Warmer Frühling
Zeckenbisse: Der Aargau ist zu zwei Dritteln ein Hochrisikogebiet

Wegen milder Temperaturen sind die Zecken dieses Jahr früh aktiv. Bereits fünf Fälle von Zeckenhirnhautentzündung wurden schweizweit im ersten Quartal 2014 erfasst. Impfungen werden im Aargau von Fachleuten stark empfohlen.

Elia Diehl
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Zeckenalarm im Aargau

Zeckenalarm im Aargau

Keystone

Wo war der Winter? Der warme Frühlings-Express hat ihn überrollt. Die Natur grünt und spriesst seit Wochen; es kreucht und fleucht. Auch der Holzbock ist erwacht, und zwar in grosser Zahl. Die Zecke, welche vor allem die Krankheiten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose überträgt (siehe Box), wird bei sechs bis sieben Grad aktiv.

Bereits fünf Fälle von Zeckenhirnhautentzündung (FSME) wurden schweizweit im ersten Quartal 2014 erfasst. 2013 waren es zum gleichen Zeitpunkt nur zwei. Im ganzen letzten Jahr wurden 205 FSME-Fälle erfasst, doppelt so viele wie 2012 und so viele wie seit 2006 nicht mehr.

Ein Trend lässt sich noch nicht feststellen. «Das ist aber definitiv zu viel und könnte vermieden werden», sagt Daniel Koch, Leiter Infektionskrankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Gut zu Wissen: So gefährlich können Zeckenbisse sein

Welche Gefahren gibt es bei Zeckenbissen?

Infizierte Zecken können zwei Krankheiten übertragen. Die Borreliose wird bakteriell ausgelöst; bis zu 50 Prozent der Zecken tragen das Bakterium in sich. Häufiges Anzeichen ist ein roter Kreis um die Wunde; die Bakterien können jedes Organ oder das Nervensystem befallen.

Die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), auch Zeckenhirnhautentzündung, beginnt ein bis zwei Wochen nach dem Biss mit grippeähnlichen Symptomen. Nur ein bis drei Prozent der Zecken tragen das Virus, allerdings sind immer grössere Gebiete damit befallen.

Wie schützt man sich?

Gegen das gefährlichere FSME-Virus gibt es eine Impfung. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren in Risikogebieten (siehe Karte oben), sich impfen zu lassen. Borreliose kann hingegen erst nach der Infektion mit Antibiotika behandelt werden.

Umso wichtiger ist es daher bei Ausflügen in Risikogebiete, lange, geschlossene Kleidung zu tragen, einen Zeckenspray zu verwenden sowie Büsche und hohe Gräser zu meiden. Das sorgfältige Absuchen des ganzen Körpers und der Kleidung wird nach Aufenthalten empfohlen. (edi)

«Jetzt ist es für die Bevölkerung in den Risikogebieten höchste Zeit für eine Impfung», sagt Koch. «Wir empfehlen dies, bevor die Zeckensaison beginnt.» Der Aargau ist zu gut zwei Dritteln solch ein Hochrisikogebiet (siehe Grafik).

Die Krankenkassen zahlen hier die Impfung – den Wohnhaften wie auch jenen, die sich nur zeitweise dort aufhalten. Judith Seitz, Präventivmedizinerin beim kantonsärztlichen Dienst, betont: «Auch in den anderen Gebieten ist das Risiko nicht gleich null.»

Noch hat es im Kanton keine Infektionen gegeben; letztes Jahr waren es total 14 (siehe Tabelle oben). «Die Zahl der Zeckenstiche und damit auch die Häufigkeit von FSME ist sehr wetterabhängig», erklärt Daniel Koch.

Menschen sind häufiger draussen

Nicht nur die Blutsauger seien bereits früh sehr aktiv, sondern auch die Menschen seien bei warmem Wetter vermehrt draussen. Und sie erkundigen sich aktiv bei den Hausärzten, wie Yolanda Peterhans, Geschäftsführerin des Aargauer Ärzteverbands, bestätigt. «Bluttests und Impfungen wurden mehr als in den Vorjahren verlangt.»

Explodiert die Zeckenpopulation als Folge des milden Winters? Fachleute sind unsicher. Die Zecken vermehren sich zwar früher als sonst und die Eier vertragen warme Winter gut. Dafür sind die Chancen für Zecken, in solchen Wärmeperioden einen Wirt zu finden, nicht allzu gross. Die winterliche Aktivität kostet mehr Energie als die Winterstarre; Energie, die den Zecken – wenn sie nicht vorher verhungert sind – im Sommer fehlen könnte.

Hirnhautentzündungen nach Zeckenbiss im Aargau

Fälle im Jahr:

2004: 15

2005: 37

2006: 28

2007: 12

2008: 13

2009: 13

2010: 11

2011: 23

2012: 10

2013: 14

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