizio Fotografico Vatican

«Ich hätte nie erwartet, dass der Marktverband es schafft, dem Papst das Geschenk zu geben», sagt Gerhard Bürki, Geschäftsleiter der Zofinger Jhco Elastic AG. Doch er wird überrascht: Hiltrud Frei, Präsidentin der Sektion Ostschweiz, überreichte Papst Franziskus die Hosenträger persönlich. Doch wie schaffte es das in Zofingen hergestellte Produkt hinter die Mauern des Vatikans?

Papst Franziskus lud am 16. Juni Markthändler, Zirkusleute, Schausteller und Strassenkünstler zu einer Sonderaudienz nach Rom ein. Auch der Schweizerische Marktverband reiste als Teil der Schweizer Delegation nach Rom. Das Bündner Ehrenmitglied Christian Zwicky schlug vor, dem Papst bei der Audienz ein Paar Hosenträger als Geschenk zu überreichen. Zwicky verkauft an seinem Marktstand in Landquart selbst Hosenträger und Socken.

Die Bündner kennen Zwicky darum unter dem Namen «Socka Hitsch»: Socka ist bündnerisch für Socken, Hitsch eine Abkürzung für Christian. Die Hosenträger, die er verkauft, bezieht das Bündner Original seit 15 Jahren beim Zofinger Textilunternehmen Jhco Elastic AG. So lag es nah, dass er auch das Papstgeschenk dort bestellte. Er rief Jhco-Geschäftsleiter Gerhard Bürki an und gab drei Paar Hosenträger mit Papstkonterfei in Auftrag. «Ich hielt das für eine komplette Schnapsidee. Nie im Leben wäre ich selbst auf die Idee gekommen, Hosenträger mit Papstbildern drauf zu produzieren», sagt Bürki rückblickend und lacht.

15'000 Hosenträger

Die Jhco Elastic AG, Herstellerin für elastische und unelastische Textilbänder aus Zofingen, produziert 15'000 Hosenträger pro Jahr. «Vor ein paar Jahren waren es nur 8000 bis 9000 jährlich», sagt Geschäftsleiter Gerhard Bürki. Hosenträger seien momentan auch bei jungen Leuten angesagt, das steigere die Nachfrage.

Handarbeit

Trotzdem nahm er den Auftrag an. Das bald 140-jährige Traditionsunternehmen stellt textile Bänder aller Art her, von Hundeleinen über Einfassbänder für Röntgenschürzen bis hin zu Beinkordeln für Militärhosen. Hosenträger stellt die Jhco 15'000 pro Jahr her. Sie beliefert damit Versandhäuser, Souvenirshops oder Marktfahrer. «Die Nachfrage nach Hosenträgern ist in den letzten Jahren gestiegen. Bei vielen jungen Leuten sind sie wieder modern. Sie lassen die Träger gerne über die Hosen herunterhängen», sagt Bürki. Das Band für die Hosenträger weben die Maschinen im Keller der Jhco selbst. Das fertige Gewebe kommt danach in die Weberei Kuny nach Küttigen. Sie bedruckt die Bänder mit den gewünschten Motiven. «Die Hosenträger des Papstes etwa liessen wir mit verschiedenen Bildern von ihm bedrucken», sagt Gerhard Bürki.

Die Firma Kuny schickt die fertig bedruckten Bänder zurück nach Zofingen, wo in Handarbeit Hosenträger daraus entstehen. Zwei Mitarbeiterinnen sind für die Herstellung verantwortlich. Auf einem langen Tisch messen sie das Band ab und schneiden es zurecht. An der Nähmaschine bekommen die Hosenträger anschliessend einen Saum, zwei Metallclips zur Befestigung und zwei Versteller, mit denen der Träger die Länge regeln kann. Pro Hosenträger benötigen die Angestellten je nach Modell vier bis zehn Minuten.

Papst fand Hosenträger lustig

Ähnlich lange dauerte auch Hiltrud Freis Begegnung mit dem Papst. «Die Schweizer Delegation hatte mich vorab zu ihrer Vertreterin ernannt. Die Vertreter jeder Delegation durften dem Papst die Hand schütteln», sagt sie. Dabei habe sie ihm auch die Hosenträger geschenkt. «Papst Franziskus fragte zuerst, was das sei», erinnert sie sich. Er spreche etwas Deutsch, habe das Wort «Hosenträger» aber nicht verstanden. «Ein Übersetzer sagte ihm darum auf Italienisch, worum es sich bei dem Geschenk handelt. Dann lächelte der Papst. Er fand die Hosenträger lustig und hat sich sehr darüber gefreut», sagt Frei. Später habe «Socka Hitsch» dem Kommandanten der Schweizer Garde und dem Touristenführer im Vatikan noch je ein Paar geschenkt.

"Ich habe keinen Audienzwunsch"

Gerhard Bürki fühlt sich dem Papst nicht speziell verbunden: «Ich respektiere alle Religionen, so auch den Papst, aber den Wunsch nach einer Audienz verspüre ich nicht.» Trotzdem war das Geschenk ein einzigartiger Auftrag für ihn. «Es ist schon besonders, dass es unsere Hosenträger aus Zofingen bis nach Rom zum Papst geschafft haben», sagt er. Der Auftrag hat die Jhco mehr Geld gekostet, als er eingebracht hat. «Wir müssen kämpfen. Das Textilbusiness ist hart», sagt Bürki. Grossanbieter aus Asien produzierten die gleiche Ware, nur günstiger und in grösseren Mengen. Die Jhco setzt darum auf Swissness. Jedes Paar Hosenträger wird in einem Klarsichtschächtelchen mit dem Aufdruck «Swiss Made» geliefert. «Im Gegensatz zum Grossanbieter können Kunden bei uns auch kleine Mengen einer Ware bestellen. Wir zeichnen uns zudem durch Liefertreue aus und bieten massgeschneiderte Lösungen an», sagt Bürki.

100 verschiedene Motive

Das zeigt sich auch an den insgesamt zwei Millionen Metern Band, die in der Fabrik lagern. Rollen mit Bändern in allen möglichen Farben und Mustern liegen auf den Gestellen. Die Bänder für die Hosenträger sind bedruckt mit Edelweissen, Violinen oder Katzen. Die Auswahl umfasst 100 verschiedene Motive. Bald könnte auch Papst Franziskus dazugehören: Bürki klärt derzeit ab, ob die Jhco mit den Hosenträgern mit Papst-Aufdruck in Serie geht, um damit Pilgerstätten wie das Kloster Einsiedeln zu beliefern.