Die Villiger Gruppe hat 1700 Angestellte und produziert jährlich über 1,5 Milliarden Cigarren und Cigarillos. 120 Personen arbeiten am Standort Pfeffikon LU. Vor anderthalb Jahren, im Frühling 2016, hatte Zigarrenpatron Heinrich Villiger (damals 86) seine Nachfolge ernsthaft aufgegleist und einen CEO angestellt. Der Schritt war angesichts seines fortgeschrittenen Alters allgemein begrüsst worden.

Ausserstehende hatten allerdings Zweifel, ob es Heinrich Villiger nach 65 Dienstjahren im Familienunternehmen gelingen würde, loszulassen – umso mehr, als dass der neue CEO zuvor mit der Branche nichts zu tun gehabt hatte.

Robert Suter (58) war zuvor Konzernchef der Conzzeta AG, zu der auch die Sportartikelmarke Mammut gehört. Jetzt zeigt sich: Die Skeptiker haben Recht bekommen. Still und leise hat Heinrich Villiger Ende September seinen operativen Chef verabschiedet; «in gegenseitigem Einverständnis», wie er am Montag der AZ sagte.

Tochter erneut im Verwaltungsrat

Gleichzeitig mit dem Abgang von CEO Robert Suter aus dem Unternehmen ist Villigers Tochter Corina Villiger wieder in den Verwaltungsrat der Villiger Söhne Holding AG sowie der Villiger Söhne AG eingetreten. Sie war bereits früher während mehrerer Jahre im Verwaltungsrat der Villiger Söhne AG tätig. Hauptberuflich wird sie weiterhin als Ärztin arbeiten.

Auf einen CEO wird künftig verzichtet. Heinrich Villiger, der nach wie vor Verwaltungsratspräsident ist, sagte gegenüber der AZ, er habe jetzt natürlich schon wieder mehr zu tun, aber es mache ihm nach wie vor grossen Spass. Ausserdem habe er drei sehr gute Spartenchefs (Marketing, Finanzen, Technik). Suters initiierte Projekte würden weitergeführt. Alles gehe seinen Gang. Jetzt freue er sich auf seine alljährliche Schnapsbrennwoche zwischen Weihnachten und Neujahr.

«Ein gutes Verhältnis»

Die Zusammenarbeit zwischen Patron und CEO hat nach aussen hin harmonisch ausgesehen. Im Mai sagte Robert Suter im Interview mit der AZ über seinen Chef: «Er ist Besitzer und Verwaltungsratspräsident der Familienfirma. Er hat das letzte Wort. Ich treffe ihn wöchentlich. Wir haben ein gutes Verhältnis. Er ist ein Patron alter Schule. Ich arbeite gerne mit solchen Personen. Sie haben ein klares Profil und eine klare Meinung. Man weiss, woran man ist. Und ich schätze Familienfirmen, weil sie langfristig denken und meist sehr wertorientiert sind. (...) Natürlich gibt es im operativen Geschäft verschiedene Ansichten – das ist auch eine Frage der Generation. Aber wir lassen uns gegenseitig den Spielraum, den es braucht. Es geht mir gut mit Herrn Villiger.»

Robert Suter stand für den Aufbruch: Im September erklärte er in einem Interview mit dem Fachmagazin «Cigar»: «Ich mag es, wenn Neues entsteht. Das liegt wahrscheinlich an meinem Ingenieurherz, das ist von seiner Natur her rebellisch.» Natürlich müsse er sich auch anpassen, aber er habe Freude an neuen Ideen. «Die grössten Innovationen macht eine Branche, indem sie Konzepte aus einer anderen übernimmt. Man muss Dinge auch mal über den Haufen schmeissen. Unsere neue Zigarrenmarke Corrida ist ein gutes Beispiel dafür. Wir änderten den Look, mit der Karbonschachtel kommt die Zigarre ganz anders daher.»