Grossratswahlen

Zehn Sitze dazugewonnen: Die grüne Welle erreicht den Aargau

Die Freude über die gewonnenen sechs Sitze ist riesig: Die Grünliberalen feierten im Kultur- und Kongresshaus in Aarau.

Die Freude über die gewonnenen sechs Sitze ist riesig: Die Grünliberalen feierten im Kultur- und Kongresshaus in Aarau.

Insgesamt gewannen Grüne und Grünliberale zehn Sitze dazu. Das feierten sie, coronakonform, mit Maske.

Sie hatten allen Grund zu feiern: Im Kultur- und Kongresshaus (KUK) Aarau schossen kurz nach 15.30 Uhr aus einer Kanone Konfetti in die Luft. Die Freude und der Jubel bei den Grünliberalen (GLP) waren riesig. Sechs zusätzliche Sitze im Grossen Rat konnten sie für sich gewinnen, insgesamt besetzen sie damit neu 13 Sitze.

«Es bereitet mir eine wahnsinnige Freude und ich bin erleichtert», sagte Parteipräsident Beat Hiller bei der ausgelassenen Feier. «Wir haben erwartet, dass wir auf der grünen Welle, die wir vor einem Jahr hatten, mitreiten können. Aber, dass es zum Teil so grossartige Resultate geben würde, in einzelnen Ortschaften und in den Bezirken, damit hätten wir nicht gerechnet», sagte er am Nachmittag, noch bevor alle Bezirke ausgezählt waren. Das Ziel, so der Parteipräsident, seien zwölf Sitze gewesen. Das hätte eine Zunahme von fünf Sitzen bedeutet. Dass es nun noch einer mehr ist, überraschte die Partei.

«Wir sind unglaublich glücklich und können es gar noch nicht richtig fassen», sagte auch GLP-Fraktionspräsidentin Barbara Portmann-Müller. Vor Ort feierten rund 50 Personen mit der Partei und den gewählten Grossräten. Allesamt mit Masken. Aufgrund der Coronasituation blieben einige Mitglieder aus dem Freiamt zu Hause: «Sie haben virtuell teilgenommen, dafür haben wir im Vorfeld einen Zoom-Livestream eingerichtet», erklärte Portmann-Müller. Trotzdem habe Corona der Feier nichts nehmen können: «Einzig, dass man die Leute halt nicht lachen und strahlen sieht. Die Freude in den Gesichtern erkennt man an den kleinen Augenfältchen.»

Durchzogene Freude bei den Grünen

Viele freudige, von einer Maske halbbedeckte Gesichter sah man auch im Naturama Aargau. Die Grünen versammelten sich kurz nach dem Mittag, um die Wahlresultate gemeinsam abzuwarten. Die Hoffnung, mit Christiane Guyer eine neue, weibliche Regierungsrätin zu bekommen, schwand zwar bald. «Dieter Egli ist gewählt. Es ist gelaufen», klang es aus dem Saal. Die gute Laune der vorwiegend jungen Anwesenden war kurzzeitig gedämpft.

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Wirklich enttäuscht vom Resultat ist die grüne Regierungsratskandidatin Christiane Guyer nicht. Mit der erreichten Stimmenzahl ist sie zufrieden. Sorgen bereitet ihr aber der anhaltende Frauenmangel im Aargauer Regierungsrat.

Nichtsdestotrotz empfingen die Grünen Guyer auf der Dachterrasse des Naturama mit einem herzlichen Applaus. Sie hatte mit 60103 Stimmen hinter dem gewählten Dieter Egli (69747 Stimmen) ein respektables Resultat erzielt. Grossrätin Ruth Müri fand für ihre Enttäuschung klare Worte: «Im Moment bin ich sehr frustriert. Das bedeutet, dass wir für weitere vier Jahre eine reine Männerregierung haben. Und so sieht Gleichstellung nicht aus.» Trotzdem liess sie sich die Freude über die vier gewonnenen Sitze im Grossen Rat nicht nehmen: «Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», so Müri. Auch Parteipräsident Hölzle hatte Eglis deutliche Wahl so nicht erwartet: «Ich bin überrascht, dass es bereits im ersten Wahlgang ein so klares Resultat gab», sagte er am Nachmittag.

Jonas Fricker schafft nach drei Jahren sein politisches Comeback

Als die Bezirke fertig ausgezählt waren, überwog die Freude über die vier gewonnenen Sitze im Grossen Rat. Die Partei jubelte über den klaren Erfolg der grünen Kräfte. «Es ist schön, dass die grüne Welle den Aargau erreicht hat», sagte ein strahlender Jonas Fricker. Auch die Tatsache, dass die GLP sechs Sitze dazugewonnen hat, freute ihn sehr: «Viele Bürgerliche, die grün denken, haben dieses Mal GLP gewählt. Das gibt sicher auch den grünen Anliegen neuen Schub im Kantonsparlament», so Fricker. Der 43-Jährige feiert ein politisches Comeback. Vor drei Jahren war er aus dem Nationalrat zurückgetreten, nachdem er im Parlament Schweinetransporte mit dem Holocaust verglichen hatte.

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